Alt-Treptow, Treptow
QIEZ-Umfrage

A100 erhitzt die Gemüter

A100 erhitzt die Gemüter
So soll die A100 künftig verlaufen: vom Autobahndreieck Neukölln über Treptow bis an die Frankfurter Allee in Friedrichshain. Zur Foto-Galerie
Die geplante Verlängerung der Stadtautobahn A100 vom Autobahndreieck Neukölln bis hin zur Anschlussstelle am Treptower Park ist heiß umstritten: Befürworter sehen darin die Chance zur Entlastung vieler Wohngebiete vom Durchgangsverkehr und eine Aufwertung der historischen Mitte Berlins. Gegner befürchten den Verlust von hochwertigem Wohnraum und Grünflächen. QIEZ hat sich unter betroffenen Anwohnern umgehört…

„Also ich halte das Ganze für Blödsinn. 500 Millionen Euro für nur drei Kilometer Autobahn auszugeben, ist doch wahnsinnig! Zudem wird der Kiez hier vollkommen zerstört – es wird lauter und dreckiger und die Autobahn habe ich dann direkt in meinem Rücken“, sagt Jan Kohn, der in der Beermannstraße in Alt-Treptow wohnt. Eigentlich hat er noch „Glück“, denn sein Wohnhaus wird wegen der Baumaßnahmen nicht abgerissen.

Ein schlechteres Stadtbild

Anders geht es da Andreas Heider, der gerade erst aus einem zweimonatigen Aufenthalt aus den USA zurückgekehrt ist und der dort nur am Rande mitbekam, was das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am 10. Oktober 2012 entschied: Das vorangegangene Verwaltungsverfahren für das Bauvorhaben verlief korrekt, der Planfeststellungsbeschluss erfolgte rechtens. Für Heider und einige seiner Nachbarn, die in den beiden Wohnblocks am Ende der Beermannstraße wohnen, heißt das, sie müssen über kurz oder lang umziehen, denn ihre Häuser sollen für die A100-Erweiterung weichen.

„Für mich ist das natürlich nicht so toll“, sagt Andreas Heider und fügt hinzu: „Es ist schade um dieses Viertel. Vom Westen kennt man das ja. Das Stadtbild wird durch die Autobahnverlängerung schlechter werden und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das überhaupt notwendig ist und das Geld an anderer Stelle nicht besser investiert wäre.“

Auch Familie Menzel ist betroffen. Ihr Wohnhaus bleibt zwar stehen – aber direkt neben einer „ewigen, riesigen Baustelle“ wollen sie nicht wohnen. „Viele Leute trifft das hier schwer, denn aufgrund der Wohnungsbaugenossenschaft, der hier die Häuser gehören, sind die Mieten noch günstig. Es wird schwierig werden, woanders so preiswerten Mietraum zu finden“, erklärt Frau Menzel.

Beermannstraße: Protestbanner

Der Stau würde abnehmen

Ein Stück weiter an Grenzallee und Elsenbrücke sind die Anwohner anderer Meinung. „Ich kann natürlich verstehen, dass die Beermannstraßen-Bewohner die Autobahn nicht wollen, aber ich als Autofahrer kann die Verlängerung nur befürworten. Dadurch würde viel Verkehr abfließen“, so Herr Heise.

„Ich bin für die A100, auch für einen Weiterbau. Die Elsenbrücke ist jetzt ein absolutes Nadelöhr, da staut sich alles. Das würde mit der richtigen Erweiterung besser werden“, erklärt Herr Dienst, der neben der Elsenbrücke wohnt. Sein Nachbar Henry Mantae denkt wiederrum anders darüber: „Dass man die Häuser wegreißt, finde ich nicht so schlimm. Aber wenn die Autobahn kommt, dann ist da nichts mehr mit Bäumen und Grünflächen. Das ist schon traurig. Die Kleingärten müssen ja auch weichen. Wahnsinn sind auch die Baukosten und nur damit die Autofahrer am Ende fünf Minuten schneller sind – darin sehe ich wenig Sinn.“

So unterschiedlich die Meinungen sind, der Autobahnverlängerung steht wohl kaum noch etwas im Wege. Bereits im Sommer 2013 soll mit dem Bau begonnen werden. Letzte Hürde ist die Aufnahme des Projektes in den Bundeshaushalt 2013. Aufgrund des großen Nutzens, der dreimal höher eingeschätzt wird als der Kostenaufwand, gilt die Freigabe der Bundesmittel im März 2013 jedoch als wahrscheinlich.

Beermannstraße 22, 12435 Berlin

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A100 erhitzt die Gemüter, Beermannstraße 22, 12435 Berlin

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