PopUp Berlin

Die Zukunft des Einzelhandels

Die Zukunft des Einzelhandels
Das Team von PopUp Berlin v.l.n.r: Patrik Burkert, Nicole Rohde, Dennis Boehres und Sven Straubinger.
In Berlin eröffnet jede Woche mindestens ein Pop-Up - egal ob als Shop oder Restaurant. Dass es sich dabei um viel mehr als einen bloßen Trend handelt, sondern so die Zukunft des Einzelhandels aussehen könnte, zeigt sich am Beispiel von PopUp Berlin. Das kleine Start-up hat den deutschlandweit ersten Marktplatz für die Vermietung von temporären Gewerbeflächen geschaffen. 
Alles fing damit an, dass Patrick Burkert vor etwa eineinhalb Jahren zufällig über einen Pop-Up Store in Treptow stolperte. Ein kleines finnisches Label verkaufte dort ein paar Klamotten in einer leerstehenden Industriehalle. „Ich fand das Konzept einfach spannend und machte mich sofort auf die Suche, was in Berlin noch alles so aufpoppt“, erzählt er. Weil er nichts im Netz fand, was die Locations und Pop-Ups übersichtlich listet, rief er seinen besten Freund Sven Straubinger an. Während des gemeinsamen Masterstudium gründeten die beiden bereits ihr erstes Start-up im Mobile Bereich, für das sie im letzten Jahr mit dem Titel der Kultur- und Kreativpiloten Deutschland durch die Bundesregierung ausgezeichnet wurden. Inspiriert von der Idee und dem Potenzial damit etwas zu bewegen, bauten sie zusammen „kurz eine App und stellten fünf Pop-Ups ein“. Innerhalb einer Woche wurde die App mehrere hundert Male heruntergeladen. Pop-Up: ein Thema, das interessiert. 
 
Burkert und Straubinger „bastelten“ weiter. So ließen sich in kürzester Zeit über die Webseite Pop-Up Events anlegen, was von den Leuten rege genutzt wird: „Pro Woche“, so erzählt Burkert, „kommen drei bis fünf Pop-Ups dazu. Schon bald meldete sich Nicole Rohde bei uns“, erzählt er, „die eigentlich die gleiche Idee hatte.“ Rohde beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema Pop-Ups und der gewerblichen Zwischenmiete. In Großbritannien hatte sie bereits erfolgreich eine Pop-Up Community aufgebaut und Events veranstaltet. Sie gehört zum Gründerteam und kümmert sich um den Aufbau der Community – also um Mieter und Veranstalter von Pop-Up Stores, Projektakquise und die Kommunikation. „Dank ihr sind wir communitytechnisch sehr schnell gewachsen“, lobt Burkert, selber für Produktmanagement und Konzeption zuständig, ihre Arbeit. 
 

Einzug in den YOU IS NOW Accelerator

 
Schnell war klar, dass das anfänglich kleine Projekt etwas Großes werden würde. Handlungsbedarf und mehr Manpower waren vonnöten. So holten sie sich Dennis Boehres ins Boot, ein guter Freund von Burkert, ehemals Geschäftsführer einer der umsatzstärksten Mobile Software Agenturen Deutschlands. Dennis, selbst begeisterter Pop-Up Anhänger, ist in dem jungen Unternehmen für Strategie, Business Development und Vertrieb zuständig. Im Mai diesen Jahres wurde das Team in den YOU IS NOW Accelerator, dem Start-up Inkubator von Immobilienscout24, aufgenommen. Von über 130 Start-ups wurden drei ausgewählt und PopUp Berlin gehört neben zwei weiteren zu den Glücklichen. Für drei Monate stehen ihnen neben 15.000 Euro Unterstützung die Räumlichkeiten des Labs sowie die Expertise mehrerer Mentoren zur Verfügung. Hier hat das Team die Möglichkeit, seine Geschäftsidee weiter voranzutreiben. 
 
Im Moment wird am neuen Produkt gearbeitet, der nächsten Stufe des Online-Marktplatz, welcher in wenigen Wochen online gehen soll und bereits deutschlandweit ausgerichtet ist. Neben vielen Gründungsthemen, dem Aufbau eines Partnernetzwerkes in Deutschland und dem operativen Tagesgeschäft finden bereits Investorengespräche statt, denn die Nachfrage an Räumen auf Zeit sei enorm. So gesehen wird PopUp Berlin nicht nur für Veranstalter eine wichtige Anlaufstelle, auch Vermieter und Eigentümer können über die Plattform die wachsende Nachfrage bedienen und den Prozess der Anmietung in Zukunft komplett online abwickeln. 
 
Was als App mit der Auflistung von Pop-Up Stores und Events in Berlin angefangen hat, könnte demnach auf dem besten Weg sein, sich zu einem großen Marktplatz für die Kurzzeit-Vermietung von Gewerberäumlichkeiten zu entwickeln. In ganz Deutschland, nicht nur in Berlin. „Wir sind das airbnb für Gewerbeflächen“, sagt Burkert. 
 

Aufklärungsarbeit für das Konzept Pop-Up

Außerdem soll die Anmietung extrem vereinfacht werden. „Was in der Regel Wochen und Monate dauert, ist bei uns in nur wenigen Minuten möglich“, verspricht der 30-Jährige. Dank einer Software mit entsprechenden Tools. Für den Vermieter wird der passende Veranstalter gefunden und anders herum genauso. Das läuft über Profile, die die Leute anlegen können, man lernt sich kennen, kommuniziert miteinander, findet die richtige Fläche für die Pop-Up Idee und Vermieter die perfekten Projekte für ihre Räume. Darüber hinaus werden die Pop-Ups auch weiterhin über den Marktplatz und die App beworben. Burkerts Vision: „Wir wollen das Thema Pop-Up vielen Menschen zugänglich machen und dass Anmieten eines Ladens auf Zeit so einfach gestalten wie das Aufsetzen eines Onlineshops.“  
 
Für den jungen Geschäftsführer ist der Begriff dennoch noch viel zu negativ behaftet. Ein Pop-Up soll nicht nur Produkte in den Mittelpunkt rücken und zu Marketingzwecken eingesetzt werden, so wie es vorrangig in den Köpfen der Menschen in Deutschland verankert ist, sondern auch den Raum, ja einen ganzen Kiez inszenieren, wiederbeleben und die Vielfalt an Einzelhandel und Kultur fördern. „Ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zu Arbeit. In Berlin gibt es soviel Leerstand. Unglaublich. Zwischen Berliner Straße und Bayerischem Platz beispielsweise gibt es einen Streifen, auf dem etwa 70 Prozent der Gewerberäume leer stehen. Meine Supervision wäre, eine solche Straße mit dem Pop-Up Konzept wiederzubeleben und zwar die ganze“. Was Burkert und sein Team machen, ist auch ein Stück Aufklärungsarbeit für das Konzept Pop-Up. Als Unternehmer und Existenzgründer habe man nämlich extrem viele Vorteile, „wenn man sich erst einmal für zwei Wochen ausprobieren kann und sich nicht zwei Jahre binden muss“.
 
Auch für den Vermieter sei das Konzept eine sehr lukrative Angelegenheit, wobei natürlich die Lage immer noch sehr entscheidend sei. „Im Schnitt rechnen wir gerade mit zehn Tagen Kurzzeitvermietung, um eine ganze Monatsmiete reinzubekommen. Man kann also das Dreifache aus einer Immobilie rausholen“, so Burkert.
 

Nur eine Frage der Zeit

Noch verdienen er und seine Mitstreiter kein Geld mit ihrer Plattform und konzentrieren sich lieber auf den Aufbau des Unternehmens. Dafür reden Sie bereits mit vielen Investoren, denn das Thema ist spannend. Nicht nur für das Team. Geplant ist, sich über eine Provision zu finanzieren, die für die Nutzung der Tools anfallen wird, sollte es zu einem Abschluss zwischen Mieter und Vermieter kommen. Dazu zählt das alle Prozesse der Anmietung digital ablaufen, von der Buchung, den Mietverträgen und der Bezahlung. Zusatzdienstleistungen wie Reinigungskräfte, Catering oder Versicherung werden mit vermittelt. „Alles, was an Bedürfnissen seitens Mieter und Vermieter da ist, wird gedeckt sein und ist mitbuchbar“ sagt Burkert. 
 
Für ihn ist das Pop-Up Konzept die Zukunft des Retails. „Das wird die Art und Weise sein, wie zukünftig Einzelhandel funktionieren wird und wie Leerstand und Gewerbeflächen in Zukunft genutzt werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.“ Die Idee stammt übrigens ursprünglich aus UK. Dort mache die Pop-Up Industrie mittlerweile 0,6 Prozent des gesamten Einzelhandelumsatzes aus, dies sind 2,1 Milliarden Pfund. Laut einer Studie gab es 2013 etwa 10.000 Popups in Großbritannien mit über 20.000 Mitarbeitern. Ein fester Wirtschaftszweig im Einzelhandel mit extremem Wachstumspotential. Vielleicht auch bald in Deutschland. 
 
Kommenden Mittwoch veranstaltet PopUp Berlin im Haus am See das deutschlandweit erste Meetup zum Thema. Auch hier geht es wieder um Aufklärungsarbeit: Was ist ein Pop-Up? Wie baue ich eines auf? Es gibt Vorträge vom Pop-Up Berlin Team aber auch von Pop-Up Veranstaltern und Space Vermietern. „Wir möchten unseren Kunden und Nutzern die Möglichkeit geben, sich kennenzulernen und auszutauschen, um gemeinsam mit uns das Pop-Up Konzept in Deutschland voranzutreiben.“ Die Teilnahme ist übrigens kostenlos, eine Anmeldung aber erforderlich. Weitere Infos findest du hier.
 
PopUp Berlin, Andreasstr. 10, 10243 Berlin
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