Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Nadja Bobyleva: Ganz schön stark in Mitte

Nadja Bobyleva
Rosenthaler Platz - Sie hat einen kräftigen Händedruck, baut ihre Möbel selber und demonstriert gegen Saatgutproduzenten – trotz ihres mädchenhaften Äußeren legt Schauspielerin Nadja Bobyleva ("Verschwende deine Jugend") einen erfrischenden Tatendrang an den Tag.  Wir haben mit der sympathischen 30-Jährigen über ihr winziges Zuhause in Mitte gesprochen.

Wir treffen Nadja Bobyleva an einem kalten Novembernachmittag im russischen Restaurant Pasternak. Die Wahl der Schauspielerin fällt nicht ganz überraschend: Geboren wurde Bobyleva 1983 in Moskau, im Alter von neun Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Nach Aufenthalten in Köln, St. Petersburg, Hannover und Los Angeles ist Bobyleva seit rund zwei Jahren am Rosenthaler Platz zu Hause – zumindest, wenn sie nicht gerade dreht oder Freunde und Familie in Köln besucht. Im Herzen Berlins bewohnt die Schauspielerin, die 2003 für den Fernsehpreis Deutscher Film nominiert und 2004 mit dem Günter-Strack-Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, eine kleine Zweizimmer-Altbauwohnung.

„In meiner ersten Zeit in Berlin lebte ich in der Nähe des Boxhagener Platzes in Friedrichshain – dort habe ich mich nie richtig wohl gefühlt und damit gehadert, ob ich überhaupt in Berlin bleiben soll. Doch als ich dann auf die winzige Wohnung in Mitte stieß, war ich sofort begeistert“, erzählt sie. Zwar muss Bobyleva ganz schön tüfteln, um ihr Hab und Gut in den selbst gebauten Regalen auf wenigen Quadratmetern unterzubringen, doch ein separater kleiner Eingang, der vermuten lässt, dass die Wohnung einst den Dienstboten vorbehalten war, sowie der relativ günstige Preis verleihen der kleinen Wohnung einen ganz besonderen Charme.

An den wohlbekannten Hipstern, jungen Familien und Touristen in ihrem Kiez stört sich die Schauspielerin überhaupt nicht: „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich über die Menschen hier aufregen kann. Wenn einen die Mischung stört, kann man doch einfach in einen anderen, für sich selbst geeigneteren der vielen Kieze in Berlin ziehen.“ Eine Sache verwundert sie dann aber doch: „Ich kann nicht verstehen, dass hier immer noch mehr Klamottenläden, die sowieso kein Mensch braucht, aus dem Boden sprießen.“

Bobylevas Lieblingsadressen

Zwar unternimmt Bobyleva ab und an auch einmal Abstecher zu Freunden in Schöneberg, Kreuzberg oder Neukölln, in den Kletterwald in der Jungfernheide oder das Zoo Aquarium, doch „wenn ich dann wirklich mal ein bisschen Zeit in Berlin habe, bin ich eigentlich total froh, wenn ich nicht so oft aus meinem Kiez raus muss“, gibt die Schauspielerin zu. Ihr persönlicher Kiez definiert sich laut Bobyleva vor allem durch die vielen tollen Restaurants. „Ich gehe wahnsinnig gern essen. Wenn du mich nach meinem Kiez fragst, frag mich nach meinen Lieblingsrestaurants“, lacht Bobyleva, die demzufolge viele gute Adressen weitergeben kann.

Neben dem üppigen Sonntagsbrunch im besagten Restaurant Pasternak empfiehlt die Schauspielerin das im Stile eines New Yorker Delis gestaltete Luigi Zuckermann, die Honey Spareribs im asiatischen Restaurant Yumcha Heroes, das Frühstück im Petit Fleury, das sibirisch-russische Restaurant Bogus, in dem man Bärenfleisch oder Elchsteak kosten kann, oder den alternativen Imbiss W in der Kastanienallee. Eine weitere Lieblingsadresse könnte bald hinzukommen: Derzeit spielt Bobyleva, die eine Ausbildung zur Teesommelière abgeschlossen hat, mit dem Gedanken, in Berlin ein eigenes Teehaus zu eröffnen.

 

Trotz ihrer Leidenschaft für Restaurantbesuche kocht Nadja Bobyleva auch gern für sich und andere. Dabei kommt der Schauspielerin wenn möglich Bio-Kost auf den Tisch. „Ich beschäftige mich zunehmend damit, wo man Lebensmittel aber auch Klamotten oder andere Alltagsdinge einkaufen kann, ohne dass Menschen- und Tierrechte verletzt werden. Wenn ich beispielsweise die Bananenberge in den vielen Filialen der Bio Company sehe, denke ich schon, dass das nicht unbedingt mit rechten Dingen zugehen kann“, so Bobyleva, die Öko-Siegeln längst nicht mehr blind vertraut. Mit einem recht guten Gewissen geht sie beispielsweise im kleinen Biomarkt in der Schwedter Straße einkaufen.

Auch an anderer Stelle macht sich das soziale Gewissen der offenen jungen Frau bemerkbar. So hat sie kürzlich nicht nur gegen einen Saatgutkonzern demonstriert, auch der Bauboom in der Stadt ärgert die Schauspielerin. „Statt Spielplätze oder öffentliche Parks einzurichten, werden überall Einkaufszentren in die Landschaft gesetzt – fast so als hätte man Panik, dass eine Fläche ungenutzt bleiben könnte.“

Das nächste Mal ist Nadja Bobyleva am 3. Dezember um 20.15 Uhr in der Dokureihe „Frauen die Geschichte machten“ im ZDF zu erleben. Darin gibt sie der französischen Nationalheldin Jeanne d’Arc  ein Gesicht – nicht ganz unpassend, wie wir finden. Außerdem kommen 2014 die Kinofilme „Meeres Stille“ und „Hüter meines Bruders“ ins Kino. Bobyleva-Fans dürfen also gespannt sein.

Restaurant Pasternak, Knaackstr. 22, 10405 Berlin

Telefon 030 4413399

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Montag bis Sonntag 09:00 bis 01:00 Uhr
Küche bis 24:00 Uhr

Wareniki essen im Pasternak - hausgemachte Teigtaschen, die auch als Nationalgericht der Ukraine gelten.

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