Kiez-Serie

Darum ist es in Potsdam am schönsten

Darum ist es in Potsdam am schönsten
Zwei von Potsdams Attraktionen: das wiedererrichtete Palais Barberini und die Nikolaikirche dahinter.
Diese Stadt ist nicht gerade ein Berliner Kiez, aber mit ihren rund 170.000 Einwohnern nur geringfügig größer als Nord-Neukölln. Nach 16 Jahren Kreuzberg hat sich unser Autor neu verliebt. Hier erzählt er wieso ...

1. … weil hier das schönste Brandenburger Tor steht. Zugegeben, der Berliner Namensvetter mit seinen mächtigen Säulen und der Quadriga ist ungleich bekannter und weltweit eine Ikone. Aber hübscher anzuschauen ist die Potsdamer Variante am Luisenplatz. Beide Bauwerke wurden ursprünglich als Zeichen des Triumphes errichtet, doch das Potsdamer Brandenburger Tor ist kleiner, verschnörkelter und dadurch irgendwie menschlicher. Außerdem steht es sympathisch unentschlossen in der Gegend herum, seit die zugehörige Stadtmauer zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgetragen wurde. Über die Brandenburger Straße, Potsdams autofreie Einkaufsmeile, kannst du gemütlich darauf zu spazieren.

2. … weil gewachsene Kieze wie in Babelsberg ungeheuer lebenswert sind. Auch wenn der größte Stadtteil Potsdams durch die Bahnlinie in einen Nord- und einen Südteil zerschnitten wird, spürt man es hier noch: so etwas wie echtes Kiezgefühl, eine lokale Identität. Besonders der Norden hat etwas angenehm Kleinstädtisches im besten Sinne. Rund um die Karl-Liebknecht-Straße wird eingekauft und dabei trifft man sich manchmal auch noch, einfach so. Östlich davon liegen schöne, ruhige und grüne Wohnstraßen mit abwechslungsreicher Bebauung. Überhaupt sind in Babelsberg viele schöne Häuser erhalten geblieben, von den schnuckeligen kleinen Weberhäusern bis hin zu Gründerzeitbauten. Mit Studio und Filmpark Babelsberg sowie der Universität ist aber im südlichen Teil auch die große, weite Welt vor Ort.

3. … weil es mit dem SV Babelsberg 03 auch noch einen weltoffenen Kiezverein gibt. Hertha BSC mag 1. Bundesliga spielen und dem 1. FC Union helfen seine Fans bei der Stadionrenovierung, aber bei 03 in Potsdam bist du beim Fußball noch richtig nah dran. Beim Heimspiel im stimmungsvollen Karl-Liebknecht-Stadion kommt man auch kurz vor Anpfiff noch auf seine Lieblingstribüne, zahlt dafür rund 10 Euro und erlebt Fußball pur. Der ist nicht immer schön anzuschauen, aber wenn auf dem Platz mal wieder gar nichts geht, kommen in der Halbzeit wenigstens die Karli-Charts: drei Songs, bei denen du die Ohren garantiert nicht zuklappen musst. Die Ultras von Babelsberg 03 und ein Teil der Fanszene sind linksorientiert, aber der Verein heißt ausdrücklich alle aus dem Kiez und darüber hinaus willkommen – außer Personen, die rechtes oder diskriminierendes Gedankengut verbreiten. Bundesweit bekannt wurde der SVB 03 mit seinem Flüchtlingsteam Welcome United, das als dritte Herrenmannschaft für die Kiezkicker antritt.

 

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4. … weil es richtig leckeres Bier gibt. Berlin mag jede Menge kleine und größere Craft Beer-Brauereien mit vielen wohlschmeckenden Sorten zu bieten haben, doch ein Potsdamer Bier hält da locker mit: die Stange. Hergestellt wird es von der Braumanufaktur Potsdam im Forsthaus Templin. Wenn du dort an einem Sommerwochenende etwas essen und trinken möchtest, solltest du allerdings etwas Zeit mitbringen. Aber zum Glück gibt es das Bio-Bier auch in vielen Getränkeläden und Supermärkten in der Region. Die Braumanufaktur hat die rund 200 Jahre alte regionale Spezialität als Potsdamer Stange wiederbelebt. Das Besondere daran sei das helle Weizenmalz, das zusätzlich zum Gerstenmalz verwendet werde, so der Hersteller. Und tatsächlich schmeckt auch der Laie einen Schuss Weizen aus dem unfiltrierten Bier, das ansonsten wie ein fruchtiges Pils oder Helles daherkommt. Ein Allrounder im besten Sinne also!

5. … weil du hier herrlich atmosphärische Altbauviertel findest. Zwar müssen in Potsdam regelmäßig mit viel Aufwand, Sperrungen und Evakuierungen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Aber glücklicherweise sind damals auch größere Teile der Stadt von Zerstörungen verschont geblieben. Wunderschöne, ruhige Straßenzüge mit Häusern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert gibt es etwa in der Brandenburger Vorstadt rund um den Doktor-Rudolf-Tschäpe-Platz. Deutlich bekannter ist das Holländische Viertel in der Innenstadt mit seinen kleinen Ziegelsteinhäusern, das im 18. Jahrhundert auf Wunsch des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. errichtet wurde. Heute ist es Kulturdenkmal, Touristenattraktion, aber auch für Einheimische charmant zum Bummeln. Was man in diesen Gegenden jedoch nicht erwarten sollte: günstigen Wohnraum. Damit hat Potsdam inzwischen ein ähnliches Problem wie Berlin. Also: anschauen ja, einziehen eher nein.

6. … weil Einkaufen hier noch gemütlich ist. Klar – die Auswahl an Geschäften kann in der 170.000-Einwohner-Stadt nicht mit Berlin mithalten. Die großen Elektronikmärkte residieren in den Bahnhofspassagen und im Einkaufszentrum Stern-Center am Stadtrand. Und doch bekommst du vieles auch in den gemütlichen Einkaufsstraßen der Innenstadt. Dort gibt es neben einer Reihe von Boutiquen und netten Shops für Kindermode etwa zwei gute Buchläden – Internationales Buch und Wist, zwei Anlaufstellen für (nicht nur) Whisky-Liebhaber – Schnapsidee und Whisky Manufaktur, sowie den British American Shop mit Produkten aus dem Vereinigten Königreich und vereinzelt den USA, die man bei uns sonst nicht so einfach bekommt.

7. … weil Potsdams Gastronomie für fast jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Obwohl du in die guten Restaurants vielleicht nicht direkt hineinfällst wie im gesättigten Charlottenburg, Prenzlauer Berg, Mitte oder Kreuzberg. Aber die brandenburgische Hauptstadt hat leckere Italiener wie Assaggi oder L’Osteria, das Kades Restaurant am Pfingstberg mit guter deutscher Küche und Aussicht, einen Griechen mit viel Qualität und nicht zu viel Quantität (To Steki) und mit dem Friedrich Wilhelm im Wildpark sogar ein Sterne-Restaurant (laut Guide Michelin 2018).

8. … weil Parks, Seen und Schlösser ganz nah sind. Auch wenn das eine Stadt allein noch nicht lebenswert macht: Potsdam ist beim Weltkultur- und Weltnaturerbe der UNESCO nicht umsonst stark vertreten. Den Park Sanssouci mit dem Schloss besucht ohnehin jeder Tourist, aber mit dem Neuen Garten und dem Park Babelsberg hat die Stadt noch zwei genauso schöne Grünanlagen zu bieten. Nicht dass das die einzigen wären. Neben dem Schloss Sanssouci und dem Neuen Palais solltest du dir auch Cecilienhof anschauen, selbst wenn dort gerade mächtig renoviert wird. Dass Potsdam von Seen und der Havel geradezu umzingelt ist, trägt nicht nur im Sommer zu seinem Charme bei.

9. … weil es neben Schlössern nun auch ein Museum von internationalem Rang gibt. Das mit Hilfe von Software-Milliardär Hasso Plattner rekonstruierte Palais Barberini beherbergt nicht nur Teile von dessen Kunstsammlung, sondern verknüpft diese mit Leihgaben bedeutender Häuser zu großen sehenswerten Themen-Ausstellungen. Nach Impressionismus und amerikanischer Moderne ist derzeit DDR-Kunst zu sehen: kein Selbstläufer, aber ein hervorragender Überblick zum Komplex. Auch wenn die historisierende Gestaltung der Potsdamer Stadtmitte nicht unumstritten ist: Mit dem Museum Barberini dürften sich inzwischen auch die meisten Kritiker angefreundet haben.

10. … weil hier Ruhe statt Hektik herrscht. Ruhe braucht nun nicht jeder. In Potsdam gibt es gerade mal eine Hand voll Clubs, so dass vor allem ehemalige Berliner hier ganz schön Verzicht üben müssen. Aber wer einfach nicht der Typ für die Riesenmetropole ist oder wer nach Jahren in Berlin mal runterkommen möchte, für den ist die benachbarte Landeshauptstadt eine echte Alternative. Ja, Potsdam ist schöner, das Leben gemächlicher und stressfreier. Und das Beste: Wem das alles zu ruhig wird, der ist nur 20 bis 30 Minuten Bahnfahrt von der City West oder dem Alexanderplatz entfernt.

Museum Barberini, Humboldtstraße 5-6, 14467 Potsdam

Telefon 0331 97992185

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Montag und Mittwoch bis Sonntag von 11:00 bis 19:00 Uhr | Jeden ersten Donnerstag im Monat von 11:00 bis 21:00 Uhr | Öffnungszeiten gültig ab 23. Januar 2017

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