Restaurant in Moabit

Naschgelage für Unentschlossene

Lust auf Tapas, Burger und Fisch? Und am besten alles auf einmal? Kein Problem im ProbierMahl. Hier gibt’s alle Gerichte als halbe oder ganze Portion.

Der Name „ProbierMahl“ ist ein ganz pfiffiges Programm, hinter dem die moderne Unlust auf Entscheidungen steht. Statt sich nur einem Gericht widmen zu müssen, kann man sich durch eine ganze Reihe kleiner Probierportionen naschen oder auch zwei halbe Hauptgerichte hintereinander testen.

Das Rieslingsüppchen ist auf den ersten Blick luftig und leicht, enthält aber jede Menge sättigender Beluga-Linsen und Entenbrust-Streifen. Hauptsache ist die große Holzplatte mit sechs verschiedenen Tapas in weißen Porzellanschüsselchen. Ob sie sich merken könne, welche wir aus der Liste auswählen würden? „Klar“, sagte die Kellnerin ohne Block selbstsicher. Sie hat sich dann auch nur in einem Fall vertan. Unverhofft kamen wir dadurch in den Genuss von sehr angenehm gewürzten Albondigas, Hackfleischbällchen auf einem fruchtigen Tomaten-Gemüse-Ragout.

Jedes Gericht als Mini-Variante

Die mediterrane Hähnchensuppe hat viel Gemüse in sich und ist einzigartig gewürzt. Der Salat von Camarones ist cremig angemacht mit nicht zu penetrantem Aioli. Tomaten- und Gurkenwürfel geben ihm eine knackig fruchtige Note. Die halbe Hass-Avocado ist vergleichsweise schlicht angerichtet mit Zitrone und einer leicht beizenden Vinaigrette aus Gemüse und Gartenkräutern. Das Rinderhüftenragout vom Brandenburger Jungbullen hatte die Farbe von Kakao und tatsächlich eine Note von Zartbitter-Schokolade. Die Kartoffelwürfel, die sich noch darunter fanden, wären aber entbehrlich gewesen. Zwei zarte, gelblich gebeizte Scheiben vom Butterfisch auf einem erfrischenden Tomaten-Konfit bildeten oben links den Abschluss dieses Nasch-Gelages. Sechs Mini-Gänge für 13,50 Euro kann man wirklich als guten Deal bezeichnen.

Auch die Standard-Hauptgerichte, wie Steak und Kabeljau, werden in kleinen und großen Portionen angeboten. Das trifft auch auf die Burger zu. Der kleine vegetarische Kiez-Burger, eine Komposition aus Kartoffeln und Ziegenkäse war wirklich gut, das Brötchen mit Tomatenpesto bestrichen, dazu gab es neben frischer Tomate und roten Zwiebeln auch noch reichlich Rucola-Salat. Als Beilagen passten Cole Slaw und Pommes Frites dazu (6 Euro). Die Dessert-Variationen bestanden aus einem eher konventionellen, aber guten Dreierlei von weißem Schokoladen-Parfait auf einer säuerlichen Passionsfrucht-Sauce, aus Toblerone Mousse mit frischen Erdbeeren und Creme Brulee mit Kapkirsche (7,50 Euro).

Dürftige Weinauswahl

Es gibt eine abwechslungsreiche Cocktailkarte, auch Teefreunde kommen auf ihre Kosten. Die Weinauswahl hingegen hält sich eher in Grenzen, immerhin gibt es jeweils drei rote und weiße offene Weine und Flaschen überwiegend aus Deutschland und Italien. Wir entschieden uns für einen sizilianischen 2009er Grillo & Inzolia vom Weingut Cataldo. Die Kellnerin hatte uns wenig Hoffnung gemacht, dass der Wein überhaupt noch vorrätig ist, so dass wir ihr schon eine Alternative vorgeschlagen hatten.

Am Ende hat sie noch eine Flasche gefunden und brachte sie auch an. Hoffentlich hat sie das nicht bereut. Denn lange hatte sie zu tun, den Korken herauszubekommen. Schon das Zuschauen war anstrengend. „Zu glatt“ sagte sie, und dass sie so was noch nie erlebt hätte. Wir auch nicht.


Quelle: Der Tagesspiegel

ProbierMahl, Dortmunder Str. 9, 10555 Berlin

Telefon 030-3996969

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Montag bis Sonntag von 16 bis 1 Uhr

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