Geschichten von Herzen

Fern der Heimat und in Berlin zu Hause: Promis erzählen

Fern der Heimat und in Berlin zu Hause: Promis erzählen
Wieder-Berlinerin Jessica Schwarz (l.) genießt mit Ilka Peemöller ein Stück Heimat: Kochkäse...
Ein altes Sprichwort sagt: Erst wenn du in der Ferne bist, merkst du, wie schön die Heimat ist. Ob da was dran ist und wie viele Heimaten man haben kann, verraten Stars und Sternchen im neuen Buch „Heimat“ der Berliner Journalistin Ilka Peemöller.

In Berlin leben unzählige Zugezogene, Weltenbummler und Kurzzeit-Einwohner. Dass darunter auch Stars sind, wundert nicht. Doch was bedeutet unsere Stadt für jemanden, der anderswo geboren ist oder was sind eigentlich Heimatgefühle? Erstaunlich offen teilen – nicht nur Berliner – Promis, sondern insgesamt 35 mehr oder weniger bekannte Gesichter von Heino bis Udo Lindenberg dank Autorin Ilka Peemöller mit uns Kindheiten, Ängste, Träume und Sehnsüchte.

Vietnam in Berlin

Minh-Khai Phan-Thi ist in Darmstadt geboren und in München aufgewachsen, ein Zuhause hat sie aber erst in Berlin gefunden, weil sie hier in der größten vietnamesischen Gemeinde Deutschlands plötzlich beide Seiten ausleben konnte: ihre deutsche und ihre vietnamesische. Hier merkte sie, erzählt sie im Buch, dass sie gar nicht so zerrissen war, wie sie immer dachte: „…sondern dass ich meinen eigenen Weg finden muss, mein Anderssein zu leben.“ Während Minh-Khai nie in Vietnam gewohnt hat, musste der Kantstraßen-Restaurant-König The Duc Ngo von dort als Halb-Chinese 1979 im Alter von fünfeinhalb Jahren fliehen. Seitdem lebt er in Charlottenburg und das gern. „Am liebsten würde ich nur als Mensch oder als Weltenbürger gelten. Mit meiner Heimat in Vietnam und meinem Zuhause in Berlin“, erklärt er und gibt viele Einblicke in seine Familiengeschichte und seine Liebe zum Duft von Koriander, Fischanis oder Sternanis.

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt

Tief mit seinem Geburtsort verbunden ist auch ein anderer Wahlberliner: Jörg Thadeusz. Der Junge aus dem Pott verklärt nichts und weiß daher umso mehr, dass Dortmund auch immer seine innere Heimat bleiben wird. „Meine Heimat hat mir gutgetan“, meint er und er erinnert sich, wie seine Mutter immer betont hat: „Wir sind vielleicht Prolls, aber keine Assis“, dabei sei ihr auch das Prolltum zuwider gewesen. Was er auf diese Weise mitgenommen hat, ist auf jeden Fall heimaterdige Bodenständigkeit, selbst wenn er nun nobel direkt am Wannsee wohnt.

 

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Ein Beitrag geteilt von Ilka Peemöller • Berlin (@fraup) am Okt 5, 2019 um 2:23 PDT

Rückkehr in die Hauptstadt

Jessica Schwarz wusste bei ihrem Gespräch mit Ilka Peemöller noch nicht, dass sie Wien verlassen würde, um wieder nach Berlin zu ziehen. Ihre Wohnung hier hatte sie nie aufgegeben, auch eine Art Liebesbeweis für die Hauptstadt. Ihre Heimat aber liegt im Odenwald und so fehlt ihr bei uns im Osten und auf der ganzen Welt vor allem echter Kochkäse, auch wenn selbst der kein Grund ist, wieder nach Michelstadt zurückzukehren. „Meine Heimat ist in meinem Kopf, in meinem Herzen, in meiner Seele“, sagt die Schauspielerin, die schon mit 16 als Model in die Welt zog. „All die Menschen, die ich liebe, sind Heimat für mich.“

Zweite Heimat

Für Jasmin Tabatabei ist Heimat ein schmerzhafter Begriff, gesteht sie. Sie hat früh ihr Zuhause im Iran verloren, weil die Unruhen das Land ihrer Kindheit zerstörten und sie mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. Als Tochter eines Iraners und einer Deutschen und durch diese Lebensgeschichte sieht sie sich als „Kind beider Welten“.

Schauspielkollege Wotan Wilke Möhring beheimatet sich mehr und mehr in Berlin, seit er von seiner Frau und den Kindern in Köln getrennt lebt. Sein Heimatherz schlägt allerdings weiter für das Elternhaus in Herne. Es steht im Wald und ist ein Ort, der ihm hilft, zur Ruhe zu kommen und das Früher nicht zu vergessen. Der Ex-Punk hat einiges erlebt und getan, auf das er nicht stolz ist. Dennoch steht er dazu und es beruhigt ihn zu wissen, „dass es die Heimat, diesen Ort, noch gibt, dass sie nicht zerbombt ist. Dass du könntest, wenn du wolltest…“

Ein Buch und viele Geschichten

Auch das Buch von Ilka Peemöller hat etwas Beruhigendes. Die vielen Menschen und unterschiedlichen Gedanken regen an, selbst in Erinnerungen zu schwelgen und Wichtiges nicht zu vergessen. Es macht deutlich, wie ähnlich wir uns doch alle sind: Wir brauchen Wurzeln und Freiheit. Und manchmal brauchen wir einen Ort, der zur neuen Heimat wird. Hoffentlich bleibt Berlin uns aber noch lange so tolerant und weltoffen erhalten, wie es jetzt ist, damit niemand von uns gezwungen wird, in der Ferne neu anzufangen.

Heimat – Wo das Herz zu Hause ist: 35 Prominente erzählen ihre ganz persönliche Geschichte von Ilka Peemöller ist im Goldmann Verlag erschienen und für 16 Euro im Handel erhältlich.

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