• Dienstag, 26. Juni 2012

Restaurant Basim in Prenzlauer Berg

Lächeln auf libanesisch

  • Basim Bader
    Geschäftsführer und Koch Basim Bader in seinem Reich in der Immanuelkirchstraße 7 in Prenzlauer Berg. Foto: externe Quelle - ©Restaurant Basim

Abseits der Kastanienallee und ihren vietnamesischen Schnellrestaurants hat der Szenebezirk Prenzlauer Berg eine gastronomische Perle zu bieten. Ein kleiner Schliff in Sachen Gastfreundlichkeit täte dem Basim gut, beim Essen jedoch gibt es nichts auszusetzen.

Hier also will jeder hin. Nach Prenzlauer Berg! Wer sich hier vor zehn Jahren eine Eigentumswohnung gekauft hat, der kann sie jetzt meistbietend verkaufen und in anderen Bezirken essen gehen. Denn in Prenzlauer Berg gibt es zwar an jeder Ecke einen Coffee Shop, doch wirklich gute Restaurants sind rar. Mittlere Preise, mittelmäßige Qualität - man merkt, dass hier junge Touristen, die sich fürs Essen nicht wirklich interessieren, den Ton angeben.

Das Basim will sich davon distanzieren. Es liegt nahe der Prenzlauer Allee und damit etwas abseits des Treibens. Küchenchef und Mitinhaber Basim Badr steht Pate für den Namen, der auf Libanesisch "Lächeln" bedeutet. Leider ist dieser Name trügerisch, was die dauerhaft verdrießlich blickende, stumme Restaurantchefin angeht, die ab und an einen Teller bringt und lieber der Kellnerin das Reden überlässt. Kann sein, dass das regionaltypische Coolness darstellen soll, denn das Restaurant ist auf karg getrimmt, mit nackten Wänden und nackten verzinkten Klimarohren.

Ehrgeiziger Küchenchef

Doch nun zum Essen, das viel besser ist. Nein, im Basim wird nicht libanesisch gekocht, sondern ein raffinierter internationaler Freistil, der durchaus mal libanesisch daherkommen kann. Nämlich, wenn ein Kalbstatar mit Bulgur im Reisblatt zusammen mit Taboulé auf einer kleinen libanesischen Thymianpizza mit Tsatsiki serviert wird – eine köstliche Vorspeise. Auch die geeiste Spargel-Avocado-Creme mit Orange, Kerbel und Krabben kann unverändert bleiben, denn es ist schön, auf diesem bürgerlichen Preisniveau mal einem Koch zu begegnen, der nicht den angesagten Klischeegerichten nacheifert (Vorspeisen 7 bis 13 Euro, Hauptgänge 18 bis 23 Euro, Desserts um 7 Euro).

Auch die Hauptgänge sind gut! Insbesondere der geschmorte Rücken vom Apfelschwein mit schön zitroniger Kümmel-Gremolata, Kartoffelwürfeln, Oliven und Salbei. Das rote Curry vom Waller mit Romanesco und Tomaten sah gegen diese Köstlichkeit ein wenig blass aus, vermutlich, weil der Fisch, einzeln gegart, ziemlich geschmacksneutral ausfiel und mit der sehr milden Currysoße fremdelte; so etwas muss kräftiger, schärfer, weniger clean schmecken. So reichte es nur für "ganz nett".

Dennoch ist das keine üble Bilanz, zumal auch die Desserts, zwei pro Abend, vom Ehrgeiz des Küchenchefs zeugten. Zwar klangen sie wilder, als sie waren - Mascarponetörtchen mit Rhabarber und Spargeleis, Joghurt-Creme-brulée mit gebackenen Erdbeeren und Lavendeleis - schmeckten aber angenehm und waren handwerklich einwandfrei.

Das Potenzial ist da

Zu den Speisen werden deutsche und österreichische Weine guter Herkunft gereicht, beispielsweise von Schloss Gobelsburg, Gernot Heinrich oder Helmut Dönnhoff. Wie es aussieht scheint das Engagement mit der Anschaffung abgekühlt zu sein, denn man sollte doch zumindest ab und zu die Jahrgänge in der Karte aktualisieren. Der ausgezeichnete Grauburgunder von Dönnhoff (2011 statt 2009) kostet 35 Euro, wird nur im Edelstahlkühler auf den Tisch gestellt. Dort wird er sehr schnell warm, was angesichts der langen Wartezeiten sehr stört. Im Eis gekühlt - das hätte ihm besser getan.

Bei unserer Stippvisite war das Restaurant ganz gut besucht, was bei diesem Konzept und in der Gegend ein gutes Zeichen ist. Ich wette, dass noch mehr Gäste kommen würden, wenn man sie herzlich empfangen, gut beraten und aufmerksam bedienen würde, dem Namen angemessen. Die Küche des Basim verdient jedenfalls Beachtung über die Grenzen von Prenzlauer Berg hinaus.

Basim

Winsstr. 65
10405 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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