Poke Tattoo mit Aydoo

Stich's dir selbst!

Stich's dir selbst!
Poke Tattoo – selbst Hand anlegen auf dem Aydoo-Workshop. Zur Foto-Galerie
Hast du schon einmal überlegt, dir selbst ein Tattoo zu stechen – einzig und alleine mit einer Nadel, etwas Tinte und deinen Händen? Die Plattform Aydoo macht das jetzt möglich. Wir haben nicht lange gefackelt, sondern selbst Nadel angelegt und das Ganze getestet!

Tattoos mag ich ja ganz gerne – aber mir selbst eines stechen? Darüber hatte ich bis vor Kurzem noch nie wirklich nachgedacht. Die neue Berliner Plattform zur hippen Workshop-Vermittlung Aydoo hat das geändert. Neben spannenden Kursen, wie Kombucha: das Trendgetränk selber machen oder Upcycling: Bau deinen eigenen Hocker steht hier nämlich auch Hand Poke Tattoo selbst stechen: dein Visual auf dem Programm angesagter Freizeitaktivitäten.

Der fünfstündige Workshop verspricht so einiges: Briefings zur Geschichte des Tätowierens, Techniken erlernen, skizzieren, üben und sich schließlich selbst ein angesagtes do-it-yourself Poke Tattoo stechen. Ach ja: Für ein Poke Tattoo braucht man übrigens keine Maschine. Hier arbeitest du einzig und alleine mit einer simplen Tattoo-Nadel und deinen Händen. Klang für mich ganz schön aufregend! Also habe ich nicht lange gezögert, sondern mich einfach angemeldet. Und kurz darauf ist es auch schon so weit: Der Workshop findet an einem Samstagnachmittag in einem kleinen Studio im Herzen von Kreuzberg statt. Insgesamt nehmen rund zehn Tattoo-Begeisterte teil und wir werden vom sympathischen Studioleiter Tim und seiner Kollegin wärmstens in Empfang genommen.

Der Leiter Tim erklärt uns Schritt für Schritt das Vorgehen. ©Christine Hierer

Erst die Theorie, dann die Praxis

Und dann geht es auch schon los: Tim, der eigentlich Illustrator ist und irgendwann seine Vorliebe für selbstgestochene Hand Poke Tattoos entdeckte, gibt uns als Erstes eine kleine Einführung. Er erzählt uns, wie Tattoos überhaupt entstanden sind, was das Besondere an Poke Tattoos ist, wie genau gestochen wird und natürlich, worauf wir hygienetechnisch achten müssen. Dabei erklärt und zeigt er uns bereits die vielen verschiedenen Nadeln zum Stechen, die Tinte und alle anderen wichtigen Utensilien wie Desinfektionsspray, Handschuhe oder Blaupause für den Entwurf. Jeder soll bestens wissen, womit er oder sie es hier zu tun hat.

Genug Theorie – es wird Zeit für die Praxis! Doch bevor wir uns selbst piksen heißt es zunächst: Skizzen entwerfen. Mit Zettel und Bleistift geht es also noch gediegen in die erste Runde. Jeder kritzelt fröhlich vor sich hin – Tim und seine Kollegin schauen uns zu, geben kreativen Input und beraten uns, wenn wir uns mit der Zeichnung nicht ganz sicher sind. Sobald jeder ein zufriedenstellendes Motiv entwickelt hat geht es in Runde zwei auch schon ran an der Speck. Genauer gesagt an den Schweinespeck – oder zumindest ein tellergroßes Stück Schweinehaut. Die wird uns mit Tinte, Nadel und Co. direkt an den Platz serviert. So ganz appetitlich ist das Ganze nicht – zumindest muss ich mich erst mal an den Hautfetzen vor meinem Gesicht und den leicht muffigen Geruch in der Nase gewöhnen. Aber das Material kommt Menschenhaut eben vergleichsweise nah und deswegen ziehe auch ich mir tapfer meine Handschuhe an, tauche meine Nadel in die schwarze Tinte und fange an, auf dem kalten Stück Haut rumzustechen. Wer auf dieses geradezu kulinarische Highlight verzichten möchte, kann jedoch auch auf eine vegane Alternative ausweichen.

Ungewohnt aber machbar: geübt wird auf Schweinehaut. ©Christine Hierer

Genug geübt – jetzt geht’s an die eigene Haut

Genug Schweinehaut – genug geübt! Es wird Zeit für Runde drei: uns selbst stechen. Doch bevor dieser aufregendste Teil des Workshops wirklich losgeht, werden wir alle aus dem Raum gebeten. Der wird nun nämlich noch einmal komplett gesäubert und desinfiziert. Safety first ist hier die oberste Devise!

Zurück an unserem Platz zeichnen wir unser Motiv erstmal auf eine Blaupause, um diese an unsere gewünschte Hautstelle zu übertragen und dann entlang dieser Stechen zu können. Danach geht es weiter: Handschuhe anziehen, noch einmal desinfizieren (sicher ist sicher!), Tinte bereitstellen, Nadel aus der Verpackung holen, in möglichst bequeme Selbst-Tätowierungs-Position bringen und durchatmen. Das große Stechen kann beginnen!

Wir müssen in die zweite Hautschicht stechen, erklärt uns Tim. Zu tief und es fängt an zu bluten, zu weit oben und die Farbe wird nach ein paar Wochen wieder verschwinden. Ich muss zugeben, es war schon ein komisches Gefühl, bewaffnet mit dieser nicht ganz kleinen Nadel auf meinem Fuß einzustechen. Und ja, die ersten zwei, drei Pikser haben auch etwas Überwindung gekostet. Aber: Wenn man einmal drin ist, ist man drin. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ab und zu sticht es etwas – ist aber nicht weiter schlimm und man hat sich ruckzuck an die Handgriffe gewöhnt. Ja, es hat richtig Spaß gemacht. Gut vier Mal gehe ich mit der Nadel über mein Motiv bis ich mit meinem Tattoo fertig bin und man keine Lücken mehr sieht. Anders als mit der Maschine, die in gefühlter Lichtgeschwindigkeit akkurat einen Stich neben den nächsten setzt, muss man hier nämlich ganz genau darauf achten, jeden einzelnen Punkt richtig zu setzen, um am Ende schließlich eine durchgezogene Linie zu haben. Mit meinem Endergebnis bin ich mehr als zufrieden und lege die Nadel nach rund einer Stunde glücklich zur Seite.

Sich selbst zu tättowieren macht ganz schön Spaß – mir zumindest. ©Christine Hierer

Eine Samstagnachmittag-Beschäftigung der anderen Art

Poke Tattoos werden in der Regel etwas dicker, aber auch bleicher, also gräulicher, als gängige Tattoos, die mit einer Maschine gestochen werden. Von der letzteren Sorte zieren auch schon so einige Exemplare meinen Körper, aber ich muss sagen: Das Poke Tattoo war noch mal etwas ganz anderes. Mir hat es höchste Freude bereitet, mir mein individuelles Motiv zu stechen – einzig und alleine mit einer Nadel, etwas Tinte und meinen eigenen Händen. Auch in der Gruppe und mit unserem Leiter Tim und seiner Kollegin hat das Nachmittags-Event viel Spaß gemacht. Wir haben viel gelernt und konnten uns kreativ austoben. Ein Samstagnachmittag, der unter die Haut ging! Last but not least: Weil es so viel Spaß macht, bekommt man zum Schluss ein kleines Poke Tattoo Starter Kit mit Nadel und Tinte als Abschiedsgeschenk. Damit kann man den Spaß dann auch alleine daheim wiederholen und sich viele weitere Motive stechen. Denn Achtung: Das Ganze hat definitiv Suchtpotenzial!

 

Update: Leider hat uns vor Kurzem die Nachricht erreicht, dass es die Aydoo-Sessions nicht mehr gibt.

Foto Galerie

Aydoo sessions (geschlossen), Heinrich-Heine-Platz 10, 10179 Berlin

Weitere Artikel zum Thema Beauty, Freizeit + Wellness

Freizeit + Wellness | Kultur + Events

Top 10: Tipps für den Herbst

Okay, nichts geht über den Berliner Sommer. Aber auch nasskaltes Wetter hat seine Vorteile: Endlich […]
Freizeit + Wellness | Kultur + Events

Top 10: Escape Games in Berlin

Dein Alltag ist dir nicht spannend genug oder du wolltest schon immer mal wie James […]
Freizeit + Wellness

Schwitzen für den Feminismus

Eine junge Britin holt Zumba aus der verstaubten Ecke und macht daraus FemmeFitness: Hier bekommst […]