• Freitag, 04. Mai 2012

Tagesspiegel-Serie zu Berliner Plätzen

Platz am U-Bahnhof Alt-Tegel

  • Platz am U-Bahnhof Alt-Tegel
    Bei vielen Anwohnern ist der Platz am U-Bahnhof Alt-Tegel besser bekannt als Schlossplatz. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kitty Kleist-Heinrich

Die Atmosphäre eines Platzes verströmt dieser Ort nicht. Er kommt eher wie ein Ort des Übergangs daher, vom hektischen Treiben auf den umliegenden Straßen und in der U-Bahn zur entspannten Fußgängerzone. Dabei müsste man gar nicht viel ändern, um dem 'Platz' Alt-Tegel mehr Charakter zu verleihen.

"Ach, das ist ein Platz?" Immer wieder wurde bei der Arbeit an dieser Serie klar, dass die Berliner "Alt-Tegel" als den U-Bahnhof mit angegliederter Fußgängerzone interpretieren, eine ehemalige Straßenkreuzung – aber eben keinen Platz als vielfach nutzbares Areal. Die Bewohner Tegels oder der nördlichen Außenbezirke kennen die Fläche als multipel vernetzten Einkaufs- und Verkehrsknotenpunkt mit Bussen und der U-Bahn. Aber auch die meisten anderen Berliner verbinden mit Alt-Tegel den Beginn der Fußgängerzone, die direkt auf den Tegeler See und die beliebte Greenwich-Promenade zuführt.

Spezieller Charakter

Was den ungewöhnlichen Charakter dieses Platzes vor allem ausmacht, ist eben dieser Übergang vom Shopping- und Verkehrsgetümmel des Tegeler Zentrums direkt in eine Ausflugsidylle mit Mittelmeerambiente. Das ist in Berlin so nicht noch einmal zu finden. Dementsprechend haben sich dort viele kleine Gaststätten und insbesondere Eisdielen niedergelassen. Bei schönem Wetter herrschen rüstige Wanderer in bunten Funktionsjacken vor, die überwiegend von Bahn und Bus in Richtung See und wieder zurück marschieren.

Dies alles heißt: Der Platz Alt-Tegel, sofern man ihn überhaupt als solchen auffasst, wird von den Bürgern akzeptiert und intensiv genutzt. Er muss also nicht von Grund auf neu durchdacht und gestaltet werden. Probleme ergeben sich allenfalls aus der Tatsache, dass seine jetzige Form weniger beabsichtigt als zufällig gewachsen erscheint.

Zur Entstehung des Platzes

Man kann noch deutlich erkennen, dass hier früher eine ganz normale Straßenkreuzung war, auf die auch die heute unmotiviert erscheinende Lage der U-Bahneingänge zurückzuführen ist. Ältere Tegeler bezeichnen Alt-Tegel noch immer als "Schlossplatz". Das ruft in Erinnerung, dass der gesamte Verkehr bis zum Autobahnbau in den 1970er Jahren nach Norden über die Schlosstraße lief, die heute nur noch eine Sackgasse ist.

Der U-Bahnhof Tegel wurde 1958 eröffnet, damals noch als Anbindung eines Wohnvororts. Erst nach dem Mauerbau wurde Tegel zu einem Geschäfts- und Einkaufszentrum – einerseits. Andererseits entwickelte sich der Bahnhof auch zum wichtigen Verteiler für den Ausflugsverkehr in die West-Berliner Naherholungsgebiete Heiligensee, Lübars, Frohnau und zum Tegeler See.

Der heutige Platz Alt-Tegel ist bei einem Umbau im Jahr 1976 entstanden. Damals wurde die Straße Alt-Tegel zwischen Treskow- und Berliner Straße für den Verkehr gesperrt, und es bildete sich Berlins erste Fußgängerzone. Der neue Platz wurde mit einem Granit-Mosaik-Pflaster, einem Brunnen, Beton-Blumenschalen, Bänken und den noch heute vorhandenen imitierten Schinkel-Leuchten ausgestattet. Zwei Jahre später wurden die Autos auch aus der Gorkistraße vor dem schon 1973 eröffneten Tegel-Center vertrieben, 1983 wurde auch der Rest der Straße Alt-Tegel westlich der Treskowstraße zur Fußgängerzone.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends stand die Neugestaltung der Fußgängerzone in der Gorkistraße an. Alt-Tegel bekam dadurch den neuen Kiosk seitlich des mittleren U-Bahneingangs. Zudem stellte man Informationstafeln für Besucher und Touristen auf. Viele Bänke mussten dagegen im Lauf der Jahre weichen, weil sich Anwohner immer wieder über Lärm und Vandalismus beschwert hatten - ein Problem, das wahrscheinlich auch mit der neuen Planung einhergehen wird.

Die Neugestaltung des Platzes

Für Rüdiger Zech, den Leiter des Tiefbauamtes, ist insgesamt unbestritten, dass Alt-Tegel ein grundsätzlich funktionsfähiger Platz ist. Aber auch Zech sieht die Gelegenheit, die Aufenthaltsqualität durch gezielte Maßnahmen zu optimieren, und erinnert daran, dass das urbane Gegenstück in der Gorkistraße durch die Umgestaltung der Gastronomie vor der Markthalle eine starke Bereicherung erfahren hat.

In diese Richtung, meint Zech, könne auch Alt-Tegel entwickelt werden, und er kommt diesbezüglich mit den Überlegungen der Landschaftsplaner überein. Deren Vorschlag, den dritten Bahnhofseingang zuzumachen, findet er prinzipiell interessant, weist aber darauf hin, dass das eventuell Sicherheitsaspekte der BVG beträfe. Alles in allem: Alt-Tegel ist kein ganz großer Problemfall. Gerade deshalb könnte hier mit relativ wenig Mühe viel gelingen.

Adresse

Berliner Straße 95
13507 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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