Tierisches Integrationsprojekt

Berliner Polizist plant Reptilienpark

Berliner Polizist plant Reptilienpark
Seit drei Jahren plant der Reptilienexperte Jörg Schäfer die Realisierung eines integrativen Zoo-Projektes. So könnten die Großraum-Terrarien der neuen Anlage künftig aussehen.
In den kommenden Jahren soll in Berlin ein zu großen Teilen von Behinderten betriebener Reptilien-Zoo entstehen. Das geplante Integrationsprojekt geht auf die private Initiative eines Berliner Polizeibeamten zurück - lediglich das notwendige Startkapital und ein geeignetes Grundstück fehlen noch.

„Wenn ein Mensch sich etwas vornimmt, ist ihm mehr möglich, als er glaubt!“ – So lautet das Lebensmotto von Jörg Schäfer, einem Berliner Polizeibeamten mit großen Plänen. Der 38-Jährige möchte in Berlin einen integrativen Reptilienpark einrichten – einen Zoo, der zu einem großen Teil von geistig und körperlich behinderten Menschen betrieben wird. „Behinderte werden im Alltag und im Berufsleben viel zu häufig unterschätzt“, betont Schäfer. „Mit diesem sozialen Projekt möchte ich die Fähigkeiten und die Leistungsfähigkeit benachteiligter Menschen unter Beweis stellen.“

Durch die Geburt seines zweitältesten Sohnes wurde der Familienvater auf die Schwierigkeiten bei der Integration behinderter Menschen aufmerksam. Der heute sechsjährige Luca kam mit dem Down-Syndrom auf die Welt und wärend sich sein Vater über Integrationskindergärten und Behindertenwerkstätten informierte, wurde dem Polizeibeamten klar, dass körperlich und geistig eingeschränkte Menschen allzuoft an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Mit seinem Reptilienpark möchte er einen Weg in die entgegengesetzte Richtung aufzeigen.

Geschulter Reptilienexperte

Die Idee, ein soziales Projekt mit tierischer Beteiligung auf die Beine zu stellen, lag für den Polizeibeamten Schäfer nahe. Seit elf Jahren rückt er im Berliner Stadtgebiet aus, um herumirrende Reptilien einzufangen. Teilweise sind die sichergestellten Tiere ihren Besitzern entwischt, doch allzuoft werden Schlangen, Echsen und Co. von ihren Besitzern ausgesetzt. „In Berlin ist für die Haltung dieser Tiere eine Art „Reptilienführerschein“ notwendig und viele Halter scheuen die damit verbundenen Kosten und Mühen und trennen sich lieber von ihren Tieren“, erklärt Schäfer.

Als Konsequenz muss der Reptilienspezialist schonmal eine junge Boa Constrictor in einem Kindergarten oder eine 2,5 Meter lange Anakonda am Potsdamer Platz sicherstellen. Nicht immer kann für die eingefangenen Tiere im Anschluss eine geeignete Unterkunft gefunden werden – und so kommt es, dass teilweise bis zu 70 kriechende und krabbelnde Lebewesen vorübergehend bei Familie Schäfer unterkommen. Zu den sichergestellten kommen dabei auch einige selbst angeschaffte Tiere, denn Schäfer und seine Frau hegen schon seit vielen Jahren eine Leidenschaft für Reptilien, Spinnentiere und Amphibien.

Eine Familie im Reptilienfieber

Derzeit leben in ihrem Haushalt „nur“ acht Kriechtiere: Tiger-, Königspythons und Boas, sowie eine Vogelspinne. In seinem Reptilienpark will Schäfer den Bestand um ein Vielfaches erweitern: In 40 Großterrarien sollen den Besuchern dann 200 Arten, von der Spinne über den Tausendfüßler bis hin zu verschiedenen Echsen, präsentiert werden. Die Tiere werden laut Schäfer zum Teil aus Auffangstationen oder Tierheimen stammen und überfüllte Einrichtungen damit entlasten. Doch auch an Züchter will der geschulte Reptilienfachmann sich wenden. „Eine gewisse Vielfalt an Arten muss gegeben sein, um den Park für möglichst viele Besucher attraktiv zu machen.“ Vor allem der geplante Albinoaligator dürfte viele Neugierige anziehen.

Doch es geht Schäfer nicht nur um den Show-Effekt. Alle zwei Stunden sollen die Besucher in Führungen über die Komplexität und Vielfalt der Tierwelt informiert werden. Außerdem will Schäfer in seinem Reptilienpark den Erwerb der Sachkundeprüfung ermöglichen und über die artgerechte Haltung von Reptilien aufklären. Auch Phobie-Seminare stehen auf dem Programm.

Unterschätzte Fähigkeiten

Doch das Wichtigste ist und bleibt für Schäfer die Integration behinderter Menschen. „Zu 70 bis 80 Prozent möchte ich die Verwaltung und Pflege des Reptilienparks in die Hände benachteiligter Menschen legen“, so der Polizeibeamte. „Ein Kassierer kann ohne weiteres im Rollstuhl sitzen, beim Telefon-Service ist vor allem eine nette Stimme gefragt und geistig behinderte Menschen zeigen oft ein hohes Interesse an der Gartenarbeit“, zählt Schäfer einige Einsatzgebiete auf. Den Behinderten sollen fachkundige Tierpfleger zur Seite stehen.

Durch die gemeinsame Arbeit hofft Schäfer,  Behinderte und Nicht-Behinderte im Rahmen eines gemeinsamen Interesses zusammenbringen zu können. In den kommenden Wochen will er deshalb nicht nur mit Behinderteneinrichtungen in Kontakt treten, sondern auch beim Senat eine Anerkennung als Behindertenwerkstatt beantragen.

Darüber hinaus sei das Projekt „schlüsselfertig“, betont Schäfer, der bereits seit drei Jahren die Finanzierung plant. Lediglich das Startkapital und ein geeignetes Grundstück fehlen dem Reptilienexperten noch. 650.000 Euro sind notwendig, um die neue Anlage sicher, besucherfreundlich und behindertengerecht auszustatten. Schäfer hofft auf private Spenden und staatliche Fördergelder. An den Standort hat der Polizeibeamte keine besonderen Anforderungen. „Egal ob in Spandau, Zehlendorf oder Reinickendorf – in Berlin sind alle Bezirke mit dem Nahverkehr gut zu erreichen und wichtig ist nur, dass der entsprechende Kiez dem Reptilienpark und seinen Mitarbeitern offen gegenübersteht.“

Reptilienpark Berlin, Mittelweg 6, 14797 Berlin

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