Fledermäuse, Tauben und drei Mieter

Das Gespensterhaus in der Rigaer Straße

Das Gespensterhaus in der Rigaer Straße
Die Rigaer Straße 19 ist unbewohnt - doch nicht ganz: Oben sitzt jemand auf dem Balkon und in der zweiten Etage, da wo das Plakat der APPD hängt, wohnt auch jemand.
Samariterviertel - Ein fensterloser Altbau in der Rigaer Straße erinnert an alte Zeiten vor der Wende - als würde er jeden Moment zusammenbrechen. In solch einem Zustand befindet sich das Haus Nummer 19 - dabei ist es noch bewohnt.

„Ökologische Schutzzone – Umwandlung von preiswertem Wohnraum in ein Fledermausquartier“ steht auf einem Papier am Eingang der Rigaer Straße 19. In der Gegend leben viele Fledermäuse. Das Haus sieht gespenstisch aus, im Frühjahr dieses Jahres ließ der Eigentümer die Fenster herausnehmen, innen fehlen die Türen und der Boden in den Räumen ist herausgerissen.

Bis September 2013 wohnten noch fünf Mieter im Haus, die anderen waren schon lange gekündigt worden, im besten Fall hatten sie eine Abfindung bekommen.

„Wir wollen hier bleiben“

Zwei Wohnungen oben und die im Parterre haben noch Fenster; die Parterrewohnung wurde von einer größeren Gruppe von jungen Leuten besetzt. Am Donnerstag räumte die Polizei sie schließlich. Als die Beamten nachschauten, ob sich noch Leute in den anderen Wohnungen aufhalten, fand sie zwei Männer in den oberen Etagen. „Die kamen zu mir und wollten mich rausschmeißen, aber da hab ich ihnen meinen Mietvertrag gezeigt“, sagt Marcus Raub, der seit 22 Jahren mit seinem Mitbewohner in dem Haus wohnt.

Dass die Fenster und die Türen raus sind, sei schon ein Problem, trotzdem: „Wir wollen hier bleiben“, sagt Christof Sander, der dritte Bewohner, der gerade die Kündigung bekommen hat und ebenfalls seit mehr als 20 Jahren im Haus wohnt. Diesen Sommer würden sie es noch aushalten, obwohl die fehlenden Fenster dazu führten, dass sich im Haus Tauben, Fledermäuse und andere Tiere einnisten. Im Winter würde es schlimm, sagt Sander. Bei Frost frören die Wasserleitungen fest und es würde schwierig, die Wohnungen warm zu kriegen.

Bezirksamt musste einschreiten

2012 kaufte die SANUS AG das Haus, die seit 2013 auf der Brache zwischen Rigaer Straße im Norden und der Liebigstraße im Süden das „Green Village“ baut. Der frühere Besitzer habe sich um nichts gekümmert, so musste auch schon einmal das Bezirksamt einschreiten, damit der Vermieter seine Pflichten wahrnehme, berichten die zwei Bewohner.

Nach Angaben der SANUS AG sind „Baumaßnahmen am Objekt in Gange, wo noch zwei Wohnungen bewohnt bzw. eine nur sporadisch bewohnt wird“. Die Fenster seien herausgenommen worden, um „verschwammte Bauteile zu beseitigen“, die Mieter seien informiert. Zwei der drei verbliebenen Bewohner des Hauses sagen, dass nichts an dessen Zustand geändert worden sei, nachdem im Frühjahr Fenster, Türen und Boden aus den Wohnungen entfernt wurden. Sie wüssten auch nicht, was als nächstes passiere.  

Bis entscheidende Baumaßnahmen in Gang kommen, werden viele Neugierige das Haus fotografieren und sich darüber Gedanken machen, wer da wohl noch wohnt.

Das Gespensterhaus in der Rigaer Straße, Rigaer Straße 19, 10247 Berlin
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