• Freitag, 22. März 2013
  • von Sandra Prophet

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Sarah Maria Besgen und der Charme von Weißensee

  • Sarah Maria Besgen vor ihren Polaroids im Kulturcafé Hubert im Wedding
    Schauspielerin Sarah Maria Besgen vor zwei Exponaten ihrer Ausstellung "Polaroid".  Foto: QIEZ - ©Sandra Prophet

Schauspielerin Sarah Maria Besgen war das Gesicht aus "Rote Rosen", danach folgten eine Reihe von Engagements, unter anderem für das Traumschiff, Alarm für Cobra 11 und die Küstenwache. Derzeit ist sie in CopStories zu sehen. QIEZ traf die 34-Jährige im Weddinger Kulturcafé Hubert, wo Besgen derzeit mit ihrer Fotoausstellung "Polaroid"  vertreten ist.  

"Der Besitzer ist ein sehr guter Freund von mir und mein Freund hat die gesamte Innengestaltung gemacht. Das Hubert ist also ein sehr familiärer Ort für mich." - So erklärt Sarah Maria Besgen, wie ihre Fotos in den Wedding kamen. Seit drei Jahren lebt die gebürtige Aachenerin in Berlin. Im Prenzlauer Berg bewohnt sie eine Altbauwohnung "mit einem wunderschönen grünen Kachelofen", fast alle Möbel hat sie mit ihrem Freund selbst gebaut. Ihr Lieblingscafé hier ist "Das Café" in der Hufelandstraße. "Die haben superleckere, frische Sachen. Am liebsten würde ich da meine nächste Ausstellung machen", lacht sie. "Das Restaurant Chez Maurice in der Bötzowstraße mag ich auch sehr. Das Ambiente erinnert mich sehr an meine Zeit in Paris." Mit ihrem Freund, der seit 15 Jahren vegan lebt, geht sie auch gern ins vego in der Lychener Straße, "für richtig fettes Fastfood."

Ansonsten ist der Prenzlauer Berg für Sarah Maria Besgen jedoch einfach der Stadtteil, in dem sie eine Wohnung gefunden hat. "Ich finde es am spannendsten, Orte für mich zu entdecken, die auf den ersten Blick nicht so viel von sich preisgeben", sagt die Schauspielerin. Besgen hat ein scharfes Auge für das ästhetische Potenzial von Motiven, an denen der Blick zunächst nicht hängen bleibt. Ihre Fotos transportieren eine gewisse Stille, die sich nur einstellt, wenn man den Orten und den Menschen Zeit gibt, wenn man sie wirken lässt.

Das Medium Polaroid, mit dem die fotografierende Schauspielerin arbeitet, erlaubt keine Retusche, keine Filter. Die Bildentwicklung ist ein widerspenstiges Unterfangen. "Je nach Temperatur bekommen die Bilder ein tiefes Grün oder sind rotstichig. Eine Zeitlang musste man das Foto sofort abdecken, damit es sich gut entwickelt und nicht überbelichtet wird", erklärt Besgen. Auf den Oberflächen ihrer Bilder erscheinen helle Flecken, an den Rändern entsteht eine Aura und es kann auch vorkommen, dass eine ganze Ecke eines Bildes nicht entwickelt ist. So entstehen Fotografien von eigentümlicher Aussagekraft.

Auf Streifzug durch Berlin

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Schmidt: Tatort Torstraße

Mitte
Sarah Maria Besgen findet ihre Motive,  indem sie rausgeht aus den schrillen Vierteln und Plätzen, für die Berlin so berühmt ist. "Die Stadt ist mein Kiez", antwortet sie nachdenklich auf die Frage nach ihrem Viertel. "Ich bin da nicht festgelegt, sondern am liebsten auf Streifzug, flaniere durch die Straßen. Rausgehen aus dem Viertel, das man schon kennt, ist die Devise. Gerade in der Großstadt ist das doch das Spannendste."

"Das war bei mir schon immer so", erzählt sie. "Meine ganze Kindheit hindurch bin ich meiner Mutter hinterhergelaufen, die mit einer Kamera und riesigen Stativen beladen an den unterschiedlichsten Orten unterwegs war." Sarah Maria Besgen stammt aus einer Künstlerfamilie. Ihr Vater ist Schriftsteller, die Mutter Malerin. Was es heißt, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen, darüber macht sie sich von Anfang an keine Illusion. "Was die Härten des Schauspielerdaseins angeht, bin ich gut gewappnet."

Zweites Standbein zur Schauspielerei

"Als Schauspieler ist man immer davon abhängig, dass einem jemand Arbeit gibt. Gerade in der Branche ist es wichtig, ein zweites Standbein zu haben." Für die kommenden Monate hat Sarah Maria Besgen einige Projekte in der Pipeline, darunter auch ein Kurzfilmprojekt für die Hamburg Media School. "Generell finde ich es gerade sehr spannend, solche freien Projekte zu machen, mit jungen und kreativen Menschen, die etwas Neues schaffen und nicht nur gucken, ob am Ende die Einschaltquote stimmt."

Auch darum die Fotografie. Besgen ist auf der Suche nach einer Galerie, die sie in ihr Portfolio aufnimmt. "Es ist mir wichtig, meine Kreativität auch in andere Bahnen lenken zu können", sagt sie. "Regelmäßige Ausstellungen neben meinen Filmprojekten, das wäre super."

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Oliver Wnuk über das grüne Köpenick

Köpenick
Mit der Kamera und einem Rucksack ist sie viel an der Grenze zu Weißensee unterwegs. "Die besten Motive, die finde ich in entlegenen Gegenden. Ich laufe wirklich viel herum." Die alten, vom Abriss bedrohten Sowjetdenkmäler, wie das Ernst-Thälmann-Denkmal im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg, sind solche Orte, die Sarah Maria Besgen aufsucht. "Diesen Gegensatz finde ich spannend, die Plattenbauten aus dem Kommunismus, das alte, ostige, das hier auf das durchgentrifizierte Viertel mit seinen hohen Mieten stößt." Das Kino Toni und der Jüdische Friedhof sind Orte in Weißensee, an denen die Schauspielerin gern ist. "Und vor allem mag ich den Weißensee selber, mit dem Schwimmbad im Sommer."

Berlin muss Berlin bleiben

Wo sie ihr Viertel in den nächsten zehn Jahren sieht? "Auf keinen Fall dürfen die Mieten weiter steigen. Und ich wünsche mir, dass Sowjet-Statuen bleiben", sagt Besgen. "Es darf einfach nicht sein, dass man Berlin nicht mehr erkennt. Was nützt es denn, wenn Dortmund, Berlin und Köln nicht mehr zu unterscheiden sind, weil überall Zara, H&M und Co. das Stadtbild prägen?"

Zum Ende ihrer  Ausstellung im Hubert plant die Schauspielerin eine Finissage. Dann muss sie sich auch von den verkauften Fotografien trennen. "Das wird schon schmerzlich, denn man hängt schon sehr an den Unikaten", lacht Sarah Maria Besgen.

Die Ausstellung "Polaroid" ist noch bis zum 1. April im Kulturcafé Hubert zu sehen. Die Exponate, inklusive handgemachter Rahmen und Passepartouts, können vor Ort erworben werden.
Sarah Maria Besgen im TV: "Küstenwache - Schicksalsspiel" (Regie: Dagmar von Chappuis), Mittwoch, 10. April um 19:35 Uhr im ZDF, und "CopStories" (Regie: Paul Harather, Barbara Eder, Christopher Schier) immer dienstags um 20:15 Uhr
auf ORF1 .

Nächste Woche in unserer Reihe "Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez": Autorin Inger-Maria Mahlke

Adresse

Tegeler Straße 29A
13353 Berlin

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Quelle: QIEZ
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