Restaurant in der jüdischen Mädchenschule in Mitte

Im Geist der Tradition

Kippot mit Stil: Die jüdische Kopfbedeckung für die Gäste des "Kosher Classroom" gibt’s inklusive Statement. Demnach dürfte, wer hier speist, mit Geschmack gesegnet sein. Die Speisekarte wird auch Veganern zusagen. Ein Vier-Gänge-Menü kostet 75 Euro.
Kippot mit Stil: Die jüdische Kopfbedeckung für die Gäste des "Kosher Classroom" gibt’s inklusive Statement. Demnach dürfte, wer hier speist, mit Geschmack gesegnet sein. Die Speisekarte wird auch Veganern zusagen. Ein Vier-Gänge-Menü kostet 75 Euro. Zur Foto-Galerie
Früher ging es hier um Algebra, mittlerweile um Gaumenschmaus und Augenfreuden. In der ehemaligen jüdischen Mädchenschule in Mitte logieren nun Galerien und gleich zwei Restaurants. In einem davon ist wirklich alles koscher ...

In Zukunft stehen in dem großen Gebäude in der Auguststraße Kunst und Genuss auf der Agenda. Pünktlich zum Beginn der Berlinale 2012, also am neunten Februar, eröffneten stadtbekannte Gastronomen ein neues Restaurant in der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule. Es sind die Macher des „Grill Royal“: Stephan Landwehr, Jessica Paul und Boris Radczun.

Im Vorfeld hatte ein Galerist und Kunsthändler das denkmalgeschützte Haus detailgetreu restauriert. Michael Fuchs ist sein Name, er lebt in New York und Berlin. Etwa fünf Millionen Euro investierte er in das Gebäude, das er für 30 Jahre gepachtet hat. „Es ist das einzige reine, unverfälschte Bauhaus-Gebäude, das in der Gegend steht“, so Fuchs. „Da ist tatsächlich mal was ganz Neues entstanden.“

Im „Kosher Classroom“ schaut ein Rabbi den Köchen auf die Finger

Von Beginn an war das 1928 fertiggestellte Haus des Architekten Alexander Beer großzügig und zweckmäßig angelegt. Als Fuchs ins Spiel kam, stand das Haus kurz vor dem Verfall. Durch die Decke tropfte Wasser, Anfang 2011 musste ein provisorisches Dach erstellt werden. Die Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde, sagt Fuchs, sei sehr erfreulich gewesen. Mittlerweile speisen in der alten Schule Gäste in einem koscheren Restaurant mit dem passenden Namen „The Kosher Classroom“.

Eine interessante Kombination aus Steaks und veganen Speisen kommt dort auf den Tisch, und zwar an genau drei Tagen in der Woche, an den übrigen Tagen hat das Restaurant geschlossen. In der koscheren Küche, die stets von einem Rabbi überwacht wird, dürfen Fleisch- und Milchprodukte nicht zusammen verarbeitet werden, man darf sie nicht einmal vom selben Porzellan essen. Da vegane Speisen ohne Tierprodukte zubereitet werden, also auch ohne Eier und Milch, passt die vegane Speisekarte perfekt ins koschere Konzept. Rabbiner Ehrenberg führt die Aufsicht. Der Unternehmer Michael Zehden bietet außerdem freitags traditionelle Sabbat-Dinners an.

Delikatessenladen, Ausstellungen und Kronleuchter von der Biennale

In der ehemaligen Turnhalle im Pauly-Saal verköstigen Stephan Landwehr und sein Team vom Grill Royal die Gäste mit leichter deutscher Küche. Dabei kehren sie historischen Traditionen keineswegs den Rücken und backen beispielsweise Brot im Holzkohleofen. Vier Kronleuchter aus Muranoglas, erstanden bei der Biennale in Venedig von einem Hersteller, der zwischendurch pleite war, schaffen ein Ambiente, das typisch ist für die Entstehungszeit des Gebäudes. Zuständig für die gekonnte Umsetzung des Küchenkonzepts ist der Sternekoch Siegfried Danler, der unter anderem im „Le Canard“ in Hamburg gekocht hat. Gleich nebenan betreiben Paul Mogg und Oskar Melzer einen Delikatessenladen, in dem die Besucher etwa hausgemachte Pastrami bekommen. Dem „Reuben Sandwich Berlin Style“ steht damit nichts mehr im Weg.

Von den insgesamt rund 3.000 Quadratmetern Fläche der ehemaligen Schule stehen übrigens allein der Gastronomie 1.000 Quadratmeter zur Verfügung. Im Sommer gibt es auch Gartenplätze auf dem ehemaligen Schulhof, nur einen Steinwurf entfernt vom benachbarten ehemaligen Jüdischen Krankenhaus. Dort soll ein Universitätsinstitut für jüdische Studien einziehen. Die früheren jüdischen Klassenräume beherbergen Ausstellungen. Neben der Galerie Michael Fuchs in der ehemaligen Aula ist beispielsweise Gerd Harry „Judy“ Lybke mit „Eigen + Art Lab“ vertreten. Der bekannte Sammler der Leipziger Schule stellt hier internationale Künstler vor. Zudem hat die Fotogalerie Camera Works hier eine Dependance eingerichtet.

Jüdische Gemeinde wird Gebäude nach 30 Jahren übernehmen

„Ich wollte einen interessanten Ort schaffen“, sagt Michael Fuchs, „einen Schmelztiegel für Kunst und Kultur, wo man sich auch treffen und zusammen essen und trinken kann.“ Die Lage mitten in Berlin dürfte gerade auch das internationale Publikum ansprechen, das dort ohnehin sehr präsent ist.

Als es um die Instandsetzung des Gebäudes ging, arbeitete Fuchs eng mit dem Denkmalschutz zusammen: Fliesen und Kacheln wurden nach alten Fotos restauriert, alte Türklinken und Beschläge besorgt. Selbst alte Fenster hat Fuchs einbauen lassen, denn gegen neue sträubte sich der Denkmalschutz. Regie führten bei der Sanierung Grüntuch Ernst Architekten; das Büro hat seinen Sitz ebenfalls in der Auguststraße, nur wenige Meter entfernt von der ehemaligen Schule.

30 Jahre lang soll das Gebäude nun Ausstellungen beherbergen. Der 44-jährige Fuchs freut sich darauf. Danach will die Jüdische Gemeinde für die künftigen Generationen etwas aus dem Haus machen. Obwohl der gebürtige Freiburger sowohl in New York als auch in Berlin lebt, sieht er das Gebäude nicht vom Geist seiner zweiten Wahlheimat inspiriert. „Von Vergleichen halte ich nicht viel. Das hier ist etwas Einzigartiges.“

Foto Galerie


Quelle: Der Tagesspiegel

The Kosher Classroom, Auguststraße 11, 10117 Berlin

Telefon 030-315950950

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Freitag ab 19.30 Uhr
Sonntag von 11 Uhr bis 18 Uhr

Augenschmaus und Gaumenfreuden: Wo früher jüdische Schülerinnen paukten, gibt's jetzt Kunst und leckere Speisen - koscher, versteht sich.

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