Friedrichshainer Nordkiez

Das Samariterviertel: Kinder und Kräne

Der Mittelpunkt des Kiezes: die Samariterkirche. Ein weiteres Merkmal: das nächste Baugerüst ist nicht weit.
Der Mittelpunkt des Kiezes: die Samariterkirche. Ein weiteres Merkmal: das nächste Baugerüst ist nicht weit.
Samariterviertel – Wer sich auf eine Tour durch die auch Nordkiez genannte Gegend in Friedrichshain begibt, stellt schnell prägende Elemente fest: Das Viertel ist ausgesprochen kinderfreundlich – und der Bautätigkeit nach zu urteilen ist seine Beliebtheit ungebrochen.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz nennt, wenn man ihn fragt, das Samariterviertel als eine der schönsten Gegenden von Friedrichshain-Kreuzberg, lobt die Familienfreundlichkeit und das Nachbarschaftsleben. Der Kiez liegt nördlich der Frankfurter Allee und wird ansonsten durch Petersburger und Eldenaer Straße sowie die Ringbahntrasse begrenzt. In seinem Zentrum steht die Samariterkirche auf dem gleichnamigen Platz. Das Gotteshaus wurde Ende des 19. Jahrhunderts im regionaltypischen Stil der Backsteingotik erbaut und gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Galiläa-Samariter.

Keine Frage, im Nordkiez hat sich viel getan: Mehr als 90 Prozent der Wohngebäude sind saniert, ein Teil davon mit öffentlichen Fördermitteln. Natürlich hat man die historische Bausubstanz gewahrt, ist denkmalgerecht vorgegangen. Und wer an einem sonnigen Sommertag durch die Straßen des Viertels wandelt, kann sich seinem Charme tatsächlich nur schwer entziehen. Die Bänschstraße, an der auch die Samariterkirche liegt, ist der Kiez-Boulevard – eine Promenade mit Bäumen und Fußweg in der Mitte.

Spielplätze fast an jeder Ecke

Was jedoch auffällt: Nicht nur dort ist die Gegend keinesfalls überlaufen und deutlich ruhiger als etwa der Südkiez oder Kreuzberg 36. Es gibt kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants, doch deren Zahl steht in einem gesunden Verhältnis untereinander und zur Wohnfläche.

Die Worte des Bürgermeisters findet man auf den Straßen des Viertels schnell bestätigt: An einem Nachmittag während der Schulferien sind hier jede Menge Kinder mit ihren Eltern unterwegs. Viele von ihnen zieht es auf die Spielplätze, von denen es eine ganze Reihe gibt. Zwei der beliebtesten sind die große Anlage auf der Grünfläche am Forckenbeckplatz und das „Drachenland“ an der Schreinerstraße, das seinen Namen dem Aussehen der Spielgeräte verdankt. Auch abseits des Spielplatzes finden sich in der Schreinerstraße familienfreundliche Cafés und Läden. Ein netter Ort für ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee ist etwa das Kaffeemike schräg gegenüber vom Drachenland – zum Laden gehört auch ein Versand für Kaffee und Kaffeemaschinen. Die QIEZ-Empfehlung für die Pause vor Ort: russischer Zupfkuchen.

Der Kiez boomt

Der Charme und die Familienfreundlichkeit des Samariterviertels bleiben nicht ohne Folgen. Im Kiez ist ein stetiger Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen. Anfang 2008 lebten gut 8300 Einwohner im ehemaligen Sanierungsgebiet, doch diese Zahl dürfte schon lange überholt sein. An vielen Ecken wird gebaut, was durch die zahlreichen Kräne schon von Weitem zu sehen ist. Betroffen ist auch die Rigaer Straße, die als eines der letzten Refugien der Alternativkultur gelten kann. Hier gibt es noch bunt bemalte und unsanierte Häuser, hier trifft man so viele Punks wie sonst kaum irgendwo in Berlin. Um die Ecke in der Liebigstraße wurden besetzte Wohnungen geräumt; die Rigaer Straße wird wohl trotz einiger Neubauprojekte ein bunter Fleck im Kiez bleiben.

Und trotz guter nachbarschaftlicher Beziehungen: Ganz profanen Streit gibt es im Samariterviertel auch. Beim Besuch von QIEZ diskutiert auf der Rigaer Straße ein Mann mittleren Alters im Blaumann mit einer Frau mittleren Alters über deren Parkgewohnheiten. Das Auto, um das es geht, steht ein wenig in der Einfahrt – und seine Fahrerin hat beim Zurücksetzen ein Bauhütchen mitgenommen.

 

Samariterkirche Friedrichshain, Samariterstr. 27, 10247 Berlin

Weitere Artikel zum Thema

Wohnen + Leben
Rettung für bedrohte Berliner Kieze
Begehrte Altbaukieze wie in Pankow, Kreuzberg oder Schöneberg will man künftig vor Immobilienwucher schützen. Luxussanierungen […]