Berliner Straßenfeste

War's das bald mit dem Choriner Straßenfest?

War's das bald mit dem Choriner Straßenfest?
Die Choriner Straße wird auch gern als "Architektenstrich" bezeichnet. Am Samstag wird hier wieder gefeiert ...
Es ist wie immer: Alle wollen feiern, aber keiner will bezahlen. Das Ende vom Lied kommt in dem Fall leider zu oft und die Empörung der Unterstützer meist zu spät. Damit es dieses Mal anders läuft, reden wir heute über das schöne Choriner Straßenfest und die Arbeit hinter den Kulissen. Anpacken, hingehen, aufräumen!

Warum wir das kleine Choriner Straßenfest für eines der tollsten Straßenfeste in Berlin halten, ist schnell erklärt: Die Mischung aus Flohmarkt, Seifenkistenrennen und Tanz unter freiem Himmel zu handgemachter Musik ist einfach einmalig. Dass außerdem Tradition und viel Kiezliebe hinter diesem Getümmel auf der nördlichen Choriner Straße stecken, merkt man nicht nur an den wehenden Wimpelketten, die beide Straßenseiten verbinden. Denn das Fest findet schon seit 1995 regelmäßig statt. Damals besannen sich einige Anwohner auf die rebellischen Wurzeln ihres Bezirks und zogen gegen den zunehmenden Lärm durch Baustellen und Autos in ihrem Kiez auf die Straße – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ihnen gelang es, alle unliebsamen Fahrzeuge für einen Tag aus der Choriner zu verbannen und dort stattdessen Bands, Straßenkunst und ihr Zusammenleben zu feiern. Eine Institution im Kalender der Anwohner aus dem Teutekiez war geboren und immer mehr Menschen aus den umliegenden Bezirken feiern hier ein Mal im Jahr auf der Straße vor zwei Live-Bühnen mit.

Ironischer Weise ist es eine Lärmbeschwerde gegen das Fest, die uns in diesem Jahr mit einem der Veranstalter vom Choriner Straßenfest zusammenbringt. Eine Frau hat Wurfzettel in der Straße verteilt und ruft dazu auf, beim Bezirksamt Pankow gegen die Veranstaltung Beschwerde einzulegen. Tatsächlich ist das Fest eins der wenigen in Berlin, das sogar bis 0 Uhr stattfinden darf; die Regel ist ein Ende um 22 Uhr. Doch beim Amt steht man hinter dem Event: „Das Choriner Straßenfest ist nicht in Gefahr“, versichert uns Daniel Krüger, Pankows Bezirksstadtrat. Denn das künstlerische Programm sei bisher immer so gut geplant gewesen, dass der Genehmigung auch für 2018 nichts im Wege stünde. Trotzdem gab es die Lizenz zum Lärmen in diesem Jahr erst rund drei Wochen vor dem Fest – nämlich erst, als die Mischung aus lauten und leisen Programmpunkten gestimmt hat.

Lärmbeschwerden sind nur der Gipfel des Festbergs

Mark Raddatz hat vor fünf Jahren die Organisation des Bühnenprogramms übernommen und leitet seit 2014 die Festplanung. Er sagt, das Team hinter den Kulissen sei immer bemüht, einen Kompromiss zu finden zwischen den Anwohnern, die feiern wollen und denen, die lieber früh ihre Ruhe haben. Der Frau, die sich beschwert hat, habe man für den Festtag außerdem einen Besuch im Kino oder im Restaurant angeboten. Leider ohne Erfolg. Aber das ist für Mark nur eine Randnotiz im übervollen Organisationsplan für das Event.

Immerhin müssen Genehmigungen beantragt, Straßensperren aufgestellt, Gastronomie und Toiletten besorgt, Lagermöglichkeiten für die Festvorbereitung gefunden und natürlich ein Programm auf die Beine gestellt werden. Noch dazu trägt sich das Event seit 2005 selbst. Es finanziert sich durch Spenden sowie den Verkauf von Wurst, Bier, Tombola-Losen und Co. am Festtag selbst. Mal abgesehen von den Fixkosten sind so gerade mal symbolische Gagen für die auftretenden Künstler drin. Für Mark und die anderen Mitglieder im Team bleiben für die Organisationsarbeit nur Nachtschichten und die Zeit nach dem Feierabend übrig, natürlich ehrenamtlich.

Für diese Arbeit gibt es seit 2007 sogar einen eigenen Verein. Bei manchen gehen eine Menge Urlaubstage dafür drauf, damit das Choriner Straßenfest stattfinden kann, andere werden erst am entscheidenden Tag zum Gastronomen oder zur Aufbauhelferin: „Am Festtag selbst helfen dutzende und stehen zum Beispiel ehrenamtlich hinter dem Tresen“, erzählt Mark. „Aber die Unterstützung fehlt deutlich an der Organisation im Vorfeld. Alles hängt an zu wenigen Leuten.“ Ob er im kommenden Jahr noch zu ihnen zählt, kann er nicht sagen. Aus seiner Wohnung in der Choriner Straße muss er raus, der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet. „Aber ich habe sowieso ein schlechtes Gefühl, ob das die nächsten Jahre noch klappt“, sagt er. Weil die Planung eigentlich zu viel für ihn und seine Mitstreiter sei.

 

Dabei merkt man, dass Mark noch immer verliebt ist in das Straßenfest. Es biete nämlich die Chance, etwas Cooles auf die Straße zu bringen. „Mein Highlight ist, dass man Bands auf die Bühne holen kann, die man selbst toll findet“, schwärmt er. In diesem Jahr sind zum Beispiel The Rocking Souls oder die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot am Start. Außerdem gibt es wieder Comedy und ein großes Kinderprogramm auf der Straße. Und das Wichtigste: Das Ganze ist nicht kommerziell; eben ein Fest von Nachbarn für Nachbarn. Nur an der Nachbarschaftshilfe arbeiten wir bis zum nächsten Jahr noch. Oder, liebe Prenzlberger?

Das Choriner Straßenfest findet am 1. September 2018 ab 14 Uhr in der nördlichen Choriner Straße statt. Wer beim Aufbauen, Ausschenken, Aufräumen und vor allem beim Organisieren der kommenden Veranstaltungen helfen möchte, schreibt einfach eine Mail, Geld spenden geht hier. Alle weiteren Infos findest du auf der Webseite vom Choriner Straßenfest.

War's das bald mit dem Choriner Straßenfest?, Choriner Straße 35, 10435 Berlin

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