Durch den Kiez

Pierre Geisensetter: "Das hier ist Kuschel-Berlin"

Pierre Geisensetter:
Pierre Geisensetter auf dem "Pingpong-Platz" in seinem Kiez. Zur Foto-Galerie
Herzblatt, Leute heute, McFit – Pierre Geisensetter kennt man. Seit zwei Jahren wohnt der Fitness-Experte in Prenzlberg. Der 44-Jährige bei unserem Kiezspaziergang über Til Schweiger, Zehnkampf und den besten Wein am Helmholtzplatz.

Start: Samstag, 13 Uhr in der Bekarei. Das portugiesische Café ist ein Dauerbrenner unter Wahlberlinern wie Homies, zu lecker der Galão und die südländischen süßen Teilchen. Auch Pierre Geisensetter outet sich als Fan. Schließlich wohnt er seit zwei Jahren im heimeligen Helmholtzkiez, seit kurzem in einer neuen Zweizimmerwohnung. Längere Zeit hat er seinen Erstwohnsitz in Nürnberg nicht aufgeben wollen. „Als ich im Dezember 2014 ankam, wusste ich nicht, wie Prenzlauer Berg oder auch andere Bezirke Berlins aussehen“, erzählt er. „Ich dachte: Mensch, hier sieht es ja aus wie in einem Til Schweiger-Film! Der Kiez hat auch etwas von meinem Heimatviertel in der Nürnberger Nordstadt. Die Häuser stammen großteils aus der Zeit um die Jahrhundertwende.“ Da habe er sich gleich sehr wohlgefühlt, obwohl es natürlich schon ein ziemlicher Schritt war, dann endgültig von Nürnberg nach Berlin zu ziehen. Das muss er mir alten Bambergerin und Wahl-Prenzlbergerin nicht groß erklären.

Wir hatten jedenfalls Spaß beim Galão trinken ...

Lieber Fitness als Fernsehen

Pierre kennt man als Fernsehgesicht. Zwei Jahre Herzblatt, acht Jahre Leute heute, das bleibt hängen. Nun arbeitet er aber seit zwei Jahren als Unternehmenssprecher für die Fitnesskette McFit. Wie gut, dass er sich als Student in Nürnberg damals nicht für den Nebenjob in der Kneipe, sondern für den als Personal Trainer entschieden hat. „Ist definitiv bessere Luft im Studio als in der verrauchten Kneipe, dachte ich mir und habe meinen Trainerschein gemacht“, erklärt er. Rund 3000 Personal Trainings hat er zu der Zeit durchgezogen. Und Sport und Fitness blieben seine Leidenschaft. Nach 15 Jahren und etlichen Stationen bei Funk und Fernsehen hat er sich schließlich gefragt: „Wo will ich selber noch hin?“ Da kam ihm die Stellenausschreibung von McFit, für die er vier Bewerbungsrunden durchlaufen musste, sehr gelegen. Weil ihm das Thema am Herzen liegt, schreibt er auch als Fitness-Experte für Focus Online.

Im Winter nicht ganz so schön wie im Sommer: der Helmholtzplatz.

Als der 44-Jährige in Berlin ankam, hatte er fast Freizeitstress, erinnert er sich. So viel gab es zu entdecken, nahezu in jedem Haus. Und der Späti um die Ecke auf der Stargarder hatte doch tatsächlich rund um die Uhr auf, toll! „Ich bin sonntags früh in den Mauerpark, hab mir einen Plattenspieler gekauft, mich mit alten Motown-Schallplatten eingedeckt und war einfach happy“, erzählt er. „Mein Ziel war und ist es auch immer noch, Berlin besser kennenzulernen und deshalb sonntags immer einen Ausflug woanders hinzumachen. Morgen fahre ich zum Beispiel nach Köpenick. Mitte und Prenzlberg sind wohl so etwas wie die zehn Prozent Kuschel-Berlin. Deshalb ist es woanders natürlich nicht schlechter. Und wenn man sich für seine Stadt interessiert, auch entdeckenswert.

Wo du Pierre in Berlin treffen kannst

Was Pierre in der Stadt außerdem toll findet, und das sprudelt nur so aus ihm heraus: mit seiner 18-jährigen Tochter Revival-artig (zuletzt war er selbst im Alter von 10 Jahren da) auf dem Fernsehturm frühstücken zu gehen, die Atmosphäre in den Hackeschen Höfen, den Lustgarten, die Rummelsberger Bucht, Bootfahren auf der Spree (er hat einen Bootsführerschein), Kaffee trinken im Spreegold oder einfach im Monbijoupark den Leuten beim Tanzen zugucken, bei einem guten Glas Grauburgunder. Apropos: Da müssen wir natürlich gleich Pierres Lieblingswein-Laden aufsuchen: das Goldhahn und Sampson. Dort holt er sich am liebsten einen guten Tropfen aus der Pfalz.

Gut sortiert: die Kochbuchabteilung im Goldhahn und Sampson.

Auch die Kochbuch-Auswahl ist der Knaller, zum Beispiel Looking good naked. Ha. Pierre erklärt: „Ich koche und grille leidenschaftlich gern!“ 

Und weiter geht's auf den kleinen Wochenmarkt ...

Den Lachs, den wir im Anschluss auf dem Wochenmarkt am Helmholtzplatz mitnehmen, wird er beispielsweise auf Zedernholz grillen. „Das wird dann die Vorspeise für meine Gäste heute Abend“, sagt er. Als Hauptgang sind fränkische Bratwürste vorgesehen. Heimatgefühle braucht man eben manchmal.

Yummie, frischer Lachs vom Wochenmarkt.

Natürlich ist Pierre auch ganz schön fit. Er fährt bei Wind und Wetter mit seinem 17 Jahre alten Fahrrad zur Arbeit. Zudem stemmt er drei bis vier Mal die Woche Gewichte, da ist er klassisch im Freihantelbereich zuhause. Aufs Laufband geht er am Wochenende auch manchmal, das macht er übrigens sogar lieber als draußen zu joggen. Wenn bei ihm der sogenannte Cheat Day ansteht, jeder Sportler und auch jeder Diätgeplagte kennt den Tag, an dem alles erlaubt ist, dann findet man ihn im smarten Café Fräulein Dickes. Meist am Sonntag. Besitzerin Andrea kennt ihn auf jeden Fall und begrüßt ihn lächelnd. Ein Cappuccino geht noch. Ihre hausgebackenen Kuchen, wie etwa die Variante Milchreis-Heidelbeer, seien einfach unschlagbar, erklärt Pierre.

Noch ein Kaffee geht immer, hier im Fräulein Dickes ...

Bauch, Bauch, Bauch!

Seinen ultimativen Fitness-Tipp wollen wir dir an dieser Stelle aber auch nicht vorenthalten: Trainiere deine Bauchmitte, das Core, Power-House oder wie du es nennen magst. Dort ist das Zentrum und das ist entscheidend für deine körperliche Stabilität! „Ich finde generell alles gut, was mit Bewegung zu tun hat. Ob das jetzt ein Trendsport ist oder etwas anderes“, erklärt er. „Das Einzige, was mir so gar nicht liegt, das ist Stabhochsprung.“ Das liegt aber nicht daran, dass der passionierte Sportler es nicht mag! Nein, Pierre war mal leidenschaftlicher Leichtathlet, Zehnkämpfer. Und das war die einzige Disziplin, die er nicht konnte. Es imponiert ihm sehr, wenn jemand vier Meter hoch springen kann. Mit ein klein wenig Wehmut …

Auch Clubs und exzessives Feiern gehören für Pierre der Vergangenheit an. Da trinkt er lieber in der Bar ein Bier oder ein Weinchen. In seinem Kiez empfiehlt er dafür die Institution Wohnzimmer Bar oder die fancy Chaostheorie gleich gegenüber. Auch die griechische Bar Misirlou direkt am Helmi ist im Sommer herrlich zum Draußensitzen. Überhaupt kommt es Pierre so vor, als wären Berlin eigentlich zwei Städte, eine im Winter und eine im Sommer – zwei Welten. Und wenn die Sonne scheint, macht das Entdecken gleich dreifach Spaß. „Ich bin seit September richtig fest hier“, erklärt er. „Und habe ja erst einen Bruchteil dieser Stadt kennengelernt. Ich bleibe gern. Es gibt noch so viel zu sehen …“

Foto Galerie

Bekarei, Dunckerstraße 23, 10437 Berlin

Telefon 030 346 222 30

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