Renates Wunderland

Grusel-Labyrinth noch bis März in Berlin

Grusel-Labyrinth noch bis März in Berlin
Gruselige Höhlen oder eigener Organismus? Zur Foto-Galerie
Alt-Stralau - Die Macher selbst beschreiben das Peristal Singum im Salon zur wilden Renate als eine Mischung aus Alice im Wunderland, Spielplatz für Erwachsene und Gruselkabinett mit Vergnügungsfaktor. Wer sich traut, kann es noch bis Ende März besuchen.

Ich sitze allein an der Bar im Salon zur wilden Renate. Es ist etwa 21 Uhr. Noch nicht viel los hier, aber langsam werde ich ein bisschen unruhig. Meine Freunde wurden schon abgeholt und weggeführt. Wir sollen allein und im Abstand von etwa zehn Minuten das Labyrinth betreten. Was mich wohl erwartet? Dann werden auch mir die Augen verbunden und ich folge blind in einen Nebenraum. Jetzt darf ich die Augenbinde abnehmen und sehe, dass ich in einer winzigen und vor allem dunklen, mit Tüchern verhängten Besenkammer stehe – und die Tür hinter mir schließt sich. Bei minimaler Beleuchtung kann ich nicht genau erkennen, was ich jetzt überhaupt machen soll. Die goldene Münze, die mir Zugang verschaffen soll, habe ich eingeworfen, aber nichts rührt sich. Ich drücke an die Wände, nichts passiert. Verwirrt und noch nervöser klopfe ich an die Tür hinter mir, und da kommt auch schon die Person, die mich hierher führte, der Gatekeeper, und drückt mit verlegenem Lächeln an eine Öffnung vor mir. Da hat also nur etwas geklemmt – schon weniger gruselig. Dann ist es wieder dunkel, ich taste mich voran und gleite plötzlich eine Rutsche herunter.

Klettern, Suchen und Staunen

Wo genau ich lande, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel sei gesagt: Die Beschreibung als Wunderland, Spielplatz und Gruselkabinett trifft es ziemlich gut. Ich weiß nicht genau, wie lang ich mich im Labyrinth aufgehalten habe, aber anscheinend lange genug, um mich am nächsten Morgen zu fragen, woher denn dieser leichte Muskelkater kommt. Im Gespräch mit meinen Freunden ist später deutlich geworden, dass ich nicht einmal alles gesehen habe – oder bei meinem Rundgang nicht alle Details wie Bilder, Skulpturen oder Geräusch-Effekte beachtet hatte. Nach einer Weile ganz allein da unten, wurde ich nämlich doch irgendwann nervös und wollte den Ausgang finden. Und sobald ich draußen war, hatte ich schon wieder Lust, neu einzutauchen und alles nochmal zu entdecken.

Reste-Konstruktion für die Selbst-Reflexion

Das zweistöckige Kabinett ist eine künstlerische Konstruktion aus Metall- und Holzresten, Glasflaschen, einem auseinander genommenen Auto und sonstigen Abfallprodukten des täglichen urbanen Lebens. Der Maler Tim Schneider, Komponist Georg Losch und der ehemalige U-Bahnfahrer Andrija Bezosevic nahmen sich neun Monate Zeit, um diese Parallelwelt zu erschaffen. Oft fühlt es sich an, als würde man durch die metallenen Organe und vorbei an herabhängenden Arterien und Venen das Innere eines eigenen Organismus erforschen. Die Absicht der Künstler war es, die Besucher auf eine persönliche Reise zu schicken: sie sollen ihre Sinne schärfen, sich im Labyrinth verlieren und schließlich zu sich selbst finden – „the one who is open for a change will find it here.“ Aber auch ohne Entdeckung eines neuen Selbst, bietet das Peristal Singum spannende und unterhaltsame Eindrücke der etwas anderen Art.

Mutige können das Labyrinth noch bis zum 29. März mittwochs bis samstags von 18:00 Uhr bis 22:00 Uhr im Salon zur Wilden Renate betreten. Die Goldmünze, die den Abenteuerlustigen Zutritt verschafft, kostet 10 Euro. Mehr Infos gibt es hier.

 

 

„Was für eine Arbeit hinter dieser Konstruktion stecken muss! Mit Gedanken wie diesen, einer eher rationalen Betrachtungsweise, habe ich mich von dem doch etwas beklemmenden Gefühl im Labyrinth abzulenken versucht. Ich selbst gehöre wahrscheinlich zu den sehr leicht zu beeindruckenden Personen und bin kein großer Fan von Grusel und allem, was damit zusammen hängt. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung und ich überlege sogar, nochmal hinzugehen.“

 

Foto Galerie

Salon - Zur wilden Renate, Alt-Stralau 70, 10245 Berlin

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