Restaurant-Tipp

Neu in Charlottenburg: Fine Dining im Prism

Neu in Charlottenburg: Fine Dining im Prism
Auster unter geeistem Apfel und Grapefruit – der einzige Gang, den wir im Prism zweimal bekommen. Ansonsten wird geteilt.
Kamel, Schokoladen-Kaffee-Brot und Wein aus dem Libanon – Gal Ben Moshe weiß seine Gäste zu überraschen. Der israelische Koch hat nach dem "Glass" sein neues Restaurant "Prism" in Charlottenburg eröffnet, wo er die Küche seiner Heimat modern, international interpretiert.

„50 Shades of Grey“ können verdammt gut aussehen. Wie das neue Restaurant von Gal Ben Moshe beweist. Von den Wänden, dem Betonboden, über die Tischdecke bis hin zur gebundenen 38-Seiten-Weinkarte präsentiert sich die Adresse in Grau. So durchgestylt und kalt das klingt, so gemütlich ist es überraschenderweise hier. Dafür sorgen die Deckenspots (jeder leuchtet einen Tisch perfekt aus) und die samtigen, goldenen Bänke.

Willkommen im Prism, dem Nachfolger des Glass, das in der Uhlandstraße schon 16 Punkte vom Gault Millau bekommen hatte. In der neuen Location in Charlottenburg kocht der Israeli kreativ weiter. Seine Küche: eine Mischung aus europäischen Einflüssen und seiner modernen Interpretation der Levante.

Kaffee, Kamel und Taboulécracker

Wir sind die ersten Gäste am Abend und bekommen das „social“ Menü, das „designed for sharing“ wurde, erst erklärt und bald gebracht. Viele bunte Pickles machen sauer und lustig. Besonders erwähnenswert finde ich aber das dunkle Schokoladen-Kaffee-Brot und Pastrami vom Kamel. Beide feiern Premiere in unserem Mund und machen neugierig auf mehr.

 

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Ein Beitrag geteilt von maria k. (@prstmhlzt) am Jan 11, 2019 um 11:43 PST

Die Variation der armenischen Gurke mit Labane und Sumac ist hübscher Augen- und frischer Gaumenschmaus in einem. Auch der rohe Thunfisch mit Okraschote, Portulak, schwarzem Sesam und Jameed („der libanesische Parmesan“) bekommt volle Punktzahl. Doch die geeiste Foie Gras mit Apfel und Zwiebeln fällt bei uns durch. Leber ist per se Geschmackssache. Von Leber in Form von molekularen Eissplittern muss man wirklich Fan sein.

Der sind wir dann wieder vom Pulpo mit Foul und frittierten Kichererbsen. Intensive Röstaromen, eine leichte Bitternote, Säure und der perfekten Biss verdienen Applaus. Genauso wie der gegrillte Weißkohl mit Radieschen, Pistazie und Nussbutter. Wenn alle Gemüsegänge so wären, bräuchten wir kein Fleisch mehr auf dem Teller. Wobei das zarte Lamm mit Sauerkirschen und Taboulécracker selbstverständlich erwähnt werden muss.

Insgesamt machen die kreativen Kombinationen Spaß, weil sie nicht zu verrückt sind und mit ihrer gelungenen Verarbeitung überzeugen. Das hohe Niveau hält auch das Dessert, das mit der Kamelmilch zu Feigencreme, Honigcrunch und Weizen sogar den Bogen zum Appetizer schlägt.

 

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Ein Beitrag geteilt von prism (@prism_berlin) am Nov 9, 2018 um 9:06 PST

Alle Weine auch glasweise

Das alles lässt sich von der imposanten Weinkarte mit 230 Positionen begleiten. Jacqueline Lorenz – auch privat die Frau an Moshes Seite – kümmert sich darum. Dank eines patentierten Flaschenöffnersystems (bei dem die Flaschen nur angezapft, nicht entkorkt werden) können Gäste jeden Wein auch glasweise trinken – angefangen bei 6 bis 46,50 Euro für 0,1 Liter. Der Weißwein vom Château Ksara aus dem Libanon ist eine Ansage und nicht wirklich mein Fall. Gefälliger kommt dagegen der griechische Rotwein Nemea ins Glas, bei dem wir den Abend bleiben sollen. Denn die Sommelière rotiert mittlerweile durch das voll besetzte Restaurant von Tisch zu Tisch. In Ballerinas und einem grauen Kleid.

Unter der Woche kostet das Social Menü 55 Euro pro Person. Das reguläre Gänge-Menü geht pro Gast bei 95 Euro los, die Weinbegleitung bei 54 Euro. Wir wurden zu diesem Essen eingeladen. Danke dafür! An unserer objektiven Berichterstattung und eigenen Meinung ändert das nichts.

Prism, Fritschestraße 48, 10627 Berlin

Telefon 030 54710861

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Donnerstag bis Montag von 18:00 bis 00:00 Uhr

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