Tag der Graphic Novel in Berlin

Warten auf einen Helden

Auch in Deutschland finden Graphic Novels immer neue Fans. Der Leidenschaft für den anspruchsvollen Comic widmen sich im Rahmen des Literaturfestivals zahlreiche Veranstaltungen.
Auch in Deutschland finden Graphic Novels immer neue Fans. Der Leidenschaft für den anspruchsvollen Comic widmen sich im Rahmen des Literaturfestivals zahlreiche Veranstaltungen.
Der "Tag der Graphic Novel" beim Berliner Literaturfestival bringt am Samstag die internationalen Größen der Zeichner-Szene in die Stadt. Im Haus der Berliner Festspiele werden sie in einer Gesprächsreihe vorgestellt.

Das Literaturfestival empfängt neben Romanciers auch Künstler, die Wort und Bild zusammenbringen. Graphic Novel sind Comics mit meist komplexen Handlungsstsängen und werden gerne als „Comic mit Anspruch“ betitelt.  Aus dieser Sparte kommen Szene-Größen wie der Italiener Igort nach Berlin. Dessen Erzählung „5 ist die perfekte Zahl“ erhielt vor einigen Jahren auf der Frankfurter Buchmesse den Titel „Comic des Jahres“. Auch der Kult-Autor Max aus Spanien gehört zu den geladenen Gästen. Seiner Erzählung „Bardín der Superrealist“ wurden beim Comic-Festival in Barcelona drei der Hauptpreise zugesprochen.

Das polnisch-französische Duo Marzena Sowa und Sylvain Savoia ist ebenfalls zu Gast. Ihre Graphic Novel „Marzi“ erzählt von einer Kindheit im Polen der 80er Jahre. Weitere Autoren kommen aus Griechenland, Rumänien, Finnland und Belgien. Einige werden hier vorgestellt.

Marzena Sowa und Sylvain Savoia

Marzena Sowa erblickte das Licht der Welt 1979 in der südostpolnischen Kleinstadt Stalowa Wola. In Karakau studierte sie französische Philologie an der geachteten Jagellonien-Universität. Sylvain Savoia, Jahrgang 1969, kommt aus Reims. Er zeichnet, seit frühester Kindheit und arbeitete in den 1980er Jahren an ersten kurzen Comics für französische Fanzines. Die Comicserie „Marzi“, die das Leben im kommunistischen Polen aus dem Blickwinkel eines jungen Mädchens zeigt, orientiert sich an Marzena Sowas Kindheit. „Damals fing ich an zu schreiben, Memoiren mit dem Titel Marzi, das bin ich.“ 

Veronica Solomon

Veronica Solomon  stammt aus Transsylvanien. 1980 kam sie in der rumänischen Stadt Tirgu Mures zur Welt. Unter dem Pseudonym Inkamon zeichnet sie Geschichten hauptsächlich „Urban Stories“, wie sie sagt, Erzählungen vom Großstadtleben, die mögliche soziale und städtebauliche Zukunftsentwicklungen angehen, meist mit kritischem Unterton. Eine ihrer neueren Arbeiten ist eine in Bukarest angesiedelte Kurzgeschichte als Beitrag zur Gruppenausstellung „L’Europe se dessine“ beim Angouleme Comic-Festival 2012. Auch die Erzählung „George’s Supermächte“ in der Gruppenpublikation „Book of George“ (2011) zeichnete sie.

Igort

Igor Tuveri, oder Igort, stammt aus Cagliari und ist seit mehr als 30 Jahren als Illustrator, Karikaturist und Comiczeichner tätig. In den letzten Jahren konzentriert er sich auf Reiseberichte aus der Ukraine, Russland und Sibirien: Das Ergebnis sind Reportagecomics.  In „Berichte aus der Ukraine“ bringt er die Erinnerungen älterer Menschen aufs Papier. Diese erzählen von Massenmord, Elend, Tod und Kannibalismus infolge der von Stalin heraufbeschworenen Hungersnot. Im Mittelpunkt seines aktuellen Werkes steht jedoch der Schock über die Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja 2006.

Judith Vanistendael

Die Belgierin Judith Vanistendael, 38, reiste für das Studium der Kunst nach Berlin, Gent und Sevilla und ließ auch die renommierte Comicschule Saint-Luc in Brüssel nicht aus. Sie arbeitete als  Kinderbuchillustratorin und veröffentlichte anfänglich einige kürzere Comics. Vor vier Jahren erschien der erste Teil ihrer ersten Graphic Novel „Kafka für Afrikaner“, der viele lobende Kritiken erhielt und eine Nominierung beim Großen Preis des Comicfestivals Angoulême absahnte. Ihre 2012 veröffentlichter Graphic Novel „Toen Davidzijn stemverloor“  (Englisch: „When David Lost His Voice“, Französisch: „David, les femmes et la mort“) zeigt, wie Menschen mit dem nahenden Tod einer nahe stehenden Person umgehen. Im Feuilleton wurde es als  „hervorragende grafische Schilderung der Auseinandersetzung einer Familie mit dem Krebs“ bezeichnet.

Max

Einer der international bekanntesten Spanier im Comic-Geschäft ist Max, 1956 geboren als Francesc Capdevila in Barcelona. Sein neustes Machwerk „Vapor“ (Deutsch: Dampf) soll im Oktober in Spanien und in Deutschland herauskommen. Die Zeichnungen sind in schwarz und weiß gehalten. Sie passen zur Geschichte, in der Nick aus dem lauten Trubel der Großstadt in die Wüste flüchtet.

Mehr über das Programm des Literaturfestivals


Quelle: Der Tagesspiegel

Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24, 10719 Berlin

Telefon 030 254890

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