QIEZ-Blogger Prenzlberger Ansichten

Spaziergang im Gleimkiez

Kopenhagener Straße, Ecke Sonnenburger Straße.
Kopenhagener Straße, Ecke Sonnenburger Straße. Zur Foto-Galerie
Stadtführer und Autor Rolf Gänsrich schreibt seit 1996 für die Kiezzeitung Prenzlberger Ansichten. Diesmal führt ihn sein Kiezspaziergang vom Falkplatz aus durch den gesamten Gleimkiez - ein Text, gespickt mit vielen wissenswerten historischen Fakten.

Der Falkplatz heißt im Volksmund „Exer“, weil es sich bei ihm um einen ehemaligen Exerzierplatz der preußischen, später der deutschen kaiserlichen Armee, handelte. In historischen Filmaufnahmen der Wochenschau, an dieser Stelle gedreht, absolvierten nach Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 Freiwillige ihre ersten Schritte in der soldatischen Grundausbildung. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Platz offiziell seit langem nicht mehr zum Exerzieren genutzt, aber aufgrund der Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung und der vielen Freiwilligen wurde dann doch nochmals an der Ecke Gleimstraße / Am Falkplatz trainiert.

Erste Spielstätte des Hertha BSC

Falkplatz
Bereits 1892 wurde auf dem Falkplatz der Fußballverein Hertha BSC, damals noch BFC Hertha 1892, gegründet und der Sportplatz ab 1904 zur ersten Spielstätte. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Platz zum Acker für Gemüse umgepflügt und der Baumbestand im Hunger-Winter 1945/46 weitgehend abgeholzt. In der DDR erweiterte man die bestehenden Sportanlagen, die sich bis zur Eberswalder Straße hin ziehen, und baute 1951 das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion. 2008/09 nutzte der 1. FC Union während des Umbaus seines Stadions das Areal an der Cantianstraße. Seitdem ist es Heimstätte anderer Vereine.

Die Max-Schmeling-Halle wurde dagegen erst am 14. Dezember 1996 in Anwesenheit des Namen gebenden Ausnahmesportlers eröffnet. Die erste große Veranstaltung in der Halle war ein Boxkampf von Henry Maske. Einer der Radio-Kommentatoren war der ehemalige Chef-Sport-Reporter der DDR, Heinz-Florian Oertel. Der Kampf war mäßig, der Hörfunk-Kommentar aber ein echter Genuss!

Das ganze Areal rund um das Stadion und den Mauerpark ist heute ein beliebtes „Hintergrundobjekt“ für etliche Werbespots im Fernsehen. Liegewiesen und eine Plansche wurden nach dem Mauerbau am 13. August ’61 direkt und unmittelbar an der Hinterlandmauer an der Gleimstraße / Am Falkplatz eingerichtet. Man sieht anhand der Größe der Bäume in der Gleimstraße, bis wohin der Grenzstreifen mit der Hinterlandmauer einst ging. Die Wohnhäuser in der Schwedter Straße lagen bereits im Grenzbereich und konnten nur über die Hinterhöfe begangen werden. Man gelangte über die Korsörer Straße dorthin – die Baulücken für diese Zugänge sind noch vorhanden.

Persönlichkeit aus dem Kiez

Joseph Weißenberg war ursprünglich Maurer, der recht bald Stein und Kelle beiseitelegte und allein durch Handauflegen die Menschen heilte. Geboren wurde er am 24. August 1855 in Fehebeutel im Landkreis Schweidnitz in Schlesien. Nach Militärdienst und Jahren der Wanderschaft ließ er sich 1882 als Schankwirt im heutigen Ortsteil Prenzlauer Berg nieder. Schon seit 1870 heilte er nebenbei, im Jahr 1903 folgte er dann seiner inneren Berufung, Menschen zu helfen und behandelte hauptberuflich circa fünfzig Patienten pro Tag in seiner Praxis in der Gleimstr. 42.

An der Ecke Sonnenburger Straße / Kopenhagener Straße geraten bei meinen Führungen viele „aus dem Häuschen“. An dieser Stelle steht das ehemalige Umspannwerk, das von 1924 bis 26 nach Entwürfen von Hans-Heinrich Müller in dunkelrotem Backstein erbaut wurde. Es war nur bis 1993 in Betrieb und wurde danach nicht mehr benötigt. In ursächlich-technischem Zusammenhang mit diesem Komplex gibt es ein kleines Gebäude im gleichen Baustil, das auf der anderen Seite der Ringbahn auf dem Arnimplatz steht. Nach vielen Zwischennutzungen wurde das Umspannwerk 2007 durch Vattenfall verkauft. Heute befinden sich in dem Gebäudekomplex ausschließlich Büros und ein bekannter Internetversandhändler, der 2008 in Berlin gegründet wurde …

Die nächsten Termine für Führungen mit Rolf Gänsrich:
1., 15., 22. Dezember um 14 Uhr, vor dem historischen Haupteingang des Kinos Colosseum – es geht in den Gleimkiez (gut 2 h)
8. Dezember um 14 Uhr, vor dem Shop Meldestelle, Pappelallee / Schönhauser Allee – es geht in die Kastanienallee und Bernauer Straße (etwa 2 ½ h)

25. und 26. Dezember um 14 Uhr, unter der Uhr der Mittelinsel, Bornholmer Straße / Schönhauser Allee – es geht ins Diplomatenviertel (ca. 45 min)

29. Dezember um 14 Uhr, vor dem „Simla“, Knaackstraße / Danziger Straße – es geht in den Kollwitzkiez (ca. 1 ½ h).

Alle Touren gegen „Spende in den Hut“.

Dieser Text entstand in Kooperation mit der Kiezzeitung: Prenzlberger Ansichten

Foto Galerie


Quelle: Prenzlberger Ansichten

Spaziergang im Gleimkiez, Gleimstraße, 10435 Berlin

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