Neue Ausstellung

Pop Art-Kunst: Das Leben als Collage

Pop Art-Kunst: Das Leben als Collage
Die Pop Art-Ausstellung Eduardo Paolozzis ist voller Bilder, die Spaß machen: Hier rettet der Vogue-Gorilla gerade Miss Harper. Zur Foto-Galerie
Marilyn Monroe tanzt neben Soldaten auf dem Schlachtfeld, halbnackte Männer, Frauen und Penisse gehören auch dazu: Nicht umsonst gilt Eduardo Paolozzi als einer der respektlosesten Künstler der Nachkriegsmoderne.

Allerdings gilt der schottische Grafiker und Bildhauer nicht nur als der respektloseste, sondern auch als innovativster Künstler des Pop Art-Genre. Die Berlinische Galerie zeigt seine Werke in der Ausstellung Lots of Pictures, Lots of fun. Das künstlerische Interesse Paolozzis galt vor allem dem Phänomen Massenmedien, aber auch Gebrauchsgegenstände des Alltags und Kitsch faszinierten ihn. Mit diesen Bildmotiven der Populärkultur schuf der Künstler quietschbunte, kritische Collagen, die sich auch mal über die amerikanische Pop Art lustig machen. In der Serie Bunk! – übrigens die ersten Werke der britischen Pop Art – bestehen seine Bilder aus persönlichen Fundstücken, die die „amerikanische Kultur“ zeigen sollen: Ein Tarzan stemmt ein Auto, neben sich ein erigiertes Glied, in dessen überdimensionalen Hoden sich ein Pin-Up-Girl räkelt. Deutliche Kritik zeigt auch das Werk Pop Art Redefined mit einem lustigen rosa Elefanten, der eine Amerika-Flagge malt – neben sich eine Campbell-Suppendose, typisch für Bilder Andy Warhols.

Ernster wird es in der Wittgenstein-Reihe As it is when von 1965: Da sich für Eduardo Paolozzi das Leben nur als eine Collage aus verschiedenen Elementen darstellte, erwählte er das Lebenswerk des Philosophen Ludwig Wittgenstein als Projekt, um „vielschichtige Erfahrungsebenen in Collagen einzubringen und sie in einem Bild zu verdichten“. Ergänzt sind diese Drucke beispielsweise mit philosophischen Fragen, Texten oder mit einer detaillierten Beschreibung einer Kinoerfahrung Wittgensteins. Eine große Inspiration zur künstlerischen Weiterentwicklung wurde für Paolozzi auch das Bild Stille Nacht von Hugo Meier-Thur, das er 1970 in einer Zeitschrift entdeckte. Dieses Bild war ein Versuch, Musik in Farben und Formen darzustellen, der den Künstler nicht mehr losließ – es sollte zum Ende seiner Pop Art-Phase werden.

Damals wie heute ist er Wegbereiter für viele Pop-Art-Künstler. ©Trustees of the Paolozzi Foundation

Roboter oder Mensch?

Viele Jahre versuchte Paolozzi, selbst Musikstücke wie The Ravel Suite in Kunst zu übersetzen. Das Ergebnis ist allerdings nicht, wie man vielleicht erwarten würde, voller Farbe und wilder, freier Formen, sondern eher eine akkurate Bleistiftzeichnung, ähnlich einer technischen Bauanleitung. Obwohl das eigentlich nicht weiter verwunderlich ist, denn Wissenschaft und Technik stehen symbolhaft für Paolozzis Suche nach einer neuen Formensprache der Massen- und Industriegesellschaft. So baute der Bildhauer auch große, roboterhafte Skulpturen aus Metall, die eine Schnittstelle zwischen Mensch und Technik darstellen sollen. 

Seinen Aufenthalt in West-Berlin von 1974 bis 1975 bezeichnete Paolozzi übrigens in einem Interview als das fruchtbarste Jahr seines Lebens. In dieser Zeit malte er neben seiner Bilderserie Calcium Light Night auch ein großes Wandbild an der Kurfürstenstraße 87: dieses tauchte erst kürzlich wieder auf, nachdem ein Bankgebäudein Charlottenburg abgerissen worden war.

Foto Galerie

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