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Grabenkämpfe um Schöneberger Schleife

Grabenkämpfe um Schöneberger Schleife
Wannseebahngraben mit zu planendem Grünzug. Zur Foto-Galerie
Rote-Insel-Kiez - Das zweite Werkstattgespräch zur Gestaltung des Wannseebahngrabens verlief einigermaßen erstaunlich: Zu Beginn lag die Stimmung der etwa 50 Teilnehmer irgendwo zwischen aufgeheizt und aggressiv, nach vier Stunden Diskussion und Streit kehrte fast so etwas wie Harmonie in die Runde ein.

Darum geht es: zwischen Ebersstraße und dem Westpark am Gleisdreieck soll ein weiterer Teil der Schöneberger Schleife geschlossen werden, parallel zur S-Bahn. Nun sah diese Schleife ursprünglich vor, einen „Multifunktionsweg“ zu schaffen, also einen Weg für Fußgänger, Jogger, Radfahrer, Skater und auch behinderte Menschen – letztere wurden in den Überlegungen am Samstag übrigens mit keinem Wort erwähnt. Vor allem eine Gruppe von Anwohnern der Crellestraße, inzwischen gut organisiert durch den Widerstand gegen die Lindenfällung, opponiert nun gegen diesen Plan, fürchtet eine radikale Abholzung des sogenannten „Crelle-Urwalds“. 

Die erste Stunde der Veranstaltung in der Pallasstraße wurde durch ebendiese Gruppe geprägt, einige Teilnehmer zeigten ein etwas seltsames Verständnis von demokratischer Bürgerbeteiligung, so wurden abweichende Meinungen wie etwa ein Plädoyer des ADFC-Vertreters für eine Radwegeverbindung, die einen übergeordneten Stellenwert besäße, regelrecht niedergebrüllt. Auch der Umgang mit dem am Vortag stattgefunden Gespräch mit Kindern war bezeichnend. Die inzwischen durch den Crelle-Konflikt in Funk und Fernsehen bekannte Anja Jochum kritisierte, dass die wenigen anwesenden Kinder durch die Fragestellungen manipuliert worden wären. Eine andere Teilnehmerin wusste allerdings zu berichten, dass die anwesenden Erwachsenen (die nicht eingeladen wurden) mit der Zeit die Veranstaltung übernommen hätten und sich die rund acht Kinder daraufhin gelangweilt verzogen haben. Die Wünsche der Kinder nach Spielplätzen wurden aus dem Auditorium in dem Sinne kommentiert, dass die Kleinen ja nicht wüssten, was sie sich wünschen sollen – und auch das Wort „Kinderkacke“ fiel.

Multifunktionsweg, Spielplätze oder etwas ganz anderes?

Dass die Veranstaltung dennoch in einigermaßen geordneten Bahnen verlief, ist drei Personen zu verdanken: Der Moderator der Veranstaltung und zugleich mit der Planung beauftragte Martin Seebauer konnte mit viel Geduld auch einige skeptischere Anwohner von der Tatsache überzeugen, dass er ergebnisoffen in die Veranstaltung gekommen sei. Mehrfach betonte er, dass seine Bandbreite von „wir machen gar nichts“ bis zu „wir holzen alles ab“ gehen würde – wobei letzteres eigentlich ausgeschlossen sei. Er wolle sich auf die Wünsche einlassen und im Januar dann verschiedene Varianten präsentieren. Als Co-Moderator wurde kurzerhand der Crellestraßen-Anwohner und von diversen Bürgerversammlungen bekannte Holger Schnaars verpflichtet, der mit seiner Meinung zwar nicht hinter dem Berg hielt, aber auch zu einer Beruhigung und Versachlichung beitrug.
Wannseebahngraben (c)Ulf Schumann
Schließlich plädierte auch Tilman Heuser vom BUND auf verbindliche „badische Art“ für eine „positive Diskussion“. Die sich zum Teil in einem schlechten Zustand befindlichen Spielplätze der Umgebung müssten in die Planung einbezogen werden, zudem könne man prüfen, ob eine Radwegverbindung auf Straßengelände nicht ebenfalls realisierbar wäre. Die Meinungen im BUND gingen allerdings in dieser Sache auch auseinander. Seine Ermahnung, anständig miteinander umzugehen, verhallte nicht ungehört.
 
Überwiegend wurde im Publikum die Meinung vertreten, dass allerhöchstens ein kleiner unbefestigter Weg im Graben zumutbar wäre; das Stichwort „Südgelände“ als Vorbild fiel mehr als einmal. Zudem wurde der Wunsch geäußert, den unattraktiven Crellemarkt mit einzubeziehen.
Einige Fragen bleiben allerdings offen: Wie repräsentativ ist eine solche Versammlung wie am Samstag? Selbstironisch stellte ein Teilnehmer fest, dass doch überwiegend eher ältere Semester gekommen seien und überhaupt Zeit hätten für solch zeitraubende Veranstaltungen.Wenn denn ein Kompromiss zustande kommt: Wie reagieren Bezirksamt und BVV, wenn kein asphaltierter Multifunktionsweg vorgeschlagen wird?

Es bleibt noch viel zu tun. Für Januar sind eine Begehung des Geländes vorgesehen und ein weiteres Werkstattgespräch mit ersten Entwürfen des Büros Seebauer.
 

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt vom Rote Insel Blog: roteinsel.blogspot.com. Hier können Sie übrigens auch abstimmen, was Ihrer Meinung nach in den Wannseebahngraben kommen soll.

Foto Galerie


Quelle: Rote Insel Blog

Grabenkämpfe um Schöneberger Schleife, Ebersstraße, 10827 Berlin

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