• Mittwoch, 11. Januar 2012

Essen in Berlin-Prenzlauer Berg

Viele bunte Häppchen

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  • Restaurant Qadmous
    Großzügige Räumlichkeiten kennzeichnen das Restaurant Qadmous. Foto: externe Quelle - ©Qadmous
  • Restaurant Qadmous
    Blick rechts vom Eingang Foto: externe Quelle - ©Qadmous
  • Restaurant Qadmous
    Schick und gut bestückt: die Bar des Qadmous. Foto: externe Quelle - ©Qadmous
  • Restaurant Qadmous
    Blick vom Podest. Foto: externe Quelle - ©Qadmous
  • Qadmous
    Das Qadmous lädt zum libanesischen Sonntagsbrunch. Foto: QIEZ - ©QIEZ

Die schöne Terrasse mit Blick auf den Friedrichshain ist nicht das einzige Argument für einen Besuch dieses Restaurants – die libanesische Tapas-Variante beschert ein vielfältiges Geschmackserlebnis.

Vielleicht vertieft man sich zunächst in die Geschichte, die hinter dem Namen des Lokals steckt. Prinz Qadmous, der Sohn des phönizischen Königs, wurde einst entsandt, seine von Zeus entführte Schwester Europa zu finden. Da ihm dies nicht gelang, gründete er die Stadt Theben und brachte das Alphabet nach Europa. Gehobene Restaurants geben ihren Gerichten gerne lyrisch klingende Namen, einfachere Ethno-Lokale kontern mit Speisekartenpoesie, die den Ausflug in exotische Geschmackswelten mit einer schönen Legende verbindet.

Im Qadmous sitzt man auf roten Samtsesseln und kann die unterschiedlichen Kulturen studieren. An den internationalen Tischen sind Frauen und Männer bunt gemischt. Es gibt jedoch, was immerhin fürs Essen ein gutes Zeichen ist, auch viele Gäste aus dem Libanon oder dem arabischen Raum, die meist an reinen Männertischen sitzen und zum Dessert Wasserpfeife rauchen. Dabei sind wir noch lange nicht angelangt, sondern gerade erst beim süßlichen und etwas zu warmen Prosecco, für den selbstbewusste 4,30 Euro verlangt werden.

Die Mäsa ist die libanesische Variante von Tapas, eine Spezialität des Hauses, für die verschiedene kleine Häppchen zusammengestellt werden. Zu zweit kann man sich prima eine kalte vegetarische Mäsa und eine warme Mäsa teilen, die schon einen tiefen Einblick in die libanesische Kochkunst ermöglichen. Das Hummus besteht aus fein pürierten Kichererbsen, hausgemachtem  Olivenöl und Sesamsauce, der Taboulé-Salat aus Petersilie, Lauchzwiebeln, Minze und Weizenschrot schmeckt frisch. Die eingelegten Babyauberginen knuspern beim Kauen leicht mit ihrer Walnuss-Paprika-Füllung. Dann gibt es noch Weinblätter, gebratenen Löwenzahn mit Röstzwiebeln, Auberginenwürfel mit Kichererbsen, Frischkäse mit Minze und gebratene Champignons mit Koriander (11,50 Euro).

Geschmacksfeuerwerk und vergossener Wein

Das alles wird zwar nicht so formschön serviert wie im Gourmet-Tempel, ergibt aber dennoch ein sättigendes Feuerwerk für die Geschmacksnerven und überzeugte uns noch mehr als die warme Platte. Die Volltreffer waren hier die scharfen, hausgemachten Babywürstchen und die frittierten Hefeteigröllchen mit Schafskäse und Minze. Dagegen wirkten die unter anderem mit Rinderhack und Spinat gefüllten Teigtaschen etwas schwer. Außerdem gab es erfrischenden Fatoush-Salat aus Radieschen, Minigurken, Paprika, Tomaten, Minze und Zitronenbaumgewürz (12,50 Euro). Das versprochene Fladenbrot fehlte beim ersten Gang ganz und wurde später nachgereicht. Die Sesamcreme dazu weiß zu überzeugen, es sind aber auf Wunsch auch weitere Dips erhältlich, beispielsweise eine sahnige Knoblauchcreme (4,50 Euro).

Der Service war in Ordnung, aber natürlich darf man bei diesen Preisen keine Wunder erwarten. Die  leicht grätigen Sardellen aus dem Ofen, mit Kartoffeln, Tomaten, Kumin, Koriander und Knoblauch (11,95 Euro), reichte der Kellner in einer Schale quer über den Tisch. Weil deren Gewicht überraschend schwer war, sackte sie etwas ab und zerschmetterte ein Weinglas. Der Kellner brachte zwar ein neues, aber der verschüttete Wein wurde nicht ersetzt. Das war schade, denn der im Eichenfass gereifte, weiße Chateau Karas aus dem Libanon hatte mit seiner gleichzeitig säuerlichen und knochentrockenen Note gut zu den verwendeten Gewürzen gepasst (25 Euro).

Der Kellner bestand darauf, uns ein Doggie Bag mit den Resten für zu Hause zu packen, wogegen wir nichts einzuwenden hatten. Aufgrund der vielen Vorspeisen musste auch das libanesische Dessert entfallen. Der Gast kann dafür zwischen vier Varianten wählen, die teilweise auch aus Teigtaschen bestehen und gehaltvoll klingen (4,95 bis 5,95 Euro). Ein lohnender Abschluss ist der Arak, ein libanesischer Anisschnaps (5 Euro). Schade, dass es dazu keine Geschichte gab.

Qadmous

Am Friedrichshain 1
10407 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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