Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Hier werden nicht nur Toaster gerettet

Hier werden nicht nur Toaster gerettet
Rüdiger Büttner gibtt sein Bestes, um den Fehler an Gerlindes Toaster zu entdecken.
Lichterfelde-West – Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und mehr. Diesmal besucht sie das neue Repair Café von Steglitz.

Der Toaster ist kaputt. Irgendwie lassen sich meine Scheiben nicht mehr fest herunterdrücken und springen automatisch sofort wieder hoch. Ich möchte aber jetzt keine Banane essen, ich will Toast mit Marmelade. Oder vielleicht irgendwas anderes Süßes, das ungesund ist und lecker schmeckt. Also folge ich dem Tipp eines Freundes und besuche in meinem Kiez in Steglitz das Heimatmuseum in der Drakestraße. In dem Backsteingebäude soll die Beziehung zwischen mir und dem Toaster bei Kaffee und leckerem Kuchen eine zweite Chance bekommen.

Seit gestern gibt es hier jeden ersten Freitag im Monat im Keller ein neues „Repair Café“. In vielen Bezirken hat sich dieses Konzept schon durchgesetzt, jetzt hat auch Steglitz-Zehlendorf eins, direkt unter den Ausstellungsräumen. Die Idee ist so praktisch wie simpel. Statt einen neuen Staubsauger zu kaufen, wenn der alte kaputt ist, oder ein neues Radio oder in meinem Fall einen neuen Toaster, lässt man seine Geräte einfach reparieren. Die Erfolgsquote liegt immerhin bei 60 Prozent. Und das nicht für hunderte Euro, sondern lediglich für eine Spende. Dazu gibt es an jedem ersten Freitag im Monat Kaffee und Kuchen.

Reparieren ist nachhaltig

Rüdiger Büttner und seine Frau freuen sich darüber, dass nicht alles gleich im Müll landet, was kaputt ist. Rüdiger, ein studierter Ingenieur, der schon zwei dieser Läden in Schöneweide und Schöneberg ehrenamtlich unterstützt, sagt, und das ist ja nun mal ein Fakt, dass wir nur eine Erde haben. Nachhaltigkeit ist für die Büttners ein wichtiges Thema.

Empfehlenswert ist es, sich und sein Gerät vorher im Repair Café anzumelden. So ist gewährleistet, dass auch die richtigen Spezialisten vor Ort sind und sich um das entsprechende Gerät kümmern können. Es gibt insgesamt vier Arbeitsplätze für die Experten wie Radio- und Fernsehtechniker, Feinmechaniker, Schneider und Uhrmacher. Zwei Mitarbeiter kümmern sich um die wartenden Gäste, so kommt man miteinander ins Gespräch. 

Ersatzteile, soweit nicht vorhanden, müssen selbst besorgt  werden. Was ich ganz besonders nett finde, ist, dass Hobbybastler unter Anleitung selbst ihre Geräte versuchen können zu reparieren. Ich sehe davon natürlich ab, auch wenn mich der Anblick der zahlreichen Drähte, die Herr Büttner in meinem Toaster mit seinem Messgerät überprüft, fasziniert. Unzählige Schrauben, zum Teil unter Abdeckungen versteckt, findet und löst er.

Im Keller des Heimatmuseums

Warum gerade das Heimatmuseum als Location? Die Lage ist recht zentral und im Keller gibt es alles, was gebraucht wird. Eine separate elektrische Leitung zum Beispiel, die die Hauptsicherung des Hauses nicht zusätzlich belastet und vor allem genügend Platz.

Im Museum selbst gibt es wechselnde Ausstellungen, historische Fotos aus dem Bezirk zum Beispiel, hin und wieder finden hier auch Lesungen statt. Aber heute habe ich dafür keinen Sinn, immerhin geht es um die gemeinsame Zukunft vom Toaster und mir.

Herrn Büttner gelingt es tatsächlich einen defekten Draht auszutauschen. Ich kann den Toaster wieder ganz heil mit nach Hause nehmen und so wie es aussieht noch einige Zeit mit ihm verbringen. Schön, dass es diese kleinen, süßen Heile-Welt-Oasen und engagierte Berliner wie die Büttners in dieser großen, hippen, lauten Stadt auch noch gibt.


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Steglitz Museum, Drakestr. 64a, 12205 Berlin

Telefon 030 8332109

Webseite öffnen
E-Mail schreiben


Dienstag bis Freitag und Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr

XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Wohnen + Leben

Ausbildung + Karriere | Service | Wohnen + Leben

Werde freier Redakteur (m/w/d) bei QIEZ!

Dein Berlin. Dein Bezirk. Dein Kiez! Du erzählst gern selbst die Geschichten vor deiner Haustür […]
Wohnen + Leben

Döner essen und dabei Gutes tun

Seit 2012 versucht die Kampagne "One Warm Winter", junge Menschen für Obdachlosigkeit zu sensibilisieren. Gemeinsam […]