Aachener Friedenspreis

Ausgezeichnet: Peng! ist salonfähig

Ausgezeichnet: Peng! ist salonfähig
Wir zünden ein Feuerwerk für Peng! Und freuen uns, dass ihre Aktionen etwas bewirken.
Wenn sich Aktivisten in die Weltpolitik einschalten, wird das meistens nicht gern gesehen. Das Berliner Künstlerkollektiv Peng! hat es nun geschafft, von offizieller Seite für seine Arbeit für mehr Gerechtigkeit gelobt zu werden.

Ihr Aufruf zum tortalen Krieg gegen Beatrix von Storch (AfD) war erste Sahne, die Vergabe eines Friedenspreis der Waffenindustrie an einen Rüstungsmanager unfassbar glaubwürdig und ihre Telefonaktion gegen Horrorvermieter ein treffsicheres Mittel, der Machtlosigkeit von Mietern Gehör zu verschaffen. Ja, die politischen Künstler erheben sogar die Stimmen an Stellen, an denen wir es von anderen erwarten dürften: Im Namen der Wählerbasis der CDU startet Peng! eine Petition, um Angela Merkel zu bewegen, sich für den Exportstopp von Kleinwaffen einzusetzen. Und im Namen Gaucks entschuldigten sie sich bei den Betroffenen der Hartz-IV-Reform: „Ihre Opfer und Entbehrungen sollen nicht vergessen sein.“ Für diese befriedenden Maßnahmen hat Peng! den Aachener Friedenspreis erhalten.

Gegründet wurde Peng! im Jahre 2013, um mit Anti-Protest- oder Lobby-XXL-Packages modernes Unternehmertum als PR-Agentur DemocReady zu kapitalistischen Höhenflügen zu bewegen. Ja, natürlich war das schon Satire. Es folgten Angriffe gegen den Shell Konzern, Google, Astro TV und viele weitere. Das Besondere bei Peng! ist der feine Humor, der nicht jedem sofort auffällt. Die subversiven Arbeiten gleichen echten Kampagnen und Aktionen von Institutionen, Parteien und Bündnissen. So bemerken die unfreiwilligen Protagonisten oft erst durch die Reaktionen der Öffentlichkeit, dass sie von Peng! beschossen wurden. Das Bundesarbeitsministerium erhielt für die Hartz-IV-Entschuldigung zum Beispiel zahlreiche Danksagungen.

Überreicht bekamen die Berliner den mit 2.000 Euro dotierten Preis am 1. September 2018 in Aachen. Sehr zum Zorn von Beatrix von Storch, die twitterte, dass Gutmenschen das „suppi“ fänden, dabei handele es sich doch beim Tortenwurf um eine demokratiegefährdende Straftat. Jaja. Den Aachener Friedenspreis, der von 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen und etwa 350 Einzelpersonen getragen und finanziert wird, gibt es jedenfalls seit 1998. Mit diesem Preis wird erstmals offiziell anerkannt, dass die laut Friedenspreisbegründung „mutigen, kreativen und humorvollen“ Aktionen, die auch mal mit Strafen belegt werden, zu einer besseren Welt beitragen. Seit 2015 wird Peng! übrigens vom Schauspiel Dortmund unterstützt. Wir gratulieren allen Beteiligten!

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