Kommentar

Besser Bahnfahren - 10 Benimmregeln

Besser Bahnfahren - 10 Benimmregeln
Wie? Mit denen allen soll ich Bahn fahren? Wäre ja nur halb so schlimm, wenn sich alle mal ein bisschen zusammenreißen würden - soll heißen: rücksichtsvoll wären.
Bahnfahren in Berlin macht selten Spaß. Nicht im Berufsverkehr, nicht zwischen gröhlenden Halbstarken und schon gar nicht mit der letzten Verbindung nach einem großen Konzert. Dabei wäre alles nur halb so wild, wenn sich endlich mal alle vernünftig verhalten würden. Wir hätten da ein paar Tipps.

Erst raus, dann rein

Stell dich niemals direkt vor die geöffnete Tür, bevor alle ausgestiegen sind. Auch nicht, wenn der erste Schwung raus ist und noch ein paar Schwerfällige hinterher gekleckert kommen. Denn lässt du die Leute nicht raus, kannst du nicht rein. War schon immer so, wird sich auch nicht ändern. Und stell dir vor: Je mehr Platz es vor der Tür gibt, je mehr Leute also gleichzeitig aussteigen können, desto schneller geht’s für dich los.

Drängeln verboten

Es sei denn, du bist ein Drängler. Wenn ich mir Leute anschaue, die vor dem Einfahren des Zuges schon halb von der Bahnkante rutschen, weil sie möglichst nah am Eingang stehen wollen und wenn sich dann noch andere in die zentimeterbreite Lücke zwischen mir und meinem Vordermann drängeln, um eine Sekunde früher auf Sitzplatzjagd zu gehen, dann krieg ich schlechte Laune. Solltet ihr bedürftig sein – schwanger, gehbehindert, in die Jahre gekommen – dann wird euch schon jemand einen Platz anbieten. Hoffentlich. Womit wir beim nächsten Thema wären…

Aufgepasst und Platz gemacht

Leuten, denen es offensichtlich schwer fällt, sich auf den Beinen zu halten, für die macht man Platz. Vor allem dann, wenn ich mehr Sitz blockiere, als ich eigentlich brauche. Genau zwischen zwei Plätzen zu sitzen, ist nicht cool, sondern bescheuert. Taschen auf den Nachbarsitz zu knallen, obwohl der eigene Schoß noch frei ist, ist nur solange okay, wie sich die anderen im Gang nicht stapeln. Und außerdem ist es alles andere als erquicklich, wenn drei breitbeinig sitzende Herren, die mit gesenktem Kopf auf ihr Handy gucken, eine Sitzreihe ausfüllen, auf der sonst fünf Personen Platz hätten. So dick können eure Eier gar nicht sein!

Umsichtig stehen

Und da wir schon beim Thema sind: Stehen, als hätte man genau diesen Quadratmeter Boden für sich gepachtet, gehört verboten. Wir alle kennen das Phänomen: An der Tür hänge ich in der Achsel des Nebenmannes, Hintern an Hintern mit anderen, im Gang könnten wir zusammen Salsa tanzen. Wenn wir hin kämen. Ist es denn so schwer, beim Einsteigen durchzutreten? Müssen diese Menschen so am Durchgang stehen, dass niemand vorbei kann? Und merken die eigentlich nicht, dass sie im Weg stehen? Ein besonders herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle, die auf die Frage, ob sie rutschen könnten mit einem Mini-Schritt reagieren, der nichts ändert.

Mach dich nicht breiter, als du bist

Am liebsten sind mir Rucksackträger, die Zeitung lesen. Körpererweiterung nach vorne und hinten ist die optimale Kombi, um ein rücksichtsvolles Miteinander zu verhindern. Wer dann noch bei jeder Bewegung der Bahn mitschaukelt – natürlich nicht, ohne mit dem Rucksack ständig gegen mich zu stoßen, versagt vollends. Wenn man sein eigenes Volumen schon mit einem Panzer auf dem Rücken erweitern will, dann habt doch bitteschön auch ein Gefühl dafür! Ich plädiere für’s Abnehmen. Das spart außerdem enorm viel Platz. Probiert’s aus und staunt!

Geruchsbelästigung

Das Bierchen in der Bahn gehört ja irgendwie obligatorisch dazu und auch gegen die Käsestulle ist nichts einzuwenden. Aber es muss doch nicht sein, dass der dicke Döner mit Zwiebeln und Knobi-Sauce in der Bahn gegessen wird. Und ein bisschen Deo hat im Hochsommer auch noch keinem geschadet.

Geräuschbelästigung

Wenn man von der einen Seite mit Bushido, von der anderen mit Motörhead beschallt wird und zusätzlich jemand Nichtigkeiten in den Hörer brüllt („Och nee, bei mir gibt’s nichts Neues. Und bei dir so?“), nervt das. So wie Leute, die ihre Gespräche über den Gang hinweg führen statt sich nebeneinander zu setzen. Nicht zu vergessen die subtile Nerverei: lautes Kaugummikauen, Nagelpulen, Schmatzen und feuchtfröhliches Geknutsche über mehrere Stationen sind in der Bahn Höchststrafe.

Kinder, Hunde und andere Begleiter

Viele Kinder sind niedlich, Hunde auch. Aber da muss sich schon jemand für verantwortlich fühlen. Zum Beispiel wenn der Hund dem Sitznachbarn permanent auf die Schuhe sabbert oder ihn mit dem Schwanz auspeitscht. Auch blöd: Wenn das Kind mit dem matschigen Stiefel gegen mein Schienbein haut, kurz guckt und dann ungeniert weiter seinen Dreck an anderer Leute Hosen abschmiert – natürlich nicht ohne mit zuckerklebrigen Fingern alles anzutatschen. Und nein, ich möchte nicht die blöde Tante sein, die eure Kinder dann zurechtweist.

Wer sitzt, hat zu warten

Und jetzt für viele Fahrgäste was ganz Neues: Wer steht, darf zuerst raus. Denn wer die ganze Zeit wichtigen Handyspielen gefrönt hat, während ich mich mit einem knutschenden, rucksacktragenden, mit Bushido telefonierenden Pärchen mit Hund rumgeplagt habe, der hat es definitiv nicht so eilig wie ich, aus diesem Wagon rauszukommen!

Bleib niemals stehen

Es ist ja schön, dass du wahnsinnig viel Zeit hast, um von A nach B zu kommen, der Zeitplan anderer Leute ist nur leider knapp bemessen. Also bleib gefälligst nicht ruckartig stehen – nicht, wenn du aus der Tür steigst, um dich zu orientieren, nicht kurz bevor du die letzten Zentimenter der Rolltreppe erreicht hast (warum machen Menschen sowas?) und erst recht nicht auf der linken Seite der Rolltreppe. Und wenn du schon trödeln möchtest, dann bitte nicht händchenhaltend und in einer Reihe mit irgendwelchen anderen Trantüten, an denen ich auch nicht vorbeikomme.

 

 

„Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Dinge fallen mir ein, die bei meinen täglichen Bahnfahrten nerven. Der beste Tipp, um gut durch Berlin zu kommen ist aber wahrscheinlich: nicht aufregen.“

Alexanderplatz, Alexanderplatz, 10178 Berlin

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