Unterwegs im Kiez

Zwischen Campus und Kuhfladen

Zwischen Campus und Kuhfladen
Der um 1912 errichtete U-Bahnhof ist das Zentrum des Kiezes Dahlem-Dorf. Zur Foto-Galerie
Dahlem-Dorf - Die Gegend rund um den denkmalgeschützten U-Bahnhof ist weit mehr als ein gutbürgerliches Villenviertel. Studenten der Freien Universität fühlen sich hier ebenso gut aufgehoben wie Familien, die auf der Domäne Dahlem Tiere streicheln wollen. Dabei ist es engagierten Bewohnern zu verdanken, dass die dörfliche Idylle mit urbanem Einschlag bis heute erhalten werden konnte.

Herzstück von Dahlem-Dorf ist das zum Landgut mit Museum umgebaute ehemalige Rittergut, von dem heute noch das Herrenhaus von 1560 (übrigens der älteste Profanbau Berlins!), Hofbrunnen und Eiskeller von 1709 sowie der Pferdestall und die Stellmacherei aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten sind. Die Gebäude und die angeschlossene Landwirtschaft mit Viehwirtschaft und Ackerbau zum Anfassen legen bis heute Zeugnis ab von der landwirtschaftlichen Vergangenheit des Dorfes, das bis Ende des 19. Jahrhunderts lediglich über ein Wegenetz locker an die Gemeinden Steglitz und Zehlendorf angebunden war.

Erst 1901 begann man mit der Aufteilung und Bebauung des ehemaligen Rittergutes. Aufgrund der hohen Grundstückspreise und der Gestaltung des gesamten Gebiets als Villenkolonie, die an die Wohnlagen in Grunewald, Steglitz und Lichterfelde angeschlossen werden sollte, war Dahlem von Anfang an eine Top-Adresse für wohlhabende Zuzügler. Die Bebauungspläne sahen jedoch dank des engagierten Kulturpolitikers Friedrich Althoff auch Flächen für Forschungsinstitute vor. Dahlem sollte in seinen Augen ein „Deutsches Oxford“ werden. Mit den wissenschaftlichen Einrichtungen zog es zunehmend auch Beamte, Wissenschaftler und Studenten in diesen Teil Zehlendorfs. Eine Entwicklung, die mit der Gründung der Freien Universität nach dem Zweiten Weltkrieg manifestiert wurde. Heute kommen auf rund 14.000 Einwohner des Ortsteils Dahlem etwa 32.000 FU-Studenten (wobei diese natürlich häufig in anderen Stadtteilen leben).

Ein Dorf als Campus

Vor allem in den ersten Semesterwochen, wenn motivierte „Erstis“ und Langzeitstudenten gleichermaßen den historischen U-Bahnhof von 1912 füllen und sich von dort aus auf die umliegenden Fakultäten, Institute und Uni-Einrichtungen verteilen, ist Dahlem-Dorf zuallererst so etwas wie ein einziger großer Campus. An den Wochenenden jedoch, an denen die Domäne zu ihren beliebten Ernte- und anderen saisonalen Festen und Märkten einlädt, gehört der Kiez Familien, die aus der ganzen Stadt nach Dahlem-Dorf pilgern. Schließlich ist die Domäne deutschlandweit der einzige echte Bauernhof mit U-Bahn-Anschluss. Hier kann man Traktor fahren, Erdbeeren pflücken, Kühe melken oder im Hofladen Bio-Produkte kaufen.

Dass die Domäne mit ihren weitläufigen Acker- und Weideflächen heute noch existiert, ist übrigens einer überparteilichen Bürgerbewegung zu verdanken, die in den 70er Jahren eine Bebauung weiter Teile des Areals verhinderte. Sie sollten an die Universität abgetreten werden; auch vom Bau eines Autobahnzubringers war damals die Rede. So oder so wäre der Charme Dahlem-Dorfs wohl zerstört worden, hätten sich die Bewohner und Freunde des Kiezes nicht für den Erhalt der Domäne stark gemacht. Aus dem Protest ist auch das Projekt Freunde der Domäne Dahlem hervorgegangen, die noch heute das Geschehen auf dem Landgut prägt.

Doch Dahlem-Dorf hat auch eine andere, verschlafene und tatsächlich ziemlich dörfliche Seite. Die zeigt sich am ehesten in den Semesterferien oder an einem späten Herbstnachmittag, wenn die schmalen Wege rund um die Königin-Luise-Straße fast wie ausgestorben wirken und lediglich ein paar späte Besucher ihren Weg in die Dahlemer Museen zwischen Fabeckstraße und Arnimallee suchen. In solchen Momenten hat man zwischen alten Bäumen, schönen Villen mit riesigen Gärten, Kirche und Bauernhof fast das Gefühl, ganz weit weg von der großen Stadt Berlin zu sein. Mittelpunkt des Kiezes bleibt dabei stets das etwas belebtere Zentrum rund um den U-Bahnhof. Hier findet man einen Supermakt, Bäckerei und Eiscafé, den unverzichtbaren Asia Snack sowie das nicht nur bei Studenten beliebte Restaurant Luise oder die Kiez-Buchhandlung Schleichers.

Und je länger man schlendert, desto mehr verfestigt sich der Eindruck: In Dahlem-Dorf lässt es sich tatsächlich ziemlich gut leben. Wer hier eine Bleibe gefunden hat, kann sich glücklich schätzen. Für alle anderen heißt es: Zurück in den Berliner Trubel und den nächsten Ausflug in den Südwesten unbedingt schon mal einplanen.

Foto Galerie

Domäne Dahlem - Landgut und Museum, Königin-Luise-Str. 49, 14195 Berlin

Telefon 030 6663000
Fax 030 66630066

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Domäne Dahlem - Landgut und Museum

Freilichtmuseum, Bauernhof, Ausflugsort: Das Areal der Domäne Dahlem ist 15 Hektar groß

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