In der Ticket-Schlange zur Berlinale

Py­ja­ma­par­ty für die Coen-Brüder

Py­ja­ma­par­ty für die Coen-Brüder
Warteschlange für den Ticket-Vorverkauf der Berlinale 2016. Zur Foto-Galerie
Potzdamer Platz - Seit zehn Uhr am Montag werden die Tickets zur 66. Berlinale verkauft; die Filmfans stehen schon seit Sonntag Schlange. Ein Besuch in den Potsdamer Platz Arcaden.

Ab Donnerstag lockt die 66. Berlinale bis zum 21. Februar Filmfans aus aller Welt nach Berlin. Über 330.000 Eintrittskarten werden verkauft – genug für alle, sollte man meinen. Aber um etwa Tickets für den Eröffnungsfilm „Hail Caesar!“ von den Coen-Brüdern zu bekommen, sollte man trotzdem früher da sein. Daher lassen es sich viele Filmfans nicht nehmen, stundenlang vor dem Ticketschalter in den Potsdamer Platz Arcaden anzustehen, teilweise sogar die Nacht vor den Verkaufsstellen zu verbringen. „Ein bisschen gehört das auch dazu“, sagt Manuel aus Treptow Köpenick. Er war einer der Ersten, die sich am Sonntagabend in die Schlange gestellt haben. „Um 20 Uhr war ich etwa hier. Nur fünf, sechs andere Leute standen da schon in der Schlange.“

Was macht man eigentlich eine Nacht lang vor einem kleinen Tickethäuschen inmitten der menschenleeren Potsdamer Platz Arcaden? Je weiter vorne die Leute in der Schlange stehen, desto besser sind sie ausgerüstet. Schlafsäcke gehören zum Standardequipment, einige haben es sich mit Campingstühlen bequem gemacht. Manch einer schaut schon einmal Filme auf einem Tabletcomputer, viele haben dicke Schmöker in der Hand. Weiter hinten in der Schlange sieht es dürftiger aus. Einige wollten auf dem Weg zur Arbeit ihr Glück versuchen, ein anderer erzählt, er käme gerade von einer Party auf dem RAW-Gelände.

Kompliziertes Verkaufssystem

Das Publikum ist gemischt, viele Studenten stellen sich an, aber auch ältere trauen sich eine Nacht auf dem Steinboden in den Arcaden am Potsdamer Platz zu. Eine von ihnen ist Martina G. aus Charlottenburg. 1989 das erste Mal auf der Berlinale gewesen, stellte sie sich Sonntagabend schon um 10 Uhr in die Schlange. „Ich habe mir jetzt erstmal meine Karte für den Friedrichstadt-Palast gekauft und darum herum bilde ich mir jetzt mein Gerüst aus Filmen“, sagt sie lächelnd und präsentiert stolz ihre meterlange Ticketkette.

Die meisten Berlinale-Fans kaufen gleich Tickets für mehrere Vorstellungen. ©picture alliance / dpa

Tatsächlich ist der Ticketverkauf eine Wissenschaft für sich. Tickets kann man, mit einigen Ausnahmen, grundsätzlich nur drei Tage im Voraus kaufen. Und so wird sich auch Martina G. in den nächsten Tagen wieder anstellen müssen. Nach 27 Berlinale-Jahren hat sie da aber so ihre Tricks: „Bei Audi City Berlin am Ku’damm ist die Schlange zum Beispiel kürzer. Ansonsten ist es auch normalerweise besser, tagsüber zu kommen, wenn die anderen Leute noch arbeiten.“

„Hail Caesar!“ besonders nachgefragt

Die Mehrheit der Wartenden hat einen klaren Favoriten: „Hail Caesar!“ – der Eröffnungsfilm. Keine große Überraschung, die Komödie von den Coen-Brothers bringt wohl auch den größten Promifaktor mit sich. Abgesehen von den großen Produktionen suchen sich viele aber auch gezielte Spartenfilme raus. Thomas S. aus Kreuzberg zum Beispiel stellt sich gerade ein „möglichst gemischtes Programm“ zusammen. Mit seinen Freunden steht er seit halb sieben am Montagmorgen in der Schlange. In der Hand hat die Gruppe eine ausgedruckte Liste mit allen Filmen des Festivals. Einige haben sie markiert und mit handschriftlichen Notizen versehen. Seit zehn Jahren ist Thomas S. Gast auf der Berlinale. Constantin K. dagegen sucht sich mehr die deutschen Filme auf dem Festival heraus. Wie die letzten Jahre schon will er sich auch dieses Jahr für die Berlinale wieder extra Urlaub nehmen.

Um 10 Uhr ist es dann so weit: Pünktlich öffnen die Schalter ihr Verkaufsfenster. Umringt von Kamerateams legen die ersten ihr schon abgezähltes Geld auf den Tresen. Einige Dauergäste der Berlinale erzählen, es sei ein wenig ruhiger dieses Jahr. Gut besucht wird das Festival aber trotzdem wieder mit Sicherheit.

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Quelle: Der Tagesspiegel

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