Foto-Blog Pieces of Berlin

Jede Menge Berliner vor der Linse

Jede Menge Berliner vor der Linse
Der Fotograf auf der Terrasse des Cafés Geschwister Nothaft direkt gegenüber der S-Bahn-Haltestelle Sonnenallee.
Rixdorf - Florian Reischauer wohnt seit zwei Jahren in Neukölln. Sein Zuhause ist aber eigentlich ganz Berlin -  so viel ist der Fotograf unterwegs, um die Stadt und ihre Einwohner in all ihren Facetten für seinen erfolgreichen Foto-Blog Pieces of Berlin einzufangen.

„Über Berlin wurde meiner Meinung nach viel zu einseitig berichtet, meist nur darüber, was einen stört, was gerade hip ist oder welche Kieze ‚im Kommen‘ sind“, erklärt Florian Reischauer. „Aber die starke Unterschiedlichkeit der Kieze stand irgendwie nie im Mittelpunkt der Berichterstattung.“ Genau das wollte der gebürtige Österreicher ändern und gründete 2010 seinen Foto-Blog Pieces of Berlin, in dem er einen Querschnitt durch den Berliner Alltag zeigt. „Ich fotografiere alle, ganz egal wen“, sagt Reischauer. „Ich achte eigentlich nur auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Jeder wird kurz aus der Anonymität gegriffen.“

Und auf seinem Blog ist auch wirklich jeder zu finden – von der süßen Omi bis zum coolen Hipster. Alle geben sie kurz Auskunft über sich und ihren Bezirk und sind so auch irgendwo „Sinnbild“ für die ganze Nachbarschaft. Reischauers treuer Wegbegleiter ist dabei seine alte analoge Kamera, die den Bildern eine gehörige Portion Nostalgie verleiht.

Von Friedrichshain nach Neukölln

Als Florian Reischauer im Anschluss an sein Fotografie-Studium nach Berlin kam, hat er sich im Friedrichshainer Nordkiez in der Petersburger Straße niedergelassen. „Mir ist in den vier Jahren dort bewusst geworden, wie rasant sich alles ändert. Da fand ich es natürlich doppelt interessant, das alles zu dokumentieren – wie etwa eine verlassene Fabrik, die vorher abgeranzt war und Freiraum bot, zum vollrenovierten Loft wurde“, nennt er nur eines der prototypischen Beispiele für die Veränderungen in der Stadt.

 

Was uns natürlich besonders interessierte: Welcher Kiez verdient denn seiner Meinung nach derzeit das Prädikat „besonders wertvoll“? „Einen Kiez, den ich persönlich in letzter Zeit sehr spannend finde, ist die Gegend von Kleistpark bis Winterfeldtplatz in Schöneberg“, meint der Fotograf. „Es begeistert mich sowieso, dass du in Berlin um die Ecke gehst und dich plötzlich in einem ganz anderen Ort befindest. So ist das ja auch in Rixdorf, in meinem Kiez hier. Du denkst, da fängt jetzt ein Dorf an, aber gleichzeitig bist du auf der belebten Karl-Marx-Straße. Wahnsinn!“

Lieblingsorte im Kiez

„An Rixdorf finde ich am Tollsten, dass meine besten Freunde auch hier wohnen“, sagt er – neben der schönen dörflichen Atmosphäre und der Tatsache, dass man fast immer jemanden kennt, wenn man vor die Tür geht. „Du kannst entscheiden: Möchte ich heute lieber im Dorf sein oder in der Großstadt. Das finde ich toll“, erklärt der Wahl-Neuköllner. Seine Empfehlungen für den Kiez sind das Ida Nowhere, der Salon Tippel oder der Böhmische Platz.

Außerdem mag Reischauer den Treptower Park und das Frankfurter Tor mit Blick auf den Fernsehturm am Alex. „Wenn ich die Karl-Marx-Allee runtergucke, dann habe ich das Gefühl, hier wird es immer so ausschauen“, meint er. „Ich finde, das gibt der Stadt die ganz eigene Ruhe zurück.“ Früher war der Blankensteinpark in Friedrichshain sein Lieblingspark – als er ringsum noch komplett unbebaut war. Heute ist die Grünanlage renoviert, umbaut und in dem alten Schlachthofgelände aus Backstein ist jetzt ein riesiger Fahrradladen untergebracht.

Neben den Portraitarbeiten gibt es auf der Homepage des Wahl-Neuköllners auch Specials zu sehen z.B. über verlassene Orte, Gentrifizierung oder Berliner Späti-Besitzer. Fans der Fotografien können die Bilder auch online kaufen. Bald soll ein Bildband mit Reischauers gesammelten Werken erscheinen.

Jede Menge Berliner vor der Linse, Böhmische Straße 45, 12055 Berlin

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