Das Polaroid Projekt

Wenn Warhol und Wenders Selfies machen

Wenn Warhol und Wenders Selfies machen
Eine Sammlung von Momentaufnahmen von der amerikanischen Künstlerin Joyce Neimanas ist nur eins der Werke in der neuen Fotoausstellung im C/O Berlin.
Polaroid-Fotografie steht wie keine andere Kunstform für Spontaneität und Unmittelbarkeit und hat trotz des raschen Aufkommens der digitalen Technik ein echtes Comeback erlebt. “Das Polaroid Projekt” im C/O Berlin zeigt, wie sich die Verwendung des Polaroids durch die Jahre hindurch verändert hat und warum die Kunstform im 21. Jahrhundert wieder im Trend ist.

Vergiss langes Warten in einem Fotostudio oder auf eine Online-Lieferung von Fotos: Mit einer Polaroid-Kamera hält man nur nach ein paar Sekunden das Sofortbild in den Händen. Die Geschwindigkeit der Polaroid-Technologie ist das, was den Reiz dieser Fotografie ausmacht. Zudem ist es in unserer digitalisierten Gesellschaft, in der fast jedes Bild editiert und verschönert wird, erfrischend, eine total unbearbeitete und imperfekte Aufnahme von einem einzigartigen Moment zu bekommen. Kein Photoshop, nur das Bild mit all den Unvollkommenheiten plus trendy Retro-Look.

Genau das erlebst du bei der neuen Fotoausstellung Das Polaroid Projekt im C/O Berlin. Mit rund 250 Bildern von prominenten Künstlern aus Europa und den Vereinigten Staaten werden die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von der Fotografie-Form präsentiert. Laut Kuratorin Barbara Hitchcock sind Robert Rauschenberg, Nobuyoshi Araki, Guy Bourdin, David Hockney, Robert Mapplethorpe, Erwin Wurm und der Berliner Wim Wenders nur einige der Künstler, die mit der Polaroid-Technologie, ihre Kreativität ausgedrückt haben. Diverse Werke, „von der schwarz-weiß Landschaftsfotografie ganz am Anfang, bis zur Explosion von Farbe und Experimente, die wir heute auch erleben“, entdeckt man im Laufe der Ausstellung, sagt sie.

Die Ausstellung

Die bunt lackierten Wände widerspiegeln die kraftvollen Farben der Polaroid-Fotos in der Ausstellung.

Die Besucher haben die Gelegenheit, sich auf eine Reise sowohl durch die wechselnden und diversen Verwendungen des Polaroids durch die Jahre hindurch als auch durch die Entwicklung der Technologie dahinter zu begeben. In einem Schaukasten sieht man die erste Polaroid-Kamera, die im Jahre 1947 hergestellt wurde und eine echte Revolution in der Fotografie-Szene war. Der Erfinder der Sofortkamera ist übrigens Edwin Land. Er kam damals auf die Idee, als sein Kind ihn eines Tages fragte, „wenn ich ein Foto mache, warum kann ich es nicht sofort sehen?“ So wurde das Konzept geboren. Wie die Technik sich in den folgenden Jahren entwickelte, entdeckst du durch die verschiedenen ausgestellten Ausrüstungen, besonders die Polaroid-Filme haben sich sehr entwickelt.

Die Ausstellung

Die diversen Kameramodelle und -Ausrüstungen zeigen, wie sehr die Polaroid-Technik sich im Laufe der Jahre entwickelt hat.

Die Ausstellung ist in verschiedene Themengebiete aufgeteilt: in Arrangements findet man Stillleben und Porträts, die die banalen Aspekte des Lebens zeigen, wie zum Beispiel einen Naseputzenden Andy Warhol. In Interrogations (Fragen) erlebt man, wie Künstler mit Polaroids experimentierten, um den besten Winkel für ihr Bild zu finden. Da finden wir beispielsweise zehn Schnappschüsse von einem brennenden Gartenstuhl: jedes Foto aus einer anderen Perspektive. Und in Instantaneity (Unmittelbarkeit) erkundet man die verschiedenen privaten Verwendungen von Polaroids (für Hochzeiten, Geburtstage und private Treffen unter anderen). Eine ganze Wand in diesem Gebiet widmet sich sogar einigen Bildern von einem Tennisturnier eines lokalen Clubs. Dieser Einblick in die Privatsphäre sorgt für einen echten Kontrast zu den Selfies von prominenten Künstlern.

Was uns besonders auffällt, ist die kreative Art und Weise, in der die Fotos zusammengestellt werden. Einige hängen einfach nebeneinander an der Wand, andere werden in einer Collage gruppiert, und noch andere werden in einer Diamant-Form in einem Schaukasten organisiert. Das regt an, sich kleine Storys aus den Schnappschüssen zusammenzustellen. Aber was alle gemeinsam haben, ist der sofort erkennbare weiße Rahmen um das Bild.

Die Ausstellung

Ein Motiv aus ganz vielen Perspektiven: bei der Polaroid-Form steht das Experimentieren im Mittelpunkt.

Das Polaroid-Phänomen ist heutzutage nicht nur bei professionellen Künstlern beliebt, sondern auch bei Amateuren im Alltag. Die Idee von Selfies, die überall auf Social Media zu sehen sind, entstand ursprünglich aus dem Experimentieren mit Polaroids. Und jetzt sind Polaroids trotz des großen Aufkommens von digitalen Medien wieder im Trend bei der jungen Generation, dank des nostalgischen Gefühls, das von dem charakteristischen Stil des simplen, unbearbeiteten Bildes hervorgerufen wird. Ein Medium also das überdauert und gerade wegen der Unmittelbarkeit so nah dran ist, wie kaum ein Bild sein kann.

Die Ausstellung im C/O Berlin läuft noch bis zum 23. September 2018 und ist täglich von 11 Uhr bis 20 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.

C/O Berlin, Hardenbergstraße 22, 10623 Berlin

Telefon 030 28444160

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Täglich von 11:00 bis 20:00 Uhr

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