• Montag, 29. Oktober 2012
  • von Sophie Maaß

"Wir zeigen der Politik was 'ne Harke ist!"

Bürgerengagement am Arnswalder Platz

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  • Initiative Anrswalder Platz
    Carsten Meyer (außen r.), Inititator des nachbarschaftlichen Engagements am Arnswalder Platz, mit seinen großen und kleinen Helfern beim Aktionstag am 27.10.2012. Foto: QIEZ - ©Sophie Maaß
  • Laterne Anrswalder Platz
    Nachdem der Arnswalder Platz im Bötzowviertel vor zwei Jahren für 1,3 Millionen Euro vom Bezirk saniert wurde, stellte sich Stillstand ein: Über diese kaputte Laterne wurde einfach ein blauer Müllsack gehängt, anstatt sie zu reparieren. Foto: QIEZ - ©Sophie Maaß
  • Stierbrunnen am Arnswalder Platz
    Der Fruchtbarkeitsbrunnen am Arnswalder Platz ist bei den Anwohner allgemein bekannt als Stierbrunnen. Sie wünschen sich, dass durch den defekten Brunnen bald wieder Wasser sprudelt. Foto: QIEZ - ©Sophie Maaß

Im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg hat sich in diesem Jahr eine neue Initiative gegründet: Die Anwohner rund um den Arnswalder Platz wollen nicht mehr länger mit ansehen, wie die Parkanlage verkümmert, weil dem Bezirk das Geld zur Pflege fehlt. Also nehmen sie selbst die Harke in die Hand.

Das Herbstlaub fällt, die kalte Jahreszeit hat begonnen. Jeder Gartenbesitzer weiß, Blumen und Büsche müssen nun zurückgeschnitten werden, um sie über den Winter zu bringen. Aber was ist mit den Berliner Parks, wer ist da zuständig? Eigentlich ist es die Aufgabe der Bezirke, sich um die öffentlichen Anlagen zu kümmern, aber dort fehlt oft das Geld. Am Arnswalder Platz wollen die Bürger das nicht mehr länger hinnehmen und gärtnern nun zum Erhalt des Platzes und für ein besseres Nachbarschaftsverhältnis.

"Unser Anliegen ist es, zum einen eine Nachbarschaftsstärkung zu erzielen, so dass Bürger die Ärmel hochkrempeln und sich gemeinsam an der Verschönerung des Stadtbildes beteiligen. Zum anderen wollen wir der Politik aber auch eine Botschaft senden: Sie kann sich nicht einfach aus dem öffentlichen Raum zurückziehen!", so Carsten Meyer, Gründer der Initiative.

Regelmäßige Reinigungsaktionen in der Zukunft

Der hauptberufliche Behindertenschullehrer Meyer war in der Vergangenheit bereits in Bremen im Bereich der Stadtpflege tätig und startete die Initiative am Arnswalder Platz am 15. September dieses Jahres, angestoßen durch die Tagesspiegel-Aktion "Saubere Sache - ein Tag für meine Stadt". Damals beteiligten sich rund 60 Leute, die den Park von Müll befreiten, fegten, harkten und Unkraut jäteten. Viele von ihnen wollten sich gern weiterhin engagieren.

So fand am Samstag, den 27. Oktober 2012, eine weitere Verschönerungsaktion des Arnswalder Platzes statt. "Wir wollen nun regelmäßig solche Reinigungstage organisieren, an denen die Nachbarschaft zusammen kommt und jeder mithelfen kann, der möchte", erklärt Meyer. Außerdem soll im Frühjahr ein Kiezfest stattfinden und auch die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen im Kiez ist geplant.

Rosenpflege am Arnswalder Platz Rosenpflege am Arnswalder Platz

Unterstützung von Seiten der Politik wird gefordert

Erst einmal Mal lautete das Motto am Samstag aber: "Wir zeigen der Politik was 'ne Harke ist!"  Mit einem Brief plus Unterschriftenliste hatte sich die Nachbarschaft Mitte September an den Regierenden Bürgermeister Wowereit und an Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) gewendet und darin unter anderem gefragt, warum der Senat Gartendenkmäler wie den Arnswalder Platz "zu traurigen Orten und Schandflecken der Stadt" werden lasse.

Aus dem Roten Rathaus kam die Antwort, dass sich das Land derzeit in einer schlechten finanziellen Lage befinde und man verwies auf die hohe Zahl an öffentlichen Grünanlagen (insgesamt 5.500 Hektar). "Wir müssen nach neuen Wegen suchen, wie wir mit dem öffentlichen Grün umgehen", sagt Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Bü 90/Die Grünen), der mit der Initiative über die Zukunft des Arnswalder Platzes verhandeln will. Derzeit habe der Bezirk weder Personal noch Geld für die Pflege. Dafür gäbe es aber andernorts (Beispiel Schlosspark Buch) bereits Modelle, wo Bürger Patenschaften übernehmen und für ihre ehrenamtliche Arbeit finanziell vom Bezirk gefördert werden.

"Wir brauchen Mittel für die Bepflanzung im Frühjahr und für weitere Gartengeräte. Auch ein kleiner Raum zum Abstellen der Werkzeuge ist nötig", so Meyer. Abschließend zeigt er sich aber erfreut über den gelungenen Start der Initiative: "Es sind bereits viele gute Kontakte zustande gekommen. Obwohl das alles noch brandneu ist, findet eine rasante Entwicklung statt."

Arnswalder Platz Initiative im Bötzowviertel, www.arnswalderplatz.de

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Quelle: QIEZ
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