Kreuzberg
Restaurant im Bethanien

Mit Kreuzberger Charme

Mit Kreuzberger Charme
Das 3 Schwestern in den altehrwürdigen Räumen des Bethanien. Hier der Eingangsbereich... Zur Foto-Galerie
Der Streit um das Künstlerhaus Bethanien – ein ehemaliges Diakonissen-Krankenhaus – hat sich beruhigt. Seit einiger Zeit residiert dort auch das "Drei Schwestern“, ein Restaurant, das zwar schick ist, aber auf Kreuzberger Art. Man stelle sich eine bürgerliche Variante des alten SO 36 vor, ohne Gentrifizierung.

Der schöne, ausgedehnte Garten lässt den Gast die Hektik der Stadt vergessen und auf den Nachwuchs wartet ein großer Sandkasten. Nur schade, dass beides abends zeitig geschlossen wird, wenn im benachbarten Freiluftkino Filme gezeigt werden. Ansonsten stellt der Garten eine grüne Alternative zu den vielen Kreuzberger Lokalen dar, die ihren Gästen im Sommer nur ein paar Tische mit Bierbänken auf dem Gehweg zu bieten haben. Doch auch der Innenraum im „Drei Schwestern“ weiß zu gefallen: Schwere, weiße Säulen und hohe Decke, eine Bühne unter einem Rundbogen, auf der man außerhalb von Auftritten auch sitzen und essen kann, eine ausladende Bar mit moderner Mosaikkunst darüber. Das schlichte dunkle Mobiliar setzt mit seinem Understatement einen gelungenen Kontrast.

Der Service brauchte eine Weile, was am vollen Garten gelegen haben dürfte, stellte sich dann jedoch als geschäftstüchtig heraus. Mehrmals versuchte der ansonsten sehr freundliche Kellner mit den Tattoos am Arm, uns statt des vorzüglichen Riesling-Sekts (3,20 Euro) den teureren Crémant (5,50 Euro) einzureden. Die Marktsalate waren frisch und knackig mit Vinaigrette angerichtet (3,80 Euro). Die Grüne Spargelcremesuppe wirkte etwas dünn und die Flusskrebsschwänze hätten etwas zarter sein können (5,30 Euro). Als anschließend die Hauptspeise immer länger auf sich warten ließ und die später gekommene Gruppe am Nebentisch schon am Schlemmen war, legten wir Protest ein. „Die haben halt keine Vorspeise gehabt“, erklärte man uns knapp. Wir waren also selber schuld. Man nimmt so etwas dennoch nicht übel, weil man eben in Kreuzberg ist und diese lakonische Ansprache hier zur Folklore gehört.

Gemütlich alpenländisch

Der Braten vom Apfelschwein war gut durch und nicht butterzart. Das Fleisch war gut, aber der Braten schmeckte so, als ob er von einer routinierten, aber nicht übermäßig begabten Hausfrau zubereitet worden war. Bei den Semmelknödeln hatten wir den gleichen Eindruck. Dazu ein wenig Krautsalat (13,80 Euro). Hervorragend war die Parmesanpolenta, so leicht und fluffig, wie sie sonst kaum irgendwo zu haben ist. Sie steigerte das Niveau der gekräuterten Ruppiner Lammkeule erheblich. Die rosa gebratenen Stücke hatten einige Sehnen, dazu gab es tiefdunklen Rosmarinjus und leckere, kleine Frühlingsartischocken.

Obwohl der Garten aufgrund des Films nebenan inzwischen geschlossen war und im Innenraum die Kerzen nach und nach gelöscht wurden, dauerte es erneut einige Zeit bis zum Nachtisch. „Durstige Nonne“ heißt ein leicht alkoholisiertes Haselnuss-Schoko-Küchlein mit Sahne (2,80 Euro). Es schmeckte gut und war auch von der Größe her ein pointierter, gelungener Abschluss. Auf der Platte mit der kleinen Alpenländischen Käseauswahl lagen drei gute Hart- und ein Weichkäse, dazu gab es ganz klassisch Weintrauben und Nüsse (5,50 Euro). Der 2009er Blauer Zweigelt aus dem Kamptal ist hierfür ein guter Begleiter (24 Euro).

Der österreichische Einfluss war unübersehbar, aber für die Kinder aus dem Sandkasten gibt es im Drei Schwestern eben auch Spaghetti mit Tomatensauce. Wer Gästen zeigen möchte, was die Stadt und speziell diesen Teil von ihr ausmacht, kann das in diesem Restaurant in Kreuzberg besonders gut. Hier ist niemand pingelig, aber die Menschen schätzen doch einen gemütlichen Lebensstil, zu dem altehrwürdige Räume mit regionalen Produkten gut passen.

Foto Galerie

3 Schwestern, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Telefon 030-600318600

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Dienstag bis Sonntag ab 11 Uhr

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