Guerilla Gardening in Lichterfelde

Grüne Insel zwischen Autos

Der Lichterfelder Petrus Akkordeon hat schon die ungewöhnlichsten Orte Berlins bepflanzt. In seinem eigenen Kiez kümmert sich der Guerilla-Gärtner um die Begrünung einer Verkehrsinsel.

Eine eigene Insel war schon lange sein Traum. Nun bricht Petrus Akkordeon dorthin auf – mit einer Schubkarre, in der sich ein Eimer Pferdemist, einige Studentenblumen und zehn Liter Wasser befinden. Sieben Meter Länge und ein Meter Breite, das sind die Maße seiner Insel, die direkt vor seiner Haustür liegt.

Insel vor der eigenen Haustür

Es handelt sich um eine Verkehrsinsel auf der Königsberger Straße in Lichterfelde, an der Kreuzung mit der Herwarthstraße. An diesem Ort ist Petrus Akkordeon, 40, Künstler und Gärtner, aufgewachsen. Bis heute lebt er in dem Steglitzer Ortsteil, arbeitet als Hausgärtner auf einem Grundstück in der Nähe. Um die Bepflanzung der Verkehrsinsel kümmert er sich seit dem Frühjahr, inzwischen mit offizieller Genehmigung. Jetzt wachsen dort Studentenblumen, Lavendel, Anemonen und Salbei. Akkordeon möchte an dieser Stelle einen Staudengarten schaffen.

„Das ist ein wunderbar absurder Ort“, sagt der Guerilla-Gärtner. In der Ferne sieht man die Türme des Heizkraftwerks Lichterfelde, an der Kreuzung stehen zwei Tankstellen, der Lärm von der Baustelle an der Brücke über den Teltowkanal erschwert die Kommunikation und Tag für Tag brettern unzählige Autos vorbei. Dennoch oder gerade deswegen möchte Akkordeon hier ein grünes Stück Land anlegen. Er hat schon Paprika vor dem Kanzleramt gepflanzt, Kartoffeln am Hermannplatz, ein Kürbisfeld am Teltowkanal – alles im Guerilla-Stil. Die Neigung liegt in der Familie: Der Vater war Gärtner, schon in jungen Jahren hat Petrus Akkordeon selbst viele Sonnenblumen gepflanzt. Sein Ziel ist es, die Menschen dazu anzuregen, sich die öffentlichen Flächen zurückzuholen und „etwas Schönes“ entstehen zu lassen.

Unterstützung von den Anwohnern

Mit aller Kraft drückt Akkordeon den Spaten in die Erde, um ein Loch für die mitgebrachten Studentenblumen zu graben. „Ich möchte Menschen zum Lächeln bringen“, schreit er gegen den Autolärm an. Manche Autos fahren langsamer, die Insassen schauen neugierig aus den Fenstern. Die Blumen auf der Insel im tosenden Verkehr zum Wachsen zu bringen, ist nicht einfach. „Der Boden ist tot. Ich habe hier noch keinen einzigen Regenwurm gefunden“, sagt der Gärtner. Nun düngt er den Boden jedes Mal mit Pferdemist. Den Anwohnern gefällt die Aktion, einer hat sogar eine Schubkarre voller Erde vorbeigebracht. Die Autofahrer rufen Akkordeon bei der Arbeit „Danke!“ zu und „Tolle Arbeit!“.

Doch die größte Freude bereiten dem Künstler-Gärtner die neuen Bewohner der Insel: Bienen kreisen um die Blumen, neulich wurde sogar eine Spinne gesehen. Bevor Petrus Akkordeon sein grünes Stückchen Land verlässt, hebt er noch ein Zigarettenpapier auf, das ein Autofahrer weggeworfen hat.

Am 15. September lädt Petrus Akkordeon alle Interessierten dazu ein, mit ihm die Verkehrsinsel zu pflegen und neue Blumen einzusetzen. Kommen genügend Helfer, geht die Arbeit auf einer zweiten Verkehrsinsel weiter. Treffpunkt ist um 12 Uhr an der Ecke Königsberger / Herwarthstraße. Anmeldung unter pakkordeon@web.de


Quelle: Der Tagesspiegel

Grüne Insel zwischen Autos, Königsberger Straße 25B, 12207 Berlin

Weitere Artikel zum Thema Freizeit + Wellness

Familie | Freizeit + Wellness | Wohnen + Leben

Top 10: Laternenumzüge in Berlin

Am 11. November ist St. Martinstag. Rund um dieses Datum finden von Köpenick bis nach […]
Freizeit + Wellness | Sport

Top 10: Eisbahnen in Berlin

Ob leidenschaftlicher Pirouettendreher oder Gelegenheitseisläufer: Es wird Zeit, die Schlittschuhe aus dem Keller zu holen. […]
Ausflüge + Touren | Freizeit + Wellness

Gratis Street Art Tour in Berlin

Kunst gibt es in Berlin nicht nur im Museum, sondern auch an Häuserwänden. Diese interaktive […]