Kreuzberg
Sonderausstellung zum Thema Beschneidung

Riten und Vorurteile

Riten und Vorurteile
Das Jüdische Museum beherbergt bis zum 1. März 2015 die Sonderausstellung "Haut/ab!"
Luisenstadt - Ab dem 24. Oktober wird im Jüdischen Museum die Sonderausstellung “Haut/ab!“ zu sehen sein, ein Projekt, das die Knabenbeschneidung als Ritus im Judentum und Islam sowie als gesellschaftliches Phänomen erörtert. Unter anderem beleuchten die Kuratoren die kaum bekannten religiösen und kulturhistorischen Hintergründe der Zirkumzision sowie deren Wahrnehmung im Christentum.

Nicht zuletzt die „Kölner Beschneidungsdebatte“ vor zwei Jahren habe den Ausschlag für eine Ausstellung über die rituelle Beschneidung von Jungen in unterschiedlichen Kulturen gegeben, sagt Cilly Kugelmann, Programmdirektorin von „Haut/ab!“. Allerdings sei sie nicht der alleinige Grund gewesen. Bereits 2011 habe sie ein Pfarrer auf die Zirkumzision ‘unmündiger‘ Säuglinge angesprochen und ihre Meinung erbeten. Die Ausstellung, die die Soziologin gemeinsam mit der Gastkuratorin Felicitas Heimann-Jelinek erarbeitet hat, soll die Disputation über freie Religionsausübung versus körperliche Unversehrtheit von Kindern jedoch weder aufgreifen noch weiterführen. Lieber möchte Kugelmann der Beschneidungsdebatte “etwas entgegensetzen“, einen aufklärerischen Beitrag leisten, da die gesellschaftliche Diskussion erneut Türöffner für antijüdische und islamophobe Ressentiments gewesen sei.

Zwischen Tradition und Rezeption

Die Ausstellung im Jüdischen Museum thematisiert die Beschneidung unter verschiedenen soziologischen, anthropologischen und religiösen Gesichtspunkten. Den Auftakt bildet die raumgreifende Installation „Auf Messers Schneide“, eine Aneinanderreihung von unbekleideten männlichen Skulpturen aus verschiedenen Epochen und unterschiedlichen Teilen der Erde, bei denen im Grunde nur der Penis von Interesse ist. Klein und unbeschnitten als hellenisches Schönheitsideal, groß und beschnitten im alten Orient. Des Weiteren widmet sich “Haut/ab!“ der Zirkumzision im Judentum, der „Brit Mila“, bei der die Vorhaut am achten Lebenstags eines männlichen Säuglings entfernt wird, und der rituellen Beschneidung von Jungen in der Türkei, dem „Sünnet“. Auch das zwiespältige Verhältnis gläubiger Christen zur Beschneidungspraxis wird aufgegriffen. Nachweisbar im Kirchenkalender verankert – die westliche Gesellschaft verdankt ihr Neujahrsfest der acht Tage nach seiner Geburt vorgenommenen Zirkumzision Jesu Christi –, war die Beschneidungszeremonie immer wieder antisemitischen Umdeutungen ausgesetzt, die bis hin zu Vorwürfen des Ritualmords reichten.

Den Abschluss der Ausstellung bildet der sogenannte „Resonanzraum“. Hier zeigen verschiedene Videoinstallationen Ausschnitte aus populärkulturellen Film- und Fernsehformaten, die sich – teils mit ernstem Unterton, teils humoristisch – mit dem Beschneidungsakt auseinandersetzen. Neben Szenen aus „Meet the Fockers“ und „South Park“ ist unter anderem die Bundestagsdebatte zur Regelung der Beschneidung minderjähriger Jungen zu sehen.

Die Ausstellung ist bis zum 1. März 2015 zu sehen

Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin

Telefon 030 25993300
Fax 030 25993409

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Montag 10:00 bis 22:00 Uhr | Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 20:00 Uhr

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