Postgiroamt zieht aus

Postturm wird hell: Kreuzberg plant Dorf im Hochhaus

Postturm wird hell: Kreuzberg plant Dorf im Hochhaus
Bald soll die Fassade des Postbank-Hochhauses an der Möckernbrücke freundlicher aussehen. Dann sollen hier auch Menschen wohnen.
Das alte Postgiroamt an der Möckernbrücke soll künftig ein urbanes Dorf beherbergen. Der Büroturm in Kreuzberg wird in Wohnungen umgewandelt – samt neuer Geschäfte und Cafés.

Das ehemalige Postgiroamt Berlin am Halleschen Ufer in Kreuzberg ist keine städtebauliche Augenweide. Das 89 Meter hohe Hochhaus im Internationalen Stil der 1960er Jahre – erbaut nach Plänen des damaligen Oberpostdirektors Prosper Lemoine und 1971 fertiggestellt – wirkt mit seiner dunklen Fassade wenig einladend und fast ein bisschen bedrohlich. Das soll sich bald ändern.

Mitte 2016 will die Postbank mit ihren rund 700 Mitarbeitern an die Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg umziehen. Der neue Eigentümer des Hochhauses in Kreuzberg, die CG Gruppe aus Leipzig, möchte hier ein „Vertical Village“ – ein Dorf im Turm – entwickeln. Dazu sollen 16.245 der insgesamt 18.050 Quadratmeter in Wohnfläche umgewandelt werden: rund 380 helle, teilmöblierte Mietwohnungen mit Loggien, die zwischen 45 und 60 Quadratmeter groß werden. Der Rest ist für Gewerbeeinheiten reserviert.

Neue Geschäfte für den Kiez

Auf den ersten Blick klingt das zwar nicht sonderlich innovativ. Gemischte Nutzung ist in Berlin nichts Neues, ebenso wenig wie kleine, flächeneffiziente Einheiten. Aber was die CG Gruppe unter dem Namen „XBerg Tower“ vermarktet, hat etwas von einem Wohn-Arbeits-Campus: private Apartments plus Gemeinschaftsflächen, wie man sie aus modernen Studentenwohnheimen kennt, etwa eine große Küche für das Erlebniskochen mit Freunden oder Co-Working-Spaces zum Netzwerken. Architekt Eike Becker hat sogar eine Bibliothek und ein Kaminzimmer für die künftigen Bewohner entworfen, sowie eine öffentlich zugängliche Dachterrasse. Und dann soll es noch – neben Car-Sharing direkt vor der Tür – einen Waschsalon, einen Fitnessclub und weitere Geschäfte zur Nahversorgung im Erdgeschoss geben.

„Wir brauchen eine soziale Utopie, die Nachbarschaften neu denkt, die sich nicht damit begnügt, Häuser, Straßen und Plätze zu bauen, sondern die Gesellschaft baut, indem sie Menschen zusammenbringt“, sagt Eike Becker. Den Marktplatz im Sockel des Hochhauses nennt er „eine Kommunikationszone, in der sich Privatheit und Öffentlichkeit treffen“. Die Räume seien eine Mischung: aus Piazza und Wohnzimmer für die Nachbarschaft, aus Hotellobby, Jugendherberge, Schloss, Marktplatz und Favela.

„Wir realisieren ein urbanes Dorf“

So soll das „Vertical Village“ eine heterogene Zielgruppe ansprechen. Eben nicht nur Manager, die für 18 Monate in Berlin bleiben, sondern ebenso Studenten wie auch Rentner und aus dem Ausland zugezogene Entrepreneurs, die ein Startup gründen wollen. Das Motto lautet „Nachbarschaft statt Anonymität“. Das Thema Wohnen mobilisiere sich, so Becker. „Wir müssen Antworten auf diese aktuelle Entwicklung finden und Umzüge vereinfachen. Ein Kaninchenstall in der Stadt reicht da nicht aus, es geht um Community Building und darum, die Eintrittsschranke zur Stadt niedrig zu halten.“ Urbane Lebensqualität sei längst nicht mehr nur an Quadratmeterzahlen festzumachen und schon gar nicht als Gated Community zu verstehen. Vielmehr gehe es um eine soziale Mischung. Man möchte unterschiedliche Leute im Café treffen, die Stadt erleben, Anschluss finden und sich willkommen fühlen. „Wir sollten uns also nicht nur mit der Errichtung von Häusern, Straßen und Plätzen zufriedengeben. Die Aufgabe ist es, urbane Dörfer zu denken und zu realisieren. Mit öffentlichen Nutzungen und Orten, an denen Menschen sich einfach so begegnen und wie selbstverständlich zu Nachbarn werden“, so Becker.

An dieser Stelle in Berlin eine gute Idee. Denn die CG Gruppe plant nicht nur, den Büroturm umzugestalten, sondern zwischen Campuspromenade, Großbeerenstraße und Halleschem Ufer ein ganzes Quartier nach Entwürfen von Sauerbruch Hutton Architekten zu entwickeln mit 20 Prozent Gewerbe – vor allem Büros, Ateliers, Co-Working-Spaces – und einem Hotel gegenüber der U-Bahnstation. Als kooperative Baulandentwicklung werden hier neben den 380 Apartments im Turm weitere 350 Mietwohnungen entstehen, wovon 150 an die Degewo übergeben werden. „Das Quartier wird Wohnungen für Singles, Paare und Familien aller sozialer Schichten bieten, sowie viel Stadtgrün und Raum zum Arbeiten, Networken, Gründen“, erklärt Christoph Gröner, Geschäftsführer der CG Gruppe. „Momentan sind wir mit den Behörden im Gespräch und hoffen, dass wir die Bauarbeiten in drei Jahren abgeschlossen haben.“

Weitere 150 Wohnungen an die Degewo

Die Baugenehmigung steht noch aus, aber Gröner ist zuversichtlich, dass das Konzept in seiner jetzigen Form Zustimmung findet. Zum einen braucht Berlin dringend Mietwohnungen, zum anderen wird die Entwicklung zu einer sozialverträglichen und lebenswerten Aufwertung des Quartiers beitragen. Denn die Mieten im Quartier sollen von 6,50 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen der Degewo bis zu 18 Euro im Dachgeschoss der „Xberg Towers“ reichen. Wobei letztere sich auf die Basisausstattung mit Küche, Garderobe/Abstellkammer und Schlafzimmerschrank als Raumteiler zum Wohnzimmer bezieht. Mieter können sich ihre 1- bis 2-Zimmerwohnung aber auch komplett einrichten lassen und nur mit einem Koffer einziehen. Je unkomplizierter, desto mobiler.


Quelle: Der Tagesspiegel

Deutsche Postbank AG, Hallesches Ufer 60, 10963 Berlin

Deutsche Postbank AG

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