Räumungsurteil gegen Berliner Fotostudio

Fotostudio Urbschat am Ku'damm muss schließen

Fotostudio Urbschat am Ku'damm muss schließen
Ein weiterer Traditionsbetrieb am Kurfürstendamm muss nun einem Neubau weichen.
Adenauerplatz - Das Fotostudio der Familie Urbschat am Kurfürstendamm hat eine lange Geschichte, auch viele Prominente ließen sich dort porträtieren. Jetzt aber hat der Vermiete die Schließung erwirkt. Das Haus soll einem Neubau weichen.

Nicole Urbschat kann es nicht fassen. „Ein scherzhaftes Gespräch kann doch nicht die Existenz einer ganzen Familie vernichten!“, entfährt es ihr am Montag vor dem Kammergericht. Doch dann folgt das Urteil: Die Richter geben der Räumungsklage des Hauseigentümers gegen das traditionsreiche Porträtstudio „Art & Photo Urbschat“ am Kurfürstendamm 170 statt. Und das liegt auch an einem scheinbar harmlosen, aber folgenreichen Telefonat.

Der heute 85-jährige Horst Urbschat hatte das Fotostudio „Dürkoop“ 1969 übernommen, heute blickt die Firma auf eine 100-jährige Geschichte zurück und gilt als ältester Familienbetrieb am Ku’damm. Die Geschäfte führen Urbschats zwei Töchter, auch eine Enkelin arbeitet mit. Zur Kundschaft zählen Prominente aus aller Welt.

Doch vor zwei Jahren kündigte der Vermieter, die Holler-Stiftung aus München, den bis 2019 geschlossenen Mietvertrag vorzeitig zu Mitte 2012. Auf dem Areal zwischen Adenauer- und Olivaer Platz ist ein größerer Neubau geplant, den der Bezirk bereits genehmigt hat. Das Landgericht wies die Räumungsklage zunächst ab. Allerdings musste die hauseigene Ausbildungsstätte „Photoacademy“, die einen separaten Mietvertrag besaß, nach Tempelhof umziehen.

„Wir haben beide gelacht“

In zweiter Instanz ging es um ein Telefonat vor rund sieben Jahren. Damals lagen beide Schwestern zeitgleich im Krankenhaus, Nicole Urbschat mit gebrochenem Bein. Sie rief den Hausverwalter an und teilte mit, die Firma sei gerade „führerlos“. Der Mann habe sie beruhigt, erinnert sie sich: Werde die Miete nicht wie üblich zum Monatsbeginn überwiesen, sei das kein Problem. Mit einer Ausnahme zahle im Haus sowieso kein Mieter pünktlich. „Wir haben beide gelacht“, erzählt sie.

Heute argumentiert der Vermieter, das Gespräch habe zu einer „mündlichen Zusatzvereinbarung“ geführt. Und diese mache Teile des Vertrags unwirksam – darunter auch dessen Laufzeit.

Die Urbschats hatten die Miete lange erst gegen Monatsende gezahlt, sie nahmen eine „Duldung“ an. „Wir hatten Mühe, die Miete aufzubringen.“ Man habe gerade eine Million Euro in Modernisierungen investiert.

Erfolglos schlugen die Richter eine finanzielle Abfindung vor. Familie Urbschat hielt 500.000 Euro für das Minimum, um den Betrieb zu retten, der Vermieter bot nur 250.000 Euro. Horst Urbschat war nicht beim Prozess, später tröstete er seine Töchter mit dem Spruch: „Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Das Urteil ist sofort wirksam. „Theoretisch kann in vier Wochen der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen“, sagte ein Anwalt. Die Familie will nicht aufgeben, sondern für das Fotostudio neue Räume suchen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Art and Photo Urbschat OHG, Kurfürstendamm 157, 10709 Berlin

Telefon 030 8809740
Fax 030 8814381

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