Berliner Geschichten

Klaus Wowereit, der Partymeister als glücklicher Rentner?

Klaus Wowereit, der Partymeister als glücklicher Rentner?
Deutlich entspannt zeigt sich Klaus Wowereit auf Events, die er nun freiwillig und gern besucht.
Als Bürgermeister hat er die Hauptstadt in diverse Lager gespalten. Für die einen war „Wowi“ ein Kämpfer, Kumpel und Visionär, für andere nur ein Feierkönig oder sogar eine Lachnummer. Wie er es geschafft hat, trotzdem seinen Job abzuhaken und seine Berlin-Liebe zu retten…

Zuhören, reden, lesen, schreiben – so fasst Klaus Wowereit seinen Job in der Politik zusammen. Und je höher das Amt wurde, desto mehr kam noch das Unterschreiben hinzu. Klingt läppisch, aber hinter den vier Grundtätigkeiten verbirgt sich sehr viel Arbeit. Allein um sich auf Haushaltsdebatten vorzubereiten, hat Wowereit sich durch Berge von Aktenordner mit gut 2500 Seiten gelesen, um überhaupt Detailfragen entscheiden zu können. Woher wir das wissen? Weil Klaus Wowereit seit Dezember 2014 kein Regierender Bürgermeister mehr ist und Zeit hatte, sich wieder mehr dem Schreiben zu widmen. In Sexy, aber nicht mehr so arm: mein Berlin hat er sich ausgiebig selbst zu Wort kommen lassen, um nun im Nachhinein doch mal mit einigen Vorurteilen und Gerüchten aufzuräumen.

Von wegen Party-Löwe

Neben sehr viel trockener Arbeit abseits der Kameras und des Glamours, die er ein wenig zu detailliert im Buch beschreibt, gab es dann aber auch ein paar erfreuliche Pflichttermine. Ja, darunter solche, die ihn berühmt gemacht haben – wenn auch anders als gewünscht. Aus dem legendären roten Pump, den er während der Bambi-Verleihung in die Hand gedrückt bekommen hatte, hat er keinen Schluck getrunken, schwört Klaus Wowereit. Ja, nicht einmal aus der Schampus-Flasche, die er auf dem berühmten Foto in der anderen Hand hält. Doch sein Party-Ruf wurde mit diesem Schnappschuss begründet.

Hinter „sexy“ steckt Arbeit

Dass er über viele Rote Teppiche gegangen ist, bereut er übrigens keineswegs: „Der erste Repräsentant der Stadt muss den Kreativen […] das Gefühl geben, dass sie in dieser Stadt willkommen sind“, erklärt Klaus Wowereit in seinem Buch und setzt am Schluss noch hinzu: „Ganz von allein kommt das sexy nämlich nicht.“ Und ehrlich gesagt, waren auch seine Vorgänger ständig auf Events zu sehen, aber eben keinen Gossip wert. Weil sie nur fünf Minuten offiziell Hände schüttelten und dann davoneilten. Wowereit nahm sich Zeit für die Künstler und glamourösen Gäste und gerade deshalb kamen sie gern wieder oder blieben ganz in Berlin. Sogar die Queen, die echte Elisabeth II.,  überging das Protokoll, um sich mit Wowereit zu unterhalten, obwohl er da schon kein Amtsträger mehr war und nur für einen Handshake in der langen Reihe stand.

Die Clans von Berlin

Hollywood-like geht es auch in Neukölln, Kreuzberg und Schöneberg Nord zu, aber leider so, wie wir es uns nicht erträumt haben. Dort herrschen die Clans, die ihre Machtstrukturen durch Gewalt und Erpressung so weit ausgebaut haben, dass sie sich dem Zugriff von Ordnungskräften entziehen können: „Im Grunde muss man nur den Film Der Pate kennen, dann weiß man, wie und großteils auch warum das so läuft.“ Und: „Clans sind eine Flucht aus Einsamkeit der Nicht-Integrierten und Isolierten.“ Doch das Wissen nützt nichts, solange die Gesetzgebung für die Kriminellen Vorteile bringt. Der Beweispflicht ist von Seiten der Polizei und Staatsanwaltschaft kaum nachzukommen, weil zum Beispiel eine illegale Bargeld-Quelle als solche kaum zu belegen ist. Eine Umkehr der Beweislast wäre eine Lösung, so der Ex-Bürgermeister, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass das „ein dramatischer Eingriff in eines der Grundprinzipien des Rechtsstaates“ wäre.

Inside Berlin

Man mag nicht jede Meinung mit Klaus Wowereit teilen, aber das Buch gibt Einblicke in das Berliner Stadtleben von heute und morgen, die man sich nicht entgehen lassen sollte: BER, Smart City, Start-ups und vielen anderen Hauptstadt-Themen räumt Wowereit ein Kapitel ein. Und obwohl er nun auf Lesetour geht, hat der einst so omnipräsente Ex-Bürgermeister in den letzten drei Jahren allen Hatern bewiesen: Er gehört tatsächlich nicht zu den krankhaften Mittelpunktsmenschen, die weinen, wenn sie nicht mehr die Nummer 1 sind. Dass er nicht mehr auf allen Gästelisten ganz oben steht, stört ihn genauso wenig, wie nicht mehr zu allem gefragt zu werden. Nun hat er Zeit für die Liebe und das wahre Leben. Und das ist auch gut so.

Klaus Wowereits „Sexy, aber nicht mehr so arm: mein Berlin“ ist bei Edel Books erschienen und für 19,95 Euro im Handel erhältlich.

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