• Donnerstag, 27. März 2014
  • von Susanna Gotsch

Kräuterhof Lübars

Hier kommen nur die Harten in den Garten

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  • Kräuterhof Lübars
    Idyllischer geht's gar nicht. Der Kräuterhof Lübars ist immer einen Besuch wert. Foto: QIEZ - ©Susanna Gotsch
  • Kräuterhof Lübars
    Wie der Name schon sagt werden hier unzählig viele Kräuter, alle aus biologischem Saatgut, verkauft. Foto: QIEZ - ©Susanna Gotsch

Lübars - Legefrische Eier, alte Gemüsesorten, ungespritzte Blumensträuße - wer Wert auf Produkte direkt vom Erzeuger legt, für den ist der Kräuterhof in Reinickendorf ein Paradies. Hier landen die Sachen direkt vom Acker im Einkaufskorb der Kunden. Auch die Arbeitsbedingungen sind paradiesisch. 

Für die meisten der 25 Mitarbeiter ist das zwei Hektar große Gelände am Ortsausgang Lübars der schönste Ort. Das gilt nicht nur für Hofleiterin Kathrin Zitzke, auch die jungen gehandicapten Menschen, die auf dem Kräuterhof betreut werden, sind froh, hier arbeiten zu können. "Einer reist sogar täglich zwei Stunden aus Grünau an, weil er sich keinen besseren Platz vorstellen kann", erzählt Zitzke. 
 
Sie selbst leitet seit 14 Jahren den Hof, der 1983 von den Berliner Werkstätten für Behinderte übernommen wurde. Die Abgeschiedenheit in Lübars ist genau das richtige Umfeld für Menschen mit geistigen, seelischen und psychischen Einschränkungen. In diesem Rahmen fühlen sie sich wohl. "Sie brauchen die Ruhe und nicht andauernd um sie Herumwuselnde, wie es in anderen Teilen der Werkstatt der Fall ist", erklärt die freundliche Hofleiterin.
 
 

Arbeiten mit den Jahreszeiten

 
In dieser Idylle werden Kräuter, Gartenpflanzen und viele gängige aber auch seltenere Gemüsesorten angebaut. Das Saatgut stamme ausschließlich aus Biobetrieben, sei aber nicht zertifiziert. "Wir haben uns im Laufe der 30 Jahre einen Kundenstamm aufgebaut, der uns vertraut", erklärt Zitzke diese Feinheit. Die auf dem Hof aufgezogenen Pflanzen seien gegenüber der holländischen Ware viel robuster. Auf dem Kräuterhof "kommen nur die Harten in den Garten". Gedüngt wird ohne Chemie und nur mit eigenem Kompost. Dazu wurden sogar Kompostwürmer angeschafft. "Die sind super", lacht die Agraringeneurin. 
Das Frühjahr sei die arbeitsintensivste Zeit auf dem Hof. Die Aussaat will vorbereitet werden. Alles wird selbst angezogen, aufgepeppelt, pikiert und kommt schließlich aufs Feld. Dann ist der ganze Acker voll und es geht es mit der Pflanzenpflege weiter. Im Juni beginnt die Ernte, die sich bis November ziehen kann. Das letzte Gemüse auf dem Feld sind Pastinaken, Möhren und Kartoffeln. Den Winter über liegen die Flächen brach. "In diesen Monaten schauen wir, dass wir für unsere Firma Produktionshilfe leisten können", erzählt sie. "Vergangenen Winter haben wir Kräuterstempel für den Wellnessbereich hergestellt." Außerdem sei der Adventsbasar im November vorzubereiten. Auf diesem wird die Vielfalt und die Frische der Produkte noch einmal präsentiert. 
 

Die Leute liefern sich Eierschlachten


Der Basar stellt auch den krönenden Abschluss des Verkaufs dar. Der zieht sich sonst über den ganzen Sommer. Was dann angeboten wird, spiegele auch immer die Nachfrage der Kunden wieder. Neben gängigen Gemüsesorten wie Tomaten, Gurken oder Möhren gibt es schon mal etwas Selteneres wie Kanarischen Lavendel, den Guten Heinrich, eine wilde Spinatsorte oder Stielmus, das als Suppeneinlage Verwendung findet.
 
Der ganzjährige Verkaufsrenner sind nach wie vor die legefrischen Eier. "Hier gibt es Leute, die stehen eineinhalb Stunden vor Verkaufsbeginn an, nur um sechs Eier zu bekommen. Mitunter gab es schon Beschimpfungen und richtige Eierschlachten", schmunzelt die Hofleiterin. "Wir könnten eine ganze Hühnerfarm aufmachen." Um dem immensen Wunsch nach Eiern nachzukommen, wurden zusätzlich 40 Hühner angeschafft. So gibt es nun 60 glückliche und gesunde Legehennen. Was man über die Lübarser Eier wissen sollte: Sie müssen drei bis vier Tage liegen, ehe sie verzehrt werden können. Das Eiweiß muss sich erst setzen. "Am fünften Tag sind die Eier am schmackhaftesten", weiß Frau Zitzke.


Tierisch was los


Neben den Hühnern gibt es auch noch andere Tiere auf dem Kräuterhof: ein Perlhuhn, mehrere Taubenhühner, ein Entenpärchen und einen stattlichen Hahn. Außerdem eine Ziegenfamilie zu therapeutischen Zwecken. Und auch die vier Kaninchen und ein Meerschweinchen können hier solange bleiben, bis sie eines Tages nicht mehr atmen. Sie zu züchten wäre einfach zu kostenaufwendig. Aus diesem Grund mussten auch die Lämmer abgeschafft werden. 
 
Worüber sich Kathrin Zitzke sehr freut, sind die beiden Bienenvölker, die seit vergangenem Winter BWB-eigenen Honig produzieren. Dieser Zweig soll noch mehr ausgebaut werden. Genau wie die Konfitüre-Produktion. Dafür wird es bald auch eine eigene Küche geben. "Dann können wir mit der Herstellung von Erdbeer-Rhabarber- und Himbeer-Marmelade richtig loslegen", freut sich die vor Ideen nur so sprudelnde Leiterin. Außerdem habe sie sich in einer der vielen schlaflosen Nächte noch mehr Produkte ausgedacht. Was das sein wird? Bei einem nächsten Besuch in Lübars wird das Geheimnis gelüftet.

Kräuterhof Lübars

Alt-Lübars 15
13469 Berlin

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Quelle: QIEZ
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