Grips-Theater im Hansaviertel

Premiere des Stücks "Über Jungs"

Premiere des Stücks "Über Jungs"
Gestern feierte das neue Stück "Über Jungs" im Gripstheater Premiere.
Küche statt Keile: Im Grips Theater in Mitte werden im aktuellen Stück "Über Jungs"Sinn und Unsinn gängiger Männlichkeitsbilder verhandelt.

Das Gedränge vor den Türen des Grips Theaters ist groß. Bis zum Schluss versuchen Besucher Karten zu ergattern und die Vorfreude auf die letzte Premiere der Spielzeit wächst von Minute zu Minute. „Über Jungs“ von David Gieselmann steht auf dem Spielplan.

Dieser letzter Höhepunkt der Saison lenkt noch einmal die Aufmerksamkeit auf den neuen Leiter Stefan Fischer-Fels und seine im Namen des Theaters erzielten Erfolge. Nachdem das Haus kurz vor dem Ruin gestanden hatte, trug er dazu bei, dass der Berliner Senat im Mai schließlich einer Erhöhung der Zuschüsse um 100.000 Euro zustimmte. Noch immer fehlen dem notorischen klammen Haus jedoch 50.000 Euro.

Trotzdem geht die bewilligte Summe für Gründer Volker Ludwig als „Teilerfolg“ durch. Ein Förderverein soll zu einer weiteren Entspannung der Lage beitragen und man hofft, dass die politisch Verantwortlichen dem Jugendtheater einen Besuch abstatten, um sich von der Reichweite der Bühnenarbeit im Hansaviertel zu überzeugen.

Jugendliche im Küchen-Dress

Zurück zum Stück des Abends. Küchengeräte hängen wie Damoklesschwerter über vier Halbstarken, die in einer Küche griesgrämige Gesichter zur Schau tragen. Der Grund: Sie stecken in Gemüsekostümen und ein Karotten-Outfit will so gar nicht mit dem coolen Image harter Großstadt-Kids zusammenpassen. In die missliche Lage wurden Victor, Konstantin, Sven und Leander per Gerichtsbeschluss gebracht. Ein schlecht gelaunter Staatsanwalt (Thomas Ahrens) hat die Jungen zu einem Anti-Aggressionstraining verdonnert. Nun sollen sie in der Küche und unter Leitung von Christine Duvaldier Alternativen zu Pöbeln und Gewalt kennenlernen.

Zwischen Schneidearbeiten und Herdplatten erfährt man viel über Taten und Herkunft der Jugendlichen. Sven (Jens Mondalski) wollte seiner Wut über die durch chinesische Investoren mitverschuldete Entlassung seines Vaters Ausdruck verleihen und zündete einen Asia-Snack an. Dass der Imbiss sich in japanischer Hand befand, war da schon nur noch zweitrangig.

Leander (Roland Wolf) dagegen kommt aus relativ stabilen Verhältnissen und möchte seine priveligierte Stellung als Juwelierssohn anerkannt wissen. Inwieweit der Obdachlose, den er vor die U-Bahn stieß, diesem Wunsch nicht nachkam, bleibt ungewiss. Konstantin (Robert Neumann) wurde der versuchten Vergewaltigung angeklagt, bezeichnet seinen Weg der Annäherung an ein Mädchen jedoch als „Drogenexperiment“.

DSDS-Superstar

Recht schweigsam ist dagegen Victor (Sebastian Achilles). Allein, dass er Kandidat bei DSDS war, kann seinen Äußerungen zweifelsfrei entnommen werden. Damit entlockt er den Brüdern am Herd ein bewunderndes „Ey, du warst Bohlen?“. Und schließlich stößt auch Alex (Nina Reithmeier) zur Runde. Ein wortgewandtes Mädchen, das für die überhitzten Jung-Gourmets eine wahre Herausforderung darstellt..

Das Stück „Über Jungs“ berichtet auf erfrischende Weise, kunstvoll aber nie denunzierend, über Jugendliche mit Sorgen, nicht über hoffnungslose Problemfälle mit XY-Erblast. Autor David Gieselmann, bekannt vor allem für sein Werk „Die Farce“, schafft es auch diesmal, den schmalen Grat zwischen Realität und Absurdität mit viel satirischem Schwung entlangzuwandern. Die Idee zum Kurs „Kochen gegen Gewalt“ musste er nicht an den Haaren herbeiziehen – solche Maßnahmen gibt es tatsächlich.

Vor einer Kulisse, die Männlichkeits-Klischees gekonnt ins Bild setzt, geben die Jungschauspieler alles. Unterstützt werden sie dabei von der leichten Hand einer einfallsreichen Regie. Mina Salehpour setzt die Geschehnisse am Küchenherd gekonnt ins Bild und überhöht manche Augenblicke mit viel Lust am Zitat ins Surreale. Dass Fischer-Fels auf kreative junge Regisseure wie Saöehpour setzt, lässt für die kommenden Spielzeiten am Grips Theater nur das Beste hoffen.

Nächste Vorstellungen: 25.5. um 19.30 Uhr und 5.6. um 18 Uhr


Quelle: Der Tagesspiegel

GRIPS Kinder- und Jugendtheater Hansaplatz, Altonaer Str. 22, 10557 Berlin

GRIPS Kinder- und Jugendtheater Hansaplatz

DAS GRIPS gilt als eines der wichtigsten Kinder- und Jugendtheater in Deutschland.

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