Neue Ausstellung im C/O Berlin

Hier wirst du mit Künstlern intim

Hier wirst du mit Künstlern intim
Eine Frau betrachtet Bilder von Johnny Rotten (Sex Pistols) in der Berliner C/O Galerie.
City West - Was haben Herbert Grönemeyer, Naomi Campbell und Ian Curtis gemeinsam? Sie alle hatten intime Momente mit Anton Corbijn. Vor der Kamera. Das C/O Berlin zeigt in einer Retrospektive des niederländischen Fotografen und Regisseurs, was für meisterhafte Bilder dabei herausgekommen sind.

Anton Corbijn kommt aus einem niederländischen Dorf. Mit 17 nimmt er das erste Mal eine Kamera in die Hand. Später führt ihn die Fotografie in sämtliche Weltmetropolen. Sein Steckenpferd ist das Musikerportrait. Bands wie die Rolling Stones, Joy Division und Metallica begleitet er über viele Jahre. Auch Models und Kunstschaffende versammelt der Niederländer vor seiner Linse. Er rückt die Persönlichkeiten nicht immer ins richtige Licht, manchmal sogar völlig aus dem Fokus und wird dafür gefeiert wie kein Zweiter. Eine Retrospektive des fotografischen Werkes von Anton Corbijn gewährt gerade Einblick in das beeindruckende, umfangreiche und experimentelle Werk eines Ausnahmefotografen, der sich in den letzten Jahren auch als Filmregisseur („A Most Wanted Man“, „The American“) einen Namen gemacht hat.

Intimer geht’s nicht

Ein paar Dinge sind typisch für Corbijn: analoge Arbeitsweise, harte Kontraste, prominente Gesichter und erstaunliche Intimität. Die „Anton Corbijn . Retrospektive“ im C/O Berlin ist zweigeteilt. Unten erhalten wir Einblick in die Arbeitsweise und Experimentierfreude des Künstlers. Wir sehen auf seinen Bildern, wie er nach spontaner Fotografie höchst inszenierte Portraits für sich entdeckt. Wir bestaunen schwarz-weiße, sepiabraune und bläuliche Augenblicke, die technisch überraschen. In der zweiten Etage können wir dann mit dem Kopf zur Musik wippen, während wir an Nirvana, REM, Depeche Mode, den Rolling Stones oder Nick Cave vorbei spazieren. Viele von ihnen hat Corbijn über Jahre begleitet.

Darum sieht man auf diesen Bildern nicht nur, wie sich die Künstler selbst, sondern auch wie sich ihr Blick in die Kamera verändert. Obwohl die meisten Fotos aus inszenierten Shootings stammen, zeigen sie Persönlichkeit statt Glamour. Nicht nur, weil viele vor der Kamera in ihrer Pose erstaunlich natürlich wirken, sondern auch weil sie mir Corbijn eine Menge Quatsch mitmachen. Grönemeyer oder Mick Jagger zeigen sich als Frauen, Johnny Rotten sieht im Schoß seiner Liebsten zum wahrscheinlich ersten Mal nicht irre aus und ein Bandfoto, auf denen sich die Bandmitglieder von U2 allesamt an ihre Väter schmiegen, kann man nur als etwas Besonderes betrachten.

Ins rechte Licht entrückt

Aber schon in Corbijns Erstlingswerken ist sein liebevoller Blick fürs Detail und die Einzigartigkeit jeder Situation und jedes Künstlers zu erkennen – auch wenn eigentlich gar nichts eindeutig ist. Gavin Friday verschwindet auf einem Foto fast zwischen einem nackten Paar und einem Pianisten und Peter Hammil könnte man für eine Frau halten, weil Corbijn kaum mehr als dessen lange und dichte Wimpern in Szene setzt. Genau das ist es aber, womit die Fotos anziehen: Die Suche nach dem, was hier eigentlich im Fokus steht. Das Nachsinnen darüber, warum Steven Spielberg eine Schatten-Ente an eine weiße Wand wirft, wieso Billy Bragg mit Hilfe eines Wollhandschuhs zum Zorro wird oder Nick Cave dem Sturm trotzt wie der Priester der Ungläubigkeit.

 

„Anton Corbijn . Retrospektive“ ist für Fotografie-Fans, Musikkliebhaber und gute Beobachter eine wahre Empfehlung. Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Januar 2016 im C/O Berlin und kann täglich von 11 bis 20 Uhr besucht werden. Eintritt 10, ermäßigt 5 Euro.

 


    „Ich habe viel Neues über Corbijn gelernt und hätte mich in einige Fotos ewig hineindenken können. Am liebsten mochte ich die Bilder von Tom Waits. Man spürt richtig, welchen Spaß er gehabt haben muss, als ihn Corbijn als waschechten Amerikaner inszeniert hat.“


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C/O Berlin, Hardenbergstraße 22-24, 10623 Berlin

Telefon 030 28444160
Fax 030 284441619

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C/O Berlin

Aufgefrischter Fünfzigerjahre-Stil, nachts hell beleuchtet: Das Amerika Haus mit der Fotogalerie C|O Berlin in der Hardenbergstraße.

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