Sawade

Trüffel mit neuem Image

Trüffel mit neuem Image
Bei Sawade wird weiterhin von Hand geigelt. Die Igelspitzen sind ein Qualitätsmerkmal unter Kennern - je länger, desto besser. Zur Foto-Galerie
Tegel - Seit 130 Jahren produziert Sawade feinste Pralinen, Trüffel und Schokoladenspezialitäten. In den vergangenen Jahren wurde jedoch wenig verändert, so dass eine Insolvenz unausweichlich war. Seit gut einem halben Jahr weht frischer Wind durch die Hallen der Manufaktur. Das Ehepaar Hübel konnte das Berliner Traditionsunternehmen vor dem Aus retten. Neben einer neuen Verpackungslinie sind auch Produktneuerungen geplant.

In Reinickendorf rund um die Wittestraße riecht die Berliner Luft nach Schokolade. An manchen Tagen zieht der Duft hinüber bis zur Autobahn, und das seit den 1970ern, als die Sawade-Fabrik gebaut wurde. Doch um die Zukunft von Berlins ältester Pralinenmanufaktur stand es Ende letzten Jahres gar nicht gut. Nun will das Unternehmer-Ehepaar Melanie und Benno Hübel dafür sorgen, dass weiterhin viele Menschen dank Sawade in Versuchung geraten. Nicht nur ältere Stammkunden, sondern auch junge Pralinen- und Schokoladenfans. Die lassen sich mit den altbackenen Verpackungen, die momentan noch im Handel sind, sicher nicht vom Hocker reißen. Und so manche Praline aus dem über 500 Stück umfassenden Sortiment eignet sich eher für ein Kaffeekränzchen unter älteren Damen.

Gerade aus diesen Gründen, die den 1880 gegründeten Traditionsbetrieb Sawade zahlungsunfähig machten, wird derzeit an vielen Ecken und Enden an einem neuen Image gefeilt. Die Hübels haben die Ärmel hochgekrempelt und sind mitten drin im Prozess des Umgestaltens, ohne dabei den hohen Stellenwert der Marke Sawade aus den Augen zu verlieren. Schließlich handelt es sich um Berlins ältesten Pralinenhersteller. Doch gesprochen hat über den in den vergangenen Jahren kaum jemand. Das soll sich ändern. Nach Frau Hübels Auffassung passe das Unternehmen sehr gut in eine „Entwicklung, die gesellschaftlich gesehen gerade vor sich geht“. Man gehe wieder zurück zu Dingen, die mal da waren, die gut sind, die eine Daseinsberechtigung haben und die regional sind. „Wir denken, dass diese Regionalität zusammen mit Berlin eine große Strahlkraft entfalten kann, wenn man einmal erzählt, was in der Vergangenheit gewesen ist“, meint die 38-jährige gelernte Grafikdesignerin. 

Neue überraschende Verpackungen

So haben sie und ihr Mann sich in den ersten Wochen nach der Firmenübernahme im November 2013 auf eine Reise begeben. Haben sich die Zielgruppen angeschaut, eine Markenanalyse durchgeführt. Dabei sind sie auf ein Logo gestoßen, das ganz alt und ganz historisch ist. Es befand sich früher auf den Samt-Kartonagen. Dieses Logo in leicht modifizierter Form wird sich in Zukunft auf den neuen Verpackungen befinden. Damit soll neben der Kernzielgruppe, die sich in der bürgerlichen Mitte befindet, auch eine neue strategische Zielgruppe erreicht werden. Melanie Hübel hat jüngere, reiselustige Menschen mit anderen Vorlieben im Sinn. „Wir wollen uns auch ins touristische Feld begeben“ sagt sie und zeigt dabei auf eine runde Schachtel mit einer Zeichnung des Berliner Doms.

Neben der Touristenedition, die mit verschiedenen Berlinmotiven spielt, wird die neue Verpackungslinie einfacher strukturiert sein. Neben 20-, 40-, 100-, 200- und 300-Gramm-Packungen rundet eine Weihnachtsedition das Sortiment ab. „Die Marke lebt in Zukunft von drei Standbeinen: Hochwertig, elegant und überraschend“, sagt Hübel. Jede Packung soll einen überraschenden Effekt haben. Dieser stellt sich beim Öffnen der Schachtel tatsächlich ein. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur soviel, dass sich die Packungen Dank des Materials und der Verarbeitung auch prima weiter verwenden lassen – als Schmuckkästchen, für Stifte oder zum Sammeln von Fotos. „Wir finden es gut, wenn die Sachen nicht unachtsam im Müll landen. Das passt gut in unsere Zeit“, so die Geschäftsfrau. 

Der Alkohol bleibt, neues Dekor kommt

Von der Hochwertigkeit der Schachteln soll der Kunde zukünftig auch auf die Qualität der Produkte schließen können. Wo wir bei Baustelle Nummer zwei wären. Bei der Pralinen- und Schokoladenherstellung gilt es die Balance zu halten zwischen Althergebrachtem und Neuem. Sawade gilt unter Kennern als sehr spritig. „Wenn Alkohol drin ist, dann darf es auch krachen“, lacht Melanie Hübel. Davon will sie natürlich auch nicht ab. „Wir wollen weiterhin eindeutig sein und nicht die Hälfte rausnehmen“.  Eine Möglichkeit, das Sortiment zu überarbeiten, bestünde vor allem beim Dekor und den Garnituren. Da laufen momentan die ersten Tests. Die althergebrachten und mitunter historischen Rezepturen will man beibehalten aber der heutigen Zeit anpassen. So wurden einige Pralinen leichter, somit auch schmaler – das wirke gleich viel eleganter. „Die Veränderungen werden natürlich nicht so krass sein, dass die Leute das Produkt nicht mehr erkennen“, verspricht Hübel.

Veränderungen wird es auch im Vertrieb und den drei Sawade-Läden geben. Hier soll aufgeräumt und entstaubt werden. Außerdem soll eine weitere Verkaufsstelle hinzukommen. Am liebsten am Hackeschen Markt oder Unter den Linden. Das Gründungsgeschäft befand sich ursprünglich Unter den Linden 19, ist heute aber leider nicht mehr anzumieten, die VW-Dependance befindet sich darin. Im Osten Berlins sei Sawade bisher noch gar nicht vertreten und es wäre schön, dort Fuß zu fassen. Die Mitte Berlins wäre genau der richtige Ort für einen Neubeginn.

Foto Galerie

Sawade, Wittestr. 26 E, 13509 Berlin
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