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Wie die Insel zur Insel wurde

Wie die Insel zur Insel wurde
175 Jahre Bahngeschichte.
Drei Bahnstrecken hat die Rote Insel ihre einmalige Topographie inmitten der Stadt zu verdanken. Drei Trassen, die zugleich für Abgeschiedenheit und eine - theoretisch - optimale Anbindung an das Berliner Bahn-Netz sorgen, zumindest wenn man über das jahre- oder vermutlich jahrzehntelange S-Bahn-Chaos hinweg sieht. Eine kurze Zeitreise.

Die Voraussetzung für die Lage wurde Jahre vor der Bebauung um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts geschaffen. Die erste und westliche Begrenzung der Insel bildet die Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn, die erste Bahnstrecke in Preußen. Von den ersten Planungen im Jahr 1833 dauerte es lediglich heute unvorstellbare fünf Jahre, bis die ersten Züge am 22. Oktober 1838 von Berlin über Schöneberg nach Potsdam rollten. 

Parallel liefen bereits die Planungen für die heutige östliche Begrenzung durch die Anhalter Bahn – auch hier brauchten die Planungen lediglich fünf Jahre, bis 1841 die Eröffnung erfolgte. Bedingung war übrigens, die heutige Kolonnenbrücke zu errichten, damit das Preußische Militär den Truppenübungsplatz am Kreuzberg erreichen konnte. Der Ziegeleiweg jedoch – die heutige Monumentenstraße – wurde unterbrochen und erst 1874 beim Bau der zur Anhalter Bahn parallel verlaufenden Berlin-Dresdner Bahn durch eine schmale hölzerne Brücke wiederhergestellt. 1929 wurde die noch heute bestehende Monumentenbrücke errichtet.
 
Nun fehlte noch die südliche Begrenzung durch die Ringbahn. Sie hatte eine Vorläuferin, die Verbindungsbahn, die die fünf Berliner Kopfbahnhöfe verband und vorwiegend im Straßenverlauf durch die Stadt rollte, was sich in der Praxis als äußerst hinderlich erwies. Lediglich zwischen 1851 und Ende der Sechziger Jahre dampften die Züge durch Berliner Straßen. Für Ersatz sorgte die heutige Ringbahn, die zunächst für Güter- und Militärverkehr gedacht war. Die militärische Bedeutung sorgte auch für die Streckenführung zwischen Schöneberg und Tempelhof, sollten die Schienen doch zunächst südlich der Hasenheide verlaufen; erst auf Einspruch des Militärs hin knickte die Strecke in Schöneberg nach Süden in Richtung Tempelhof ab und verlief am Rande des Tempelhofer Exerzierplatzes, des heutigen Tempelhofer Feldes. 1870 wurde dieser zunächst eingleisige Streckenabschnitt in Betrieb genommen. Allerdings dauerte es noch bis 1877, ehe der gesamte Ring geschlossen wurde. Die Strecke aus Tempelhof hatte ursprünglich nur Anschluss an die Berlin-Potsdamer-Bahn Richtung Süden; am Werdauer Weg existierte ein Endbahnhof in unmittelbarer Nähe des heutigen Bahnhofs Schöneberg. Der erste Bahnhof in der Nähe der Roten Insel ging in Betrieb, sollte aber schon bald wieder in Vergessenheit geraten.

Dieser Text wurde uns zur Verfügung gestellt von Rote Insel-Blog: http://roteinsel.blogspot.de/


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