Mascha fragt nach

„Pick up Artists“ – euer Ernst?

„Pick up Artists“ – euer Ernst?
Kicher kicher: Hat da etwa ein sogenannter Pick-Up-Artist einen smarten Spruch aufgesagt?
Da musste Kolumnistin Mascha gleich zweimal nachfragen: Ein Bekannter hat tatsächlich Freunde, die nach den Regeln sogenannter Pick Up Artists Frauen klarmachen wollen? Leider ja – da hat Mascha offenbar einen Anti-Trend verpennt.

Nach über 50 Kolumnen mit sehr persönlichen Geschichten wird Mascha ihre Fühler künftig noch etwas weiter ausstrecken. Schließlich hat nicht nur sie, sondern auch ihr Umfeld jede Menge zu erzählen. Wie erleben andere Berliner ihr Singledasein, warum, verdammte Axt, ist die Partnersuche für so viele junge, liebeshungrige Seelen so schwer? Was haben Menschen zu berichten, die eine offene Beziehung führen – und wie haben eigentlich Maschas Freunde ihre erste Sexparty erlebt? Das und mehr gibt es künftig in der schmissig-investigativen Rubrik „Mascha fragt nach“. Natürlich mischt die Single- und Sexpertin aber auch selbst hier und da noch mit.

Vielleicht bin ich manchmal doch etwas langsam. Und verschlafe die echten Trends. Denn offenbar ist ein ganz großes Ding der Dating-Welt an mir vorbeigegangen: Sogenannte Pick-Up-Artists, kurz PUAs, machen sich mit smarten Pick-Up-Lines reihenweise Frauen klar. Bevor sich jetzt die Hälfte der Leser mit Schmackes die Hand vor die Stirn schlägt über so viel Unwissen meinerseits: Okay, ich habe natürlich schonmal davon gehört, dass es Typen gibt, die anderen Typen beibringen, wie man sein Flirtverhalten optimiert. Coaching für einsame Herzen, sozusagen. Aber ich dachte, das wäre ein total abseitiges Thema, ohne eigenen Namen, angeführt von einer klitzekleinen Gruppe überselbstbewusster Ego-Boys, die sich für die absoluten Flirtkönige im Dating-Universum halten und ein paar armen, sehr hilflosen Typen gut gemeinte Tipps geben. Mir war nicht klar, dass es da eine ganze Community gibt, die sich im Netz über das Thema austauscht. Und dass das Ganze ein „Game“ ist, bei dem es einzig und allein darum geht, viele Frauen klarzumachen. Und schon gar nicht, dass manche Typen unfassbar viel Geld dafür ausgeben, um dieses hehre Ziel zu erreichen. Shame on me.

PUA-Masche: Hauptsache anlabern

Wie ich jetzt darauf komme? Ein Bekannter, den ich kürzlich beim Feiern kennengelernt habe, erzählte mir abends bei einem Drink davon. Eigentlich sprachen wir über Flirten in Clubs, wie das Feiern und vor allem das Feiern auf Drogen manche Menschen enthemmt. Von Männern und Frauen, die mit Dauergrinsen und weit aufgerissenen Augen zu absoluten Flirtmaschinen mutieren, wenn sie vorher eine Prise Chemie getankt haben. Und da erzählte er fast beiläufig davon, dass einige seiner Kumpels ja fast schon professionell vorgehen würden, wenn sie Frauen klarmachen wollten. Kein Alkohol, keine Drogen, sondern die Regeln so genannter Pick-Up-Artists seien ihr Ding. „Häh?“ , sagte ich. Er erklärte weiter: Ziel sei es, möglichst viele Frauen klarzumachen. Idealerweise nicht nur mit ihnen zu quatschen, sondern sie ins Bett zu bekommen. Und da gäbe es eine ganze Reihe von Tricks. Und zwar überall. Die Kumpel, die entsprechende Rituale pflegten, gingen beispielsweise in den Park, oder in den Supermarkt, oder wohin auch immer. Und sprächen mehr oder weniger wahllos Frauen an. Ins Gespräch kommen, irgendwie, das sei das A und O. Am besten ginge das mit Fragen, die überraschen oder die Damen aus der Reserve locken. Dann müsse man dran bleiben, das sei eine Herausforderung. „Häh?“, sagte ich wieder. „Wie wahllos. Also ist es nicht das Ziel, jemanden anzusprechen, den ich gut finde – da würde ich ja noch akzeptieren, dass man zu blöden Phrasen greift, wenn einem nun gar nichts anderes einfällt – sondern irgendwen? Alt, jung, klein, groß, blond, brünett, Hauptsache weiblich?“ Wenn jemand sein Ziel erreichen wolle, sprich, viele Frauen, und das Game im Vordergrund stehe, ja, dann könnte das schon etwas wahllos werden, sagte mein Bekannter. Er merkte, dass ich langsam die Fassung verlor und beeilte sich zu sagen, dass er selbst das  total Banane fände. Aber eben diese paar Kumpel, die hätten sich da irgendwie voll reingehängt.

Pick-Up-Artists: Die meinen das ernst

Jetzt, wo ich alles nachgegooglet habe, komme ich mir noch ein bisschen blöder vor. Seit ein paar Jahren waren die PUAs immer wieder Thema, in den Medien, bei Frauenrechtsorganisationen, bei Psychologen, es gab Geständnisse ehemaliger „Aktiver“ und von Frauen, die auf so einen Typen reingefallen sind. Und bis heute gibt es „Profis“, die ihre Tipps im Netz, bevorzugt in YouTube-Clips, verbreiten. Und da lernte ich etwa von einem jungen Grinseboy mit hochgegelten Haaren, der sich Marko Polo nennt, dass es eine Top 10 der besten „Opener“ gibt. Einer davon: Die Frau mit dem supersmarten Spruch ansprechen: „Weißt du, an wen du mich erinnerst?“ Und wenn sie dann sagt, huch, nein, ach herrje, an wen denn, dann solle man sich eben etwas ausdenken. Und dann käme das Gespräch ins Rollen. Idee Nummer 2: „Wer bist du eigentlich?“ Ja, im Ernst, so soll man eine fremde Person ansprechen. Weil das irgendwie total verwirrend, aber auch total deep ist. Die Lady zum Nachdenken bringen soll. Das scheint eh der Kern zu sein: Emotional andocken, sich interessiert, verständnisvoll, aber auch undurchschaubar und spannend zu präsentieren.

 

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Ein Beitrag geteilt von Matt “Artisan” Ardisson (@mattartisan) am Mai 12, 2018 um 7:35 PDT

Ich will eigentlich gar nicht mehr dazu schreiben, WIE die selbsternannten PUAs vorgehen, wenn sie auf ihre unselige Pirsch gehen. Das können sie auf ihren diversen Kanälen schön selbst tun. Ich schreibe diesen Text eigentlich nur, weil es mich so fassungslos gemacht hat, dass es offenbar selbst in meinem Umfeld Menschen gibt, die Menschen kennen, die so ihre Bumsquote erhöhen wollen. Ich glaube, was mich daran am meisten aufregt ist nicht, dass es solche Maschen gibt. Menschen nutzen ständig irgendeine Masche, um in Sachen Flirt und Liebe und Sex und was auch immer zum Zug zu kommen. Auch ich habe, wenn man so will, eine Masche, wenn ich auf Tinder unterwegs bin, ich überlege mir, was ich als erstes schreiben kann, reagiere mit Neugier oder gebe mich erstmal unnahbar, je nachdem, wie der andere kommuniziert. Aber ich suche mir erst die Person aus, eine Person, die mir gefällt, die mich interessiert, die etwas in mir auslöst, weswegen ich sie kennenlernen will. Oder Sex mit ihr will, ja, auch das. Aber das, was mein Bekannter da erzählt? Hauptsache IRGENDWER? Seine feinen Freunde sind angetrieben von der Gier nach Erfolg, dem Gefühl: Krass, meine Masche klappt. Und vor allem sind sie weder einsam noch hilflos, sie könnten sich locker auf die Frauen konzentrieren, die ihnen wirklich gefallen. Machen sie aber nicht. Es geht ums Game.

Jemand, den ich kenne, kennt so jemanden – oh Gott

Und allein die Tatsache, dass offenbar auch hier in Berlin ein paar dieser Vollpfosten herumlaufen, rechtfertigt es in meinen Augen, auch Jahre nach dem „Hype“ nochmal darüber zu schreiben. Damit man sich nochmal schön an den Kopp fassen kann und vielleicht ein wenig stutzig wird, wenn plötzlich ein Mann um die Ecke biegt und einen aus heiterem Himmel mit seltsamen Fragen und offensiven Interessensbekundungen vollsabbelt. Vielleicht lohnt es, dann mal schnell auf YouTube nachzuschauen, ob man einen der Sätze dort bei Marko Polo und seinen Handlangern wiederfindet. Mein einzige Genugtuung: Manche Männer geben wirklich Geld dafür aus, sich Pick-Up-Lines und andere To Do’s in Form von Coachings beibringen zu lassen. Ein Schweinegeld. „Angebote“ kann man ebenfalls locker im Netz buchen. Und auch ein Kumpel von meinem Bekannten ist offenbar in die USA gereist und hat, ernsthaft, mehrere Tausend Euro für einen Workshop hingeblättert, bei einem offenbar besonders berühmten Pick-Up-Heini. Und da denke ich mir: Wenigstens seid ihr so knallhohl, um Zeit und Geld dafür zu verprassen, etwas zu „lernen“, das niemanden glücklich macht. Am Ende auch nicht euch selbst. 1000 Frauen gebumst, aber nur circa zehn Prozent geil gefunden. Das können sie vielleicht als alte Tattergreise von sich selbst sagen. Wow. Wer würde da nicht neidisch werden?

Insofern: Gut, dass ich da mal nachgefragt habe. Auch, wenn das Ergebnis mich schrecklich aufregt.

Eure Mascha

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