• Freitag, 09. Dezember 2016
  • von Nikolaus Triantafillou

Durch den Kiez

Sebastian Schwarz: "Ich bin ein kleiner Wutbürger"

  • Sebastian Schwarz
    Nach einem Zwischenstopp im Wedding ist Sebastian Schwarz wieder in Prenzl'berg gelandet - wie viele seiner Kollegen. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno

Bötzowviertel – Der Tatort-Schauspieler pendelt zwischen Schaubühne und Prenzl’berg, findet Berlin großartig und kann sich herrlich aufregen. Sebastian Schwarz erzählt von Rollenklischees, bekloppten Eltern und dem Dschungelcamp.

Erst mal um die Ecke zu Christian: Als uns Sebastian Schwarz in seinem Bötzowkiez empfängt, wird schnell klar, dass der Schauspieler in der Nachbarschaft nicht der einzige seines Metiers ist. Diverse Kollegen wohnen in der unmittelbaren Umgebung und Christian Kahrmann, ehemals Benny Beimer in der Lindenstraße, führt dort sein Café  Kahrmann’s Own . Bei unserer Stippvisite vor Ort lobt der 32-jährige Schwarz das Eis, von dem besonders seine Tochter begeistert sei.

Seit seiner Rückkehr aus dem Wedding letztes Jahr hat sich das Ensemblemitglied der Schaubühne in Prenzlauer Berg schnell wieder zurechtgefunden – nicht nur wegen der bekannten Nachbarn. Es gibt innerhalb von ein paar Straßenzügen einfach alles, was Schwarz so braucht. Sein "absolutes Lieblingsrestaurant" ist die  Mandarine 3 in der Hufelandstraße, ein Italiener: "Neben dem leckeren Essen gibt es dort auch eine großartige Spielecke für Kinder", so Schwarz. Gleich nebenan backe Warang Surabi leckere indonesische Pfannkuchen. Zum Brunchen geht es "tatsächlich fast jeden Sonntag" zu Franz Karl . Schwarz‘ Tortentipp dort: Mohn-Marzipan. Für die körperliche Entspannung im Hause Schwarz sorgt die  Schönerie : "Hier kann man sich wahnsinnig gut massieren lassen."

Christian Kahrmann kennt Sebastian Schwarz von Dreharbeiten zur ZDF-Serie Soko Wismar. ©Ralph Penno Christian Kahrmann kennt Sebastian Schwarz von Dreharbeiten zur ZDF-Serie Soko Wismar. ©Ralph Penno

Hassliebe zum Kiez

Zu den vielen Annehmlichkeiten im Kiez zählt Sebastian Schwarz auch die Nähe zum beliebten Volkspark Friedrichshain , der ideal für Kinder sei. Trotz allem verbindet den Schauspieler eine Hassliebe mit Prenzlauer Berg, dem Ortsteil, in dem er die längste Zeit seines mittlerweile elfjährigen Berlin-Aufenthalts gewohnt hat. Der Hype um die Kinder und das Spießbürgertum gehen dem zweifachen Vater auf die Nerven: "Die Eltern sind ja so bekloppt in Prenzlauer Berg. Den Egoismus finde ich schlimm." Er meint Mütter und Väter, die partout nicht zur Seite treten oder Radler, die beim kleinsten Anlass aufs Autodach hauen. Wegziehen ist für den gebürtigen Thüringer aber auch keine echte Alternative: "Ich will gerne mit den Kindern wieder aufs Land. Aber wenn ich ein halbes Jahr auf dem Land bin, frage ich mich wieder: Wo ist mein Café?"

So insgesamt gesehen mag Schwarz das, was Berlin verkörpert, ohnehin – das sagt er auch und gerade als Familienvater: "Ich finde es schön, dass meine Kinder in einer multikulturellen Stadt aufwachsen, die offen für jedermann ist. Wo es egal ist, ob der, der neben mir sitzt schwul, Punk, schwarz oder gelb ist." Selbst wenn er nicht am Samstagnachmittag auf die Museumsinsel gehen würde, empfindet er auch den Tourismus als schön und wichtig für Berlin. Störend sind andere Sachen: die als Schnoddrigkeit verkaufte Unfreundlichkeit mancher Berliner. Oder die vollen Straßen: "Der Verkehr nervt mich. Wenn ich im Auto sitze und drei Stunden im Stau stehe, frage ich mich warum."

Sebastian Schwarz beim Betreten seines Stamm-Italieners Mandarine 3. ©Ralph Penno Sebastian Schwarz beim Betreten seines Stamm-Italieners Mandarine 3. ©Ralph Penno

Doch sonst ist die Hauptstadt gut zu ihm: Sebastian Schwarz‘ zweiter Lebensmittelpunkt ist die Schaubühne am Kurfürstendamm. Direkt nach seinem Studium an der renommierten Ernst-Busch-Schauspielschule stieß er 2008 zum Ensemble des Theaters. Dass die Aufführungen heute Wochen im Voraus ausverkauft sind, schreibt Schwarz neben der künstlerischen Leitung durch Thomas Ostermeier auch einem besonderen Geist im Haus zu: "Was ich so toll an der Schaubühne finde, ist, dass man einen gemeinsamen Atem hat, Stücke und von sich zu erzählen." Man sei untereinander in Kontakt und lerne sich nicht erst auf der Bühne kennen. "Ich finde, wir sind das beste Ensemble der Stadt", so Schwarz.

Der Fast-alles-Spieler

Die nächste Premiere steht am 17. Dezember an: Professor Bernhardi. Schwarz spielt darin den Gegenspieler des titelgebenden jüdischen Arztes, verkörpert von Jörg Hartmann (Tatort Dortmund). Bernhardi wird um die Wende zum 20. Jahrhundert Opfer einer Intrige und Schlammschlacht. Durch den Ensemblegeist sei man von Anfang an nah am Thema gewesen, erzählt Schwarz: "Wir setzen uns mit der Materie intensiv auseinander, auch untereinander."

Ein reiner Theatermann ist Sebastian Schwarz allerdings nicht: In seiner Vita steht auch eine Reihe von Filmen für Kino und Fernsehen, darunter drei Tatort-Auftritte. Im jüngsten Münchener Tatort sprang er als Verdächtiger aus dem Fenster. Die Rollen haben offenbar Spaß gemacht: "Tatort-Kommissar könnte ich mir auch vorstellen", sagt Schwarz.

Wir merken schnell: Schwarz ist ein engagierter Gesprächspartner. ©Ralph Penno Wir merken schnell: Schwarz ist ein engagierter Gesprächspartner. ©Ralph Penno

Die Gefahr, als Filmschauspieler auf ein Genre, einen Charaktertyp festgelegt zu werden, sieht Schwarz durchaus: "Meine erste Rolle in Polski Love Serenade war ein Spießer. Danach habe ich erst mal nur noch Castings als Spießer gekriegt." Grundsätzlich anders sei das auf der Bühne allerdings nicht: "Du kannst dich im Theater mehr probieren, aber man wird auch dort kategorisiert." Besonders wählerisch ist Schwarz bei der Rollenauswahl ohnehin nicht: "Es macht ja auch Spaß, etwas auszuprobieren und seine Grenzen auszutesten." Seine wenigen No-Gos: Er würde keine fremdenfeindlichen oder sexistischen Filme machen, keine Pornos und kein Dschungelcamp.

Was auch nicht geht: twittern. Zwar bezeichnet sich der politisch interessierte Schwarz als Newsjunkie, der etwa mit seinem Freund Robert Beyer immer hin und her schreibt, wer gestorben ist. Aber manchmal kommt der "kleine Wutbürger" (Selbstbeschreibung) durch: "Ich darf nicht twittern, weil ich mich viel zu oft aufrege", so Schwarz. Und wohin erregtes Zwitschern führt, sieht man ja bei anderen Promis.

Mit seinen 1,90 Meter sticht Sebastian Schwarz auf jeden Fall ins Auge. ©Ralph Penno Mit seinen 1,90 Meter sticht Sebastian Schwarz auf jeden Fall ins Auge. ©Ralph Penno

Demnächst ist Sebastian Schwarz auch wieder im Fernsehen zu sehen: In der ARD-Serie Frau Temme sucht das Glück geht es um vier Versicherungsvertreter, die grenzenlose Versicherungen anbieten. Die 'Dramedy' läuft ab 24. Januar 2017 zur Primetime in der ARD. 

Mandarine 3

Hufelandstraße 14
10407 Berlin

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Quelle: QIEZ
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