• Donnerstag, 30. Juni 2016

Bauarbeiten haben begonnen

Jetzt wird der Mauerpark endlich größer

  • Mauerpark Prenzlauer Berg Wiese mit Menschen
    Bald gibt es im Mauerpark noch mehr Platz zum im Grünen sitzen. Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

Gleimviertel - Der Mauerpark kann endlich erweitert werden. Der letzte Streitpunkt wurde mit einem Trick umgangen. Fertigstellung: 2019.

Es ist ein merkwürdiger Termin. Bausenator Andreas Geisel (SPD) liest vom Blatt, Pankows Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) setzt sich zu den Journalisten, Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) ist auch da, sagt aber nichts. Der "Baubeginn für die Mauerpark-Erweiterung" soll mit einem Rundgang über die noch wüste ehemalige Gewerbefläche gewürdigt werden, am Ende wird daraus ein kurzes Stelldichein vor gelbem Bagger.

Die Beteiligten wirken abgekämpft, desillusioniert von den langen Auseinandersetzungen um die Bebauung der Fläche nördlich des Gleimtunnels. Sieben Hektar Parkerweiterung und 700 zusätzliche Wohnungen – Senator Geisel hält das für einen guten Kompromiss zwischen den Interessen der Allgemeinheit und denen der Anwohner. Die Bagger für das Neubauprojekt auf dem Gelände der Groth-Gruppe sind schon deutlich länger aktiv.

Mauerpark wird nach Westen vollendet

Die Erweiterungsfläche aus fünf Hektar Grün sowie zwei Hektar Marktplatz und Gastronomie vollendet den Mauerpark nach Westen. Es wird viel Platz für nicht-kommerzielle Kultur geben, weil die Anwohner sich das gewünscht haben. Eine ehemalige Lagerhalle soll dafür hergerichtet werden, die "Kartoffelhalle". Außerdem ist eine "Linie der ungleichen Dinge" geplant, eine Kette von Spielzonen für Musiker oder Schauspieler, für Spontankultur aus dem Kiez.

Vorbild ist natürlich der alte Mauerpark mit seinem Karaoke-Amphitheater, das internationale Berühmtheit erfahren hat. Die Spielflächen und Mini-Bühnen entstehen entlang der zentralen Platanenallee, die das Gelände in Nord-Süd-Richtung durchzieht. Das Ende der Allee markiert ein runder Stadtplatz, weiter nördlich bis zum Gleimtunnel schließen sich Gartenprojekte und Spielplatzflächen an. Der "Mauergarten" einer privaten Initiative soll erhalten werden.

Sanierung des Gleimtunnels ist weiter strittig

Der Baubeginn für die Parkerweiterung kommt verspätet. Ein langwieriger Streitpunkt, die Sanierung des denkmalgeschützten Gleimtunnels, ließ sich nicht mehr rechtzeitig ausräumen. Jetzt soll der Dauerstreit zwischen Senat, Bahn AG und der Groth-Gruppe mit einem Trick ausgeklammert werden. Die Fläche über dem Tunnel, die zum Parkgelände gehört, wird nach Angaben von Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) abgeteilt und vorerst nicht in die Erweiterungsfläche einbezogen.

Der Streit macht deutlich, dass diese Fläche rechtlich betrachtet kaum noch zu durchdringen ist. Ehemals der Bahn gehörend, hinterließen Mauerbau und später der Einigungsvertrag eine komplizierte Gemengelage. Die Brücke über dem Gleimtunnel gehört auf der östlichen Seite längst dem Land Berlin, auf der westlichen Seite sieht das Land den Grundeigentümer, also die Groth-Gruppe in der Rolle des Bauwerksverantwortlichen. Wahrscheinlich landet der Streit demnächst vor Gericht.

Der Mauerpark war mal ein Projekt der Nachwendezeit. Aus Grenzanlagen sollten Grünanlagen werden, Orte der Begegnung und Erholung. Erinnern zwischen Bäumen und Bühnen. 1994 wurde der erste Bauabschnitt an der Schwedter Straße fertig, 2000 eröffnete die Jugendfarm Moritzhof am Nordende des Mauerstreifens, 2005 kamen Kletterfelsen und Spielplatz hinzu. Und 2019 wird nun als Termin für die Fertigstellung des gesamten Parks angepeilt – ob mit oder ohne Tunnelfläche. Das wären dann 29 Jahre nach Bekanntwerden der ersten Pläne für einen Mauerpark. Dessen Planer Gustav Lange aus Hamburg war am Monat auch unter den Gästen. Was ihn so umtreibt? "Die wild gewachsenen Bäume in den alten Gleisbetten." Die sollten in die Erweiterung des Parks einbezogen werden, statt sie einfach abzuholzen. "Die wachsen meistens besser als die gepflanzten." Dennoch sehen die Pläne vor, 280 neue Bäume zu setzen.

Sechs Millionen Euro kostet der neue Park

Sechs Millionen Euro wird der neue Park kosten, das Geld kommt aus dem Landeshaushalt. Allein eine Million Euro kostet die Entsiegelung von fünf Hektar Fläche. Für den beliebten Flohmarkt jeweils am Sonntag ist eine "Multifunktionsfläche" im südlichen Bereich vorgesehen, auf dieser Fläche könnte auch ein Wochenmarkt stattfinden oder andere, nicht regelmäßige Aktionen. Bestandsschutz hat auch der Mauersegler-Club an der Bernauer Straße.

Das Grillen im Mauerpark soll auch künftig erlaubt sein, allerdings möchte Pankows Stadtrat Kirchner dafür klar begrenzte Grillplätze einrichten, um die Wiesen zu schonen. Pankow bekommt den Park, der sich eigentlich auf zwei Bezirke erstreckt, in Gänze zugeschlagen, dafür werden die Bezirksgrenzen verschoben. Ob der Bezirk den Park selbst bewirtschaftet oder der Grün Berlin überlässt, ist noch unklar. Grün Berlin managt derzeit die Bauarbeiten auf der Erweiterungsfläche.

Bislang gibt es an der Lortzingstraße nur einen Ost-West-Weg durch den Park. Grün Berlin könnte sich auch eine weitere Querung vorstellen, sollte es unter den Nutzern entsprechende Wünsche geben. Allerdings müsste dafür die westliche Begrenzung des ehemaligen Güterbahnhofs, eine Ziegelmauer, erneut durchbrochen werden.

Der Verlauf der Berliner Mauer soll im Park sichtbar gemacht werden, auch die wenigen Relikte aus der Bahn-Ära werden integriert. Fast 15 Hektar wird der neue Mauerpark messen, ein Gewinn für die ganze Stadt, findet Senator Geisel. Seine Hoffnung ist, dass der neue Parkabschnitt unter dem Ansturm der Partymacher und Freizeitgriller nicht so leiden wird wie der alte. Er wünscht sich einen Gegenpol zum quirligen Mauerpark.

Mauerpark

Gleimstraße 55
10437 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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