Schöneberg
Restaurant in Berlin-Schöneberg

Jede Menge Lieblingsgerichte

Jede Menge Lieblingsgerichte
Der normale Esser hat mit kreativer Küche wenig im Sinn. Täglich werden Millionen Pizzas und Wiener Schnitzel verkauft und jeder, die besten Köche inbegriffen, nennt auf die Frage nach dem Lieblingsessen den Schweinebraten bei Muttern oder Großmutter. Auch Gastro-Kritiker Bernd Matthies mag gutbürgerliche Küche. Es war also höchste Zeit, dem Renger-Patzsch in Schöneberg einen Besuch abzustatten.

Über gutbürgerliche Küche zu schreiben, ist nicht so einfach. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich nie das Schöneberger Restaurant „Renger-Patzsch“ betreten habe, in dem ein Held der Gastro-Szene, Hannes Behrmann, diese Stilrichtung pflegt.

Den Ausschlag gab der Michelin, der hier den „Bib Gourmand“ verliehen hat, eine Auszeichnung für gutes, bezahlbares Essen. Das hat an sich noch nicht viel zu bedeuten. Der „Bib Gourmand“ vereint Beinahe-Sterne-Restaurants, zu Recht verkannte Kreative und Landgasthäuser zwischen Überforderung und Solidität. Das Renger-Patzsch würde ich inzwischen ohne Zweifel in die Kategorie „Solidität“ stecken. Hier wird genau das geboten, was die Karte verspricht, aber das so überzeugend, dass der Eindruck bleibt, es mit engagierten Profis zu tun zu haben, die machen, was sie können.

Gut, die Vorspeisen könnten noch etwas Raffinesse vertragen. Es handelt sich im Wesentlichen um Salate und geschrumpfte Hauptgerichte. Sowohl der Wintersalat mit geröstetem Gänseklein und Kastanien (9,50 Euro) als auch der vergleichbare Salat mit Kalbsbäckchen, Artischocken und Bohnen waren sehr angenehm, frisch, kräftig angemacht – genau so, wie es vor einem deftigen Hauptgang sein sollte. Die Kürbissuppe mit Kernöl (6,50 Euro) war geschmacklich wie von der Konsistenz her ein Glücksgriff, und auch die gebratenen Wolfsbarschfilets auf Fenchelrisotto (10,50 Euro) waren gut gelungen.

Bezahlbarer Charme

Wer knapp bei Kasse ist, der sollte sich hier einfach nur mal anschauen, wie das Elsässer Sauerkraut aus der Küche getragen wird – bei dem  Anblick wird man von allein satt. Ich war ganz froh, dass ich etwas anderes bestellt hatte, nämlich gebratene Ente, Keule und ein Stück Brust, mit Rotkohl, Äpfeln und Serviettenknödeln (19 Euro). Das erinnerte unmittelbar an den Charme eines Großmuttergerichts, nur dass keine Großmutter so abgründig köstliche Fleischfonds hinbekommt. Dunkle Saucen, unter Sterneköchen leider nicht mehr üblich, begleiteten auch den saftigen Spanferkelrücken (Wirsing, Kümmeljus, Schalotten, Kartoffelplätzchen, 19 Euro) und die Perlhuhnbrust mit Kürbis-Linsen-Gemüse und Schupfnudeln (aus dem Drei-Gang-Menü für 27 Euro). Alles deftig, gut gemacht und zum Sattwerden. Ein Dessert passte trotzdem noch: Spekulatiusparfait mit Punschzwetschgen.

Es ist leicht verständlich, dass dieses ziemlich große Restaurant häufig voll besetzt ist. Hier kann man nämlich durchaus für unter 100 Euro zu zweit glücklich werden – etwas, was manche schicke Gourmetstube für das Vierfache nicht hinbekommt. Was am Ende auf der Rechnung steht, hängt natürlich auch ein wenig vom Trinkverhalten ab, doch die Verlockungen bleiben überschaubar. Die Weinkarte ist schmal, aber gut und geografisch passend ausgesucht. Zu empfehlen ist beispielsweise der Weißburgunder von Reinhold und Cornelia Schneider (Baden) für 33 Euro. Die Jahrgänge in der Karte gar nicht zu erwähnen ist allerdings ein wenig zu viel des Pragmatismus. Die Literflasche Leonhardt-Wasser kostet 6,50 Euro, das Glas Champagner 8,50 Euro, auch bei diesem Posten wird also niemand über den Tisch gezogen.

Bleibt noch der Name dieses Lokals zu erklären: Er bezieht sich auf den Fotografen Albert Renger-Patzsch, dessen Landschaftsbilder in der spartanischen und dennoch gemütlichen Gaststube hängen. Ob er kochen konnte, ist mir nicht bekannt; zum Abendessen wäre er sicher gern hierhergekommen.

Renger-Patzsch Gasthaus, Wartburgstr. 54, 10823 Berlin

Telefon 030-7842059

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Montag bis Sonntag ab 18 Uhr, Küche bis 23.30 Uhr

Renger-Patzsch Gasthaus

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