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Restaurant Saray

Restaurant Saray.
Restaurant Saray.
Der Sound der Großstadt im Saray! An der zukünftigen neuen Geheimdienstzentrale in Berlin, am U-Bahnhof Schwartzkopfstraße bin ich ausgestiegen, um mir mal wieder die Müllerstraße unter die Füße zu nehmen.

Irgendwo denke ich, irgendwo im Wedding, werde ich die verlatschten Kalorien dann sicher wieder durch Speiseaufnahme ersetzen. Das war dann nach einer Dreiviertelstunde Ecke Seestraße/Müllerstraße der Fall. „Saray“ prangt über der Eingangstüre. Saray ist ein türkisches Wort persischen Ursprungs (سرای = sarai ), das „Palast“ bedeutet. In der deutschen Sprache taucht dieser Begriff bei Mozarts Oper auf: „Serail“. Ich halte mich da gleich an den Dritten Akt der Oper „Entführung aus dem Serail“ mit dem irren Song „Erst geköpft, dann gehangen, dann gespießt auf heiße Stangen“ … und beziehe das auf ein halbes Hähnchen mit Salat. Lange literarische Pamphlete über diese „Delikatesse“ kann man wohl nicht verzapfen, außer den pauschalisierten Bemerkungen, dass das Hähnchen in diesem „Palast“ saftig, frisch gegrillt, heiß, schön salzig und preiswert war. Sieben Euro inkl. ein Bier hab ich gelöhnt plus Fuffzig Cents Tip.

Bemerkenswert war was janz, janz anderes (würde der Berliner sagen). Der Großstadtsound im Saray ist der Kick! Die Schiebefenster sind Anfang September noch auf und der Sound der Großstadt Berlin Ecke Seestraße/Müllerstraße knallt auf einen Hühnerfresser, also mich. Das bekommt keine Bose-Anlage so hin, ahne ich. Das ist absolut life! Dazu der irre Sound im und um das Restaurant. Um drei Köche agieren gleich hinter dem Tresen mit den Zubereitungen der Speisen. Schnell, sicher, gekonnt, fleißig und ziemlich laut. Ein Kellner schnauzt seinen Kollegen der Tresenküche liebevoll an, wenn Salat zu mager zu einem Gericht portioniert wird. Er will seine Gäste optimal von der Küche bedient wissen, merke ich.

Richtige fette Gasbrenner haben die da in der Tresenküche, wo die Flammen auch mal über den Rand schlagen beim Heißköcheln fetter würziger türkischer Soßen. Einen Teil der zahmen Soßen und die Tagessuppe hat man aber in der Bain-Marie warm gehalten. Wenn die Tresenköche ein Gericht fertig haben, klingeln sie mit einer Glocke, die auf einem Teller liegt. Keinen Einfluss haben sie auf die derzeitigen Ereignisse der Straßenkreuzung Seestraße/Müllerstraße, wo am späten Sonntagnachmittag auch mal eine reifenqualmende Einhundertachtziggradwende mit einem tiefergelegtem BMW vollgasheulend zelebriert wird. Auf der anderen Straßenseite jault dazu eine Alarmanlage eines größeren Zigarettenladens. Der Kellner, der mich bedient, beschwichtigt mich schnell: „Wackelkontakt – kein Life-Einbruch!“ „Top!“, denke ich, „Das gehört hier zu ‚Chicken mit Salat türkisches‘ einfach eventmäßig dazu“. Wer also aus so einem Käsekuchennest aus Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Hamburg, Brandenburg, Bremen, Baden-Württemberg und Bayern mal zu Besuch nach Berlin kommt und Großstadtsound beim Futtern von halben Hühnern spüren will, der sollte sich in die U6 nach Alt-Tegel bis Seestraße setzen! Und wem die erworbenen Kalorien im Saray dann einfach zu sehr zugesetzt haben, der läuft die Müllerstrasse locker komplett zurück bis zu den Schlapphüten vom zukünftigen BND. Wer noch mehr Kalorien abtanzen möchte, der ist wenige Meter weiter Freitag und Sonnabend im Ballhaus Berlin gut aufgehoben!

Website des Autors: http://www.rhebs.de


Quelle: rhebs

Restaurant Saray, Müllerstraße 41, 13353 Berlin

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