Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Anna F.: Von Wien in die Greifswalder Straße

Anna F. vor einem ihrer Lieblingsläden in Berlin, dem kleinen Deli Facce in der Hufelandstraße.
Anna F. vor einem ihrer Lieblingsläden in Berlin, dem kleinen Deli Facce in der Hufelandstraße. Zur Foto-Galerie
Winsviertel – Die junge Sängerin Anna F. ist im Vorprogramm von Lenny Kravitz aufgetreten, hat mit US-amerikanischen Hitproduzenten gearbeitet und in der österreichischen Hauptstadt gewohnt. Inzwischen genießt sie das vielfältige Leben rund um die Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg – und ein neues Album steht ebenfalls an.

„Irgendwann bin ich dann einfach nicht mehr zurückgeflogen.“ – So erklärt Anna F., wie es zu ihrem Umzug nach Berlin kam, nachdem sie zuvor wegen der Musik zwischen der deutschen Hauptstadt und Wien gependelt war. Die Aussage ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen, gibt aber auch einen Hinweis darauf, wie die Karriere der jungen Künstlerin aus dem südlichen Nachbarland bisher verlaufen ist. Einen festen Plan gab es nicht, nur Hingabe an die Musik. Während sie noch in Graz englische Literatur und Medienwissenschaften studiert, wird einer ihrer Songs für einen Werbespot lizensiert. Bei einem Konzert in Innsbruck tritt sie vor Lenny Kravitz auf, der sie anschließend spontan als Support für seine Europa-Tournee engagiert. Zudem ist Anna in einem Kinofilm und einer arte-Dokumentation zu sehen.

Für ihr kommendes Album „King In The Mirror“ hat sie wieder etwas Neues probiert und in Los Angeles mit erfolgreichen Songwritern wie Jimmy Harry (Madonna, Pink) und Rick Nowles (Lykke Li, Lana Del Rey) gearbeitet. Während die Ergebnisse sich absolut hören lassen können, hat Anna die Arbeitsweise in L.A., die auf Hit getrimmte Zielhaftigkeit weniger zugesagt. In Berlin fand sie schließlich in Philipp Steinke einen Produzenten und nach ihren Worten „super Musiker“, mit dem sie die Mehrzahl der Stücke einspielte. Über die Zusammenarbeit mit ihm sagt Anna F.: „Die besten Songs sind entstanden, als ich mit meinem Produzenten im Studio war und wir gesagt haben: Wir wollen jetzt überhaupt nichts, wir machen einfach Musik.“

Pop mit Kante und einprägsamer Stimme

Das neue Album „King In The Mirror“ sagt Ja zu Pop, zu Melodien und Texten, die hängen bleiben. Gleichzeitig zeigt es musikalisch Kante und die Stimme der sympathischen Österreicherin klingt überhaupt nicht weichgespült, sondern ausgesprochen charaktervoll. Mühelos changiert Anna F. zwischen eher balladesken und introspektiven Songs sowie nach vorne gehenden Nummern. Viele ihrer Texte handeln vom Sich-selber-treu-bleiben, von Selbst- und Fremdwahrnehmung der eigenen Person. „Es ist sehr persönlich“, sagt Anna über die Platte. „Ich finde, es ist ein Herbstalbum. Aber im Frühjahr passt es auch.“ Die Neu-Berlinerin hört sich selbst viele andere Musiker an, aber eine Favoritin ist derzeit dennoch auszumachen: „Florence and the Machine habe ich in den letzten zwei Jahren auf und ab gehört.“

Natürlich ist neben der Nähe zu ihrem Produzenten auch die lebendige Musik- und Konzertszene Berlins ein Plus, das Anna F. gerne mitnimmt. „Im Privatclub war ich öfter, es gefällt mir ganz gut da“, erzählt sie. Doch auch Lido, Kesselhaus oder die Locations an der Revaler Straße 99 hat sie schon besucht. Ihr neues Zuhause ist ein geräumiges Industrieloft mit bröckelnden Mauern, Holzboden und Lastenaufzug in der Greifswalder Straße zwischen Wins- und Bötzowviertel in Prenzlauer Berg. Dort gefällt es Anna ausgesprochen gut. „Ich verstehe auch gar nicht, warum immer alle sagen, die Berliner seien so unfreundlich“, meint sie. Die Direktheit der Berliner Schnauze kommt ihr entgegen. Und auch mit anderen Vorurteilen räumt sie auf: „Ich sehe gar nicht so viele Kinder, wie alle meinen“, sagt sie über ihre Eindrücke von Prenzlauer Berg.

Freizeitspaß in Berlin

Das neue Album ist zwischen Ende 2010 und 2012 entstanden – in der Folgezeit hatte Anna F. genügend Zeit für Freizeit in Berlin. Sie weiß es zu schätzen: „Im Sommer haben wir jedes Wochenende einen anderen See ausprobiert.“  Sportlich war sie ebenfalls aktiv: „Im Volkspark Friedrichshain haben wir Fußball gespielt – ich und zehn Burschen“, erzählt die Sängerin. Auch das Tischtennis-Fieber erfasste sie und ihre Musikerkollegen. Besonders eifrig wurden die Platten am Arkonaplatz bespielt.

Geht es um das leibliche Wohl, steuert Anna gerne den Ort des QIEZ-Interviews an, das kleine Deli Facce in der Hufelandstraße. Dort empfiehlt sie besonders die Brotstulle mit Camembert und Orangen-Honigsenf. In der Marienburger Straße auf der anderen Seite der Greifswalder liegt das Café CK. „Wenn man guten Kaffee will, sollte man dort hingehen“, rät Anna. Ihre Lieblingsbars sind das Haliflor in der Schwedter und das Neu in der Greifswalder Straße. Und auch wenn die Sängerin betont, keine Shopping-Queen zu sein: Am Second-Hand-Laden Soeur, der ebenfalls direkt um die Ecke liegt, kommt sie nicht vorbei. „Da finde ich leider immer was“, seufzt Anna.

Das Album „King In The Mirror“ von Anna F. erscheint am 28. Februar auf Island / Universal. Weitere Infos zu Anna F. gibt es auf ihrer Webseite.

Foto Galerie

Facce Deli, Hufelandstraße 13, 10407 Berlin

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