Die MundraubMap im Test

Richtig abgrasen

Richtig abgrasen
Ernten, was du nicht säst. So sieht das dann zum Beispiel in Kreuzberg zwischen Moritzplatz und Engelbecken aus.
Kreuzberg – Abgrasen ausdrücklich erlaubt! Die Map und Website Mundraub.org verrät mit knapp 1500 Einträgen in und um Berlin, wo du gratis am Straßenrand fündig wirst, wenn es um Haselnüsse, Holunder oder Sanddorn geht. Täglich kommen neue gesunde Fundorte hinzu. QIEZ hat die alternative Erntemaßnahme in Kreuzberg getestet.

Ernten, was andere säen. Klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Gibt es aber tatsächlich. Auf der Seite der unabhängigen Initiative Mundraub findet man die Standorte freistehender Obstbäume, -Sträucher, entdeckt Nussbäume und Kräuter in seinem Kiez, die kostenlos abgeerntet werden dürfen. Herzstück der Initiative ist die MundraubMap, auf der von rund 20.000 weltweiten Einträgen allein 1476 auf Berlin entfallen (Stand 1.9.2015). Täglich kommen neuen Mundräuber-Tipps dazu. Anhand von Icons sieht jeder gleich, wo es Bäume, Sträucher und Kräuter in seiner unmittelbaren Umgebung gibt. QIEZ hat die Plattform in einem Kreuzberger Kiez getestet und nicht schlecht gestaunt, welche Naturschätze es da zu entdecken gibt.

Ein Erfahrungsbericht:

Station 1: Kornelkirsche (vor 5 Monaten eingetragen) bei der Prinzenstraße

Was für eine Kirsche? Kurz hinter dem Moritzplatz soll sie hinter dem Hotel auf der rechten Seite stehen. Da ich zugegebenermaßen von dieser „Kirsche“ bisher noch nichts gehört habe, geschweige denn eine Ahnung habe, wie sie aussehen soll, bin ich direkt über den Detailbutton der Map dankbar. Da beschreibt Magda ausführlich, dass es sich um eine säuerliche Frucht handelt, die nichts mit der klassischen Kirsche zu tun hat. Vielmehr erinnert sie optisch – ein integriertes Bild des Botanical Gardens New York bietet Abhilfe – an Oliven. Denn knallrot und reif ist sie noch nicht. Also weiter geht’s zur

Station 2: Walnussbaum (vor 3 Jahren eingetragen) und Hopfen (vor 2 Jahren eingetragen) auf einer Brache in der Sebastianstraße

Die ist eigentlich nicht zugänglich und ich von ihr durch einen Zaun getrennt. Allerdings ragen die Pflanzen in Teilen darüber beziehungsweise der Hopfen auch an ihm entlang. Beim Nussbaum wusste ich schon vorher, dass er für mich noch nichts hat. Die Früchte hängen noch in ihrer dicken grünen Schale am Baum. Tja und Hopfen kenne ich vom Bierbrauen. Den Kurs habe ich noch nicht belegt. Also weiter zur

Station 3: Apfelbaum (vor 4 Jahren eingetragen) in der Naunynstraße

Wow, das wäre mein Preis gewesen. Der Baum hält jede Menge grüne, pralle Äpfelchen parat, die danach rufen gepflückt zu werden. Dazu fehlt mir allerdings a) die Leiter und b) der Zugang. Denn an einem verschlossenen Tor steht groß ein „Betreten des Grundstücks verboten!“-Schild. Und somit würde ich, selbst wenn der Zugang möglich wäre, gegen die erste Regel aller Mundräuber verstoßen, die da heißt: „Stellt vor dem Eintragen bzw. Ernten sicher, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden.“ Also weiter zur

Station 4: zahlreiche Haselnussbäume (vor 11 Monaten eingetragen) auf und Brombeeren (vor 4 Jahren eingetragen) bei der Waldemarstraße

Tatsache! Obwohl ich hier jahrelang um die Ecke gearbeitet habe, sind mir die Bäume nie aufgefallen. Ich kenne Haselnüsse nur am Strauch auf dem Grundstück meines Vaters. Ergo, hoch habe ich hier nicht genau geguckt. Würde mir aber aktuell auch nicht weiterhelfen, denn es gibt bei den Nüssen nichts (mehr) zu holen. Ich setze meinen Hoffnungen auf die Brombeeren. Die wären jetzt der Hit. Ich betrete den kleinen Garten zwischen den Häuserzeilen und komme mir komisch vor. Obwohl es öffentlicher Raum ist, scheinen ihn verschiedene Menschen als eine Art Gemeinschaftsgarten zu nutzen. Aber da gerade keiner da ist, schaue ich mich in Ruhe um. Die Beeren haben Saison, müssten mich also anlachen. Tun sie nicht. Keine Ahnung, wo die Hecke sein soll. Dafür finde ich hier noch einmal Hopfen und Holunder. Letzterer sieht wirklich gut aus. Aber ohne Tüte und Handschuhe sehe ich mich gezwungen die farbenfrohen Dolden dem nächsten Mundräuber zu überlassen. Also weiter zur

Station 5: Sanddorn (eingetragen vor 9 Monaten) im Luisenstädtischen Kanal zwischen Bethanien- und Engeldamm

Den umfahre ich mit dem Fahrrad eigentlich immer. Jetzt führt mich meine Mission hinein in den ehemaligen Grenzstreifen. Sanddorn dürfte ja wirklich einfach werden. Im September sind die Beeren reif und fallen mit ihrem Qietschorange sicher gleich ins Auge. Das tun sie leider nicht. Als ich denke, ich hätte sie, muss ich bei genauerer Betrachtung der Sträucher feststellen, dass es sich um Hagebutten handelt. Auch nicht schlecht, aber noch nicht reif und ich langsam mit meinem Pflanzenlatein am Ende, wenn ich da nicht noch eine unbeschriebene

Station 6 selbst entdeckt hätte: Sanddorn (noch nicht eingetragen) in der Heinrich-Heine-Straße zwischen U-Bahnhof-Station und Schmidtstraße

Meinen offiziellen Versuch hatte ich für beendet erklärt, da strahlen mir auf dem Weg zur U-Bahn von alle Seiten die Sanddorn-Sträucher entgegen. Ich muss gestehen, so richtig schmecken mir Sachen mit der Vitaminbombe nicht wirklich. Also lasse ich sie unberührt und werde sie alsbald als neuen Standort eintragen. Schließlich lebt die Plattform vom Teilen. „Helft mit, der MundraubMap weitere Fundorte hinzuzufügen und auf diese Weise Obstressourcen im öffentlichen Raum abzubilden.“ Das werde ich tun.

Nachtrag der Redaktion: Die aufmerksame Magda schreibt uns im Kommentar, dass es sich um Feuer- nicht um Sanddorn handelt. Schade, aber Danke für den Hinweis.

Fazit zum Selbstversuch: Es war interessant, aber ohne Vorbereitung bedingt alltagstauglich. Denn drei Dinge spielen beim Mundräubern eine wichtige Rolle.

Ausrüstung: Dumme Idee und klassischer Anfängerfehler ist sicherlich die Sache mit der Leiter. Die lässt sich allerdings weder zu Fuß noch mit dem Rad besonders gut transportieren. Aber wer wirklich kraftvoll zugreifen und später -beißen möchte, braucht eine gewisse Menge an brauchbarer Ernte. Die ist erfahrungsgemäß auf greifbarer Höhe nicht unbedingt gegeben. Zumindest im Stadtzentrum. Wenn doch, machen Korb oder Tüte Sinn und je nach Fund auch Handschuhe und Schere.

Einstellung: Der Mundräuber sollte noch etwas mitbringen: Mut zum Entdecken. Denn so spannend es ist, die grünen, teils versteckten Ecken in seinem Kiez zu erforschen, so komisch gucken die Leute dann doch manchmal, wenn man auf Anwohner-Parkplätze geht oder in Parkanlagen alles penibel abgrast.

Wissen: Und eine letzte Sache kann einem die Karte außerdem nicht abnehmen: Das Erkennen der Pflanzen und ihren Saisonkalender. Denn klar: Der Hagebuttenstrauch steht da 365 Tage im Jahr am Wegesrand. Das heißt aber nicht, dass er die ganze Zeit Früchte trägt. Das tut er nur im Herbst. Dann darfst du dich allerdings über sie freuen und musst nach dem Ernten nur noch wissen, was du mit den Vitaminbomben zuhause machst.

Café am Engelbecken, Michaelkirchplatz, 10179 Berlin

Telefon 030 28376816

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