Es muss nicht immer etwas Neues sein: Mit historischen Film-Perlen bestückt die Prenzlauerberginale ihr Programm. Das kommt seit einer Dekade so gut an, dass das Festival nun vom 1. bis zum 29. September 2026 ein kleines Jubiläum feiert – natürlich mit noch mehr ausgewählten Klassikern. An insgesamt fünf Dienstagen kannst du im Filmtheater Friedrichshain Filmgeschichte erleben und zugleich erinnern, wie der Prenzlauer Berg in der Vergangenheit aussah.
DEFA-Klassikern und Dokumentarfilme, aber auch TV-Produktionen, Studentenfilme, unabhängige Arbeiten und Archivfunde sorgen für ein spannendes und unterhaltsames Programm. Gleich zum Auftakt am 1. September wird der sehr sehenswerte Film „Das Versteck“ von Frank Beyer gezeigt. Der 2006 verstorbene Regisseur schaffte es meisterhaft, kritische Filme zu drehen und trotzdem Auszeichnungen in der DDR zu erhalten. Dabei nahmen seine Filme die Perspektive des „kleinen Mannes“ ein, um die Auswirkungen der großen Politik zu zeigen. „Das Versteck“ mit Manfred Krug und Jutta Hoffmann in den Hauptrollen war Beyers letzter Film in der DDR: Der Regisseur hatte sich gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns ausgesprochen und war dadurch selbst in Ungnade gefallen. 1977 siedelte Beyer nach West-Berlin über.

Auch die kleinen Filme wie „Dietrichs Methode“ am 8. September zeigen auf besondere Weise das Kiezleben. Der Kurzfilm von Josephine Links stammt aus dem Jahr 2008 und verfolgt ebenfalls den Ansatz über das Porträt eines Einzelnen die Probleme der Gesellschaft aufzuzeigen. Im Programm heißt es: „Ein Film über einen Mann, der kaum beachtet wird, und bei dem es doch so viel zu entdecken gibt.“
Nicht nur die Filmkunst gibt Aufschluss über die Zeiten unter der SED-Herrschaft, auch Fernsehsendungen wie die „Modekiste“ geben Einblicke in die Welt hinter der Mauer. Gepaart mit dem Dokumentarfilm „Komm in den Garten“ eröffnet der 22. September ungewöhnliche Blicke auf die Menschen in der DDR. „Komm in den Garten“ ist nach dem Mauerfall entstanden, als Sozialstudie zeigt sie aber, was die Grenzöffnung für Auswirkungen auf den Prenzlauer Berg und seine Bewohner hatte. Zu den Protagonisten gehören der begabte Maler Dieter, der wegen angeblicher Arbeitsscheu Jahre im Gefängnis verbracht hat, und der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Wochenpost Alfred. Der hatte versucht, Wahrheiten über den Journalismus in der DDR öffentlich zu machen. Das missfiel den Genossen der SED und so verlor er sein Parteibuch, seinen Job und seine Zukunft. Er begann zu trinken, stürzte ab und landete in einer Nervenheilanstalt.
Das Festival, das 2016 als kleine Filmreihe im Museum Pankow begann, sorgt dafür, dass das Publikum ins Gespräch kommt. Prominente Gäste und Moderationen gehören fest zum Programmanspruch. Bei jeder Aufführung sind also Kreative als Zeitzeugen dabei. In diesem Jahr führen Knut Elstermann, Annette Schuhmann und Elise Landschek durch die Nachmittage und Abende. Durch das gewachsene Interesse, werden die Filmblöcke jeweils um 17:30 Uhr und um 20:30 Uhr gezeigt.
Produziert wird die Prenzlauerberginale 2026 in Kooperation der Yorck-Kinogruppe mit dem Geschichtsbüro Müller. Letzteres hat der Historiker Stephan Müller gegründet, um Geschichtsvermittlung vor Ort zu betreiben. Müller war es auch, der 2016 das Festival ins Leben gerufen hat. Neben der Prenzlauerberginale organisierte das Geschichtsbüro Müller auch andere Veranstaltungen wie 2025 die Filmreihe Dazwischenland im Zeiss-Großplanetarium, 2024 das Mauerfilmfest und 2021 die Mauerfilme im Mauerpark. Die Prenzlauerberginale wird vom Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
Weitere Infos und Tickets: Prenzlauerberginale






